Inside: Pro Sieben Sat 1
Jede Menge Arbeit für den Chef

Seit der Übernahme des Wettbewerbers SBS ist Pro Sieben Sat 1 in 13 Ländern vertreten und besitzt fast 50 Fernsehsender. Dieses Netz gilt es jetzt zu integrieren und die Größenvorteile zu nutzen. Der Druck auf Konzernchef Guillaume de Posch ist enorm. Doch auch auf dem deutschen Markt hat de Posch noch viel zu tun. Dabei gibt es gleich mehrere Baustellen.

MÜNCHEN. Als der amerikanische Milliardär Haim Saban die Münchener Senderkette Pro Sieben Sat 1 im Sommer 2003 kaufte, da dauerte es nicht einmal ein Jahr, bis Konzernchef Urs Rohner seinen Hut nehmen musste. Anstelle des Schweizers übernahm der Saban-Vertraute Guillaume de Posch den Vorsitz im Vorstand. Im vergangenen Jahr dann der nächste Eigentümerwechsel. Diesmal stiegen die Finanzinvestoren Permira und KKR ein. Bald werden den beiden Beteiligungsgesellschaften sämtliche Stammaktien gehören, weil sie den beim Springer-Verlag verbliebenen Anteil von zwölf Prozent jetzt auch noch kaufen.

Schon seit Monaten hält sich in der Medienbranche das Gerücht, die Investoren würden wie einst Saban einen eigenen Mann an der Spitze installieren. Dies sei allerdings völlig aus der Luft gegriffen, heißt es bei Pro Sieben Sat 1: "Er hat einen Vertrag, der noch über mehrere Jahre läuft, und er beabsichtigt, diesen Vertrag auch zu erfüllen.“ Auch Permira betont, der Manager genieße das "volle Vertrauen bei der Implementierung und Weiterentwicklung der europäischen Strategie des Unternehmens“.

Für den Belgier spricht, dass er viel Erfahrung in der Branche hat und sich jenseits der deutschen Grenzen gut auskennt. Das ist in diesen Tagen wichtiger denn je für Deutschlands größte private TV-Kette. Denn seit diesem Sommer betreibt die Gruppe nicht mehr nur ihre vier deutschen Sender Pro Sieben, Sat 1, Kabel Eins und N 24. Seit der Übernahme des Wettbewerbers SBS ist das Unternehmen in 13 Ländern vertreten und besitzt fast 50 Fernsehsender sowie zwei Dutzend Radiostationen. Dieses Netz gilt es jetzt zu integrieren und die Größenvorteile zu nutzen.

Der Druck auf de Posch ist enorm, denn SBS hat 3,3 Mrd. Euro gekostet. Dazu kommt, dass die Akquisition für viele freie Aktionäre einen bitteren Beigeschmack hat, da SBS zuvor Permira und KKR gehört hat.

Doch auch auf dem deutschen Markt hat de Posch noch viel zu tun. Dabei gibt es gleich mehrere Baustellen. So läuft das Geschäft mit der TV-Reklame längst nicht so gut, wie sich das die Branche noch im Sommer vorgestellt hat. Dies drückt auf die Zahlen der vier deutschen Sender.

Im dritten Quartal ist die Gruppe mit 78 Mill. Euro in die roten Zahlen gerutscht. Wichtigster Grund dafür war ein Bußgeld des Kartellamts wegen illegaler Werberabatte von 120 Mill. Euro. Nach Ansicht der Wettbewerbshüter hat der Konzern - wie auch Konkurrent RTL - kleinere Kunden bei der Vermarktung von Werbezeiten benachteiligt.

Jetzt müssen die großen TV-Ketten ihre Vermarktung grundlegend verändern. Niemand kann heute genau sagen, wie sich das auf den Umsatz auswirken wird. Zudem darf de Posch sein langjähriges Sorgenkind, den Sender Sat 1, nicht aus den Augen verlieren. Der Kanal aus der Hauptstadt sorgte in den vergangenen Monaten immer wieder für negative Schlagzeilen.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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