Inside: Samsung
Gürtel enger schnallen

Samsung strukturiert um und spart offenbar an allen Ecken und Enden. Seit der Asien-Krise von 1997 hat die größte Unternehmensgruppe Südkoreas nicht mehr so viele Baustellen aufgerissen: Personalabbau, Umbesetzung von Spitzenposten, neue Organisation. Am auffälligsten verschlankt sich das Flaggschiff der Gruppe, Samsung Electronics.

TOKIO. Im Quartal von April bis Juni fiel der operative Gewinn erstmals seit fünf Jahren unter die Marke von einer Billion Won (800 Millionen Euro). Die Halbleitersparte fuhr nur noch ein Sechstel dessen ein, was sie vor drei Jahren beigetragen hat. Auch die Politik hat das registriert, denn Samsungs Wohl und Wehe beeinflusst ganz Korea. Die Fabriken des Konglomerats spucken 20 Prozent der Exportwaren des Landes aus, der Anteil am gesamten Bruttoinlandprodukt ist ähnlich hoch. Samsungs Musikspieler, Handys, Fernseher, Chips gehören zu den weltweiten Spitzenprodukten.

Doch insbesondere der Erfolg der südkoreanischen Großindustrie führte zu einer Aufwertung der Landeswährung Won, die jetzt die Exportgewinne auffrisst. Und während Samsung sich wenig angreifbar glaubte, sind der japanische Konkurrent Toshiba und sein US-Partner Sandisk eine enge Zusammenarbeit bei der Herstellung von Speicherchips eingegangen. Plötzlich bieten sie günstigere Preise an.

Bei Samsung Electronics sollen nun Abfindungen teuren Managern Frühpensionierungen schmackhaft machen und konzernweit jede zehnte Stelle gestrichen werden. Zugleich verabschiedet sich der Konzern von dem Prinzip, dass der Leiter einer Sparte deren wichtigste Abteilung in Personalunion leitet. Das hat die Führung einst schlagkräftig gemacht, aber viel Macht – und manchmal ein zu großes Aufgabengebiet – in die Hände einzelner Personen gelegt.

Unter den Mitarbeitern kursieren Gerüchte über weitere Entlassungen, langsam kommt Krisenstimmung auf. Das Controlling lässt auch an kleinen Dingen sparen. Industriearbeiter müssen einige Euro mehr für ihren Schlafplatz im Wohnheim zahlen, das Essen in der Kantine wird teurer und der bezahlte Urlaub zu Ehren von 15 Jahren Betriebszugehörigkeit ist gestrichen. Bezahlte von Überstunden gibt es nicht mehr. Die Anweisung lautet: Werdet innerhalb der normalen Arbeitszeit fertig und geht Heim! Aus Sicht der Anleger sind jedoch sinkende Investitionen bedenklicher als steigende Kantinenpreise. 2007 will Samsung 19 Prozent weniger für neue Anlagen und für Produktentwicklung ausgeben als im Vorjahr.

Im Jahr 1998, direkt nach der katastrophalen Finanzkrise in Asien, hatte sich Samsung erstmals gehäutet. Der Konzern hat seine Töchter unabhängiger gemacht und vor allem die Finanzierung stärker gestreut. Die Prinzipien sauberer Unternehmensführung und bessere gegenseitige Überwachung haben transparenteres und damit effizienteres Wirtschaften ermöglicht. Doch das Top-Management von heute besteht praktisch immer noch aus denselben Leuten, die vor zehn Jahren als unbelastete Generation die Führung übernahmen.

Samsung geht es nicht schlecht, und trotz sinkender Gewinne kommt die Neuausrichtung rechtzeitig. Noch ist Geld in der Kasse, noch steht der Konzern stabil genug da, um sich für die nächste Runde im globalen Wettbewerb zu rüsten. Denn Chinas Elektroindustrie produziert immer raffiniertere Waren – und könnte bald den Standard der Koreaner erreichen.

Finn-Robert Mayer-Kuckuk
Finn Mayer-Kuckuk
Handelsblatt / Korrespondent Peking
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