Inside: Samsung
Neue Konkurrenz aus Japan

Sony geht gefährlich fremd - jedenfalls aus Sicht von Samsung. Die Konzerne bauen gemeinschaftlich Bauteile für Flachbildfernseher. Doch Sony baut künftig auch auf und mit Toshiba - die Japaner haben einander wiederentdeckt. Für die koreanische Samsung ein herber Schlag.

Auf den ersten Blick wirken die beiden Gerüchte widersprüchlich. In Seoul hieß es gestern, der südkoreanische Elektronikkonzern Samsung sei tief besorgt über die Entscheidung des japanischen Partners Sony, Flüssigkristallanzeigen künftig zusammen mit Sharp herzustellen. Die Firmenleitung habe sofort eine Task Force eingerichtet, die Gegenmaßnahmen vorschlagen soll. Zugleich sickerte in Japan über die Wirtschaftszeitung „Nikkei“ durch, dass Sony zusammen mit Samsung 200 Mrd. Yen (1,3 Mrd. Euro) in ein neues gemeinsames Werk stecken will – für Flüssigkristallanzeigen. Wird Sony nun gefährlich untreu oder ist die koreanisch-japanische Partnerschaft intakt?

Beides sei der Fall, heißt es aus der Branche. Die Ankündigung, zusammen mit Sharp zu produzieren, kam für Samsung überraschend, da Sony schon lange die Investition in das Gemeinschaftsprojekt vorbereitet hatte. Sony hatte die Koreaner zwar gewarnt, dass die Beschaffung von Fernseh-Bauteilen auf eine breitere Basis gestellt werden sollte. Doch die Details des Deals mit Sharp – und der Enthusiasmus, mit dem die Sony-Führung ihn vertritt – wirkten auf Samsung irritierend.

Dabei muss sich Samsung gar nicht so viel Sorgen machen. Denn wenn der Fernsehmarkt sich so entwickelt wie allgemein erwartet, wird der Weltmarktzweite Sony alle TV-Bildschirme nehmen, die er bekommen kann – schließlich stellt er selbst keine her. Im Olympiajahr 2008 will Sony bis zu 20 Millionen Fernsehgeräte absetzen. Das wäre etwa das Doppelte der Verkaufszahl für 2007. Auch ohne Sportereignis soll die Produktion 2010 dann stabil 20 Millionen betragen. Die Paneele für die größeren Bildschirmformate wird Sharp liefern. Die beliebteste Größe von 32 Zoll Bilddiagonale kommt weiter von Samsung.

Die Samsung-Task-Force hat die zusätzliche Aufgabe, mögliche neue Allianzen in der Branche vorherzusagen. So soll Sony bereits jetzt im Gespräch mit taiwanischen Herstellern sein, um die Beschaffung weiter zu diversifizieren.

Nun wächst die Sorge, dass Japans Industrie sich wieder mehr mit sich selbst beschäftigt. Konkret könnte Sony Aufträge für Chips stärker an Toshiba vergeben – auch hier ist Samsung bisher guter Partner. Für die Koreaner ist diese Entwicklung besonders bedrohlich. Denn die Koreaner haben sich im vergangenen November entschieden, das Endkundengeschäft in Japan radikal zurückzufahren und statt dessen an japanische Hersteller zu liefern.

Während die gesamte Samsung-Gruppe monatelang mit einem Bestechungsskandal beschäftigt war, hat sie den großen Nachbarn etwas aus den Augen verloren. Die Japaner haben einander wieder entdeckt, nachdem 15 Jahre lang hohe Investitionen in den asiatischen Raum im Vordergrund standen. In seiner monatlichen Mitteilung ermahnte der Chef von Samsung Electronics, Yun Jong-Yong, alle Mitarbeiter, mehr auf die Bedürfnisse der Schlüsselkunden zuzuarbeiten. Doch ob das nützt? in Japan kommt Sonys Hinwendung zu Sharp gut an – „Made in Japan“ ist viel prestigeträchtiger als „Made in Korea“.

Finn-Robert Mayer-Kuckuk
Finn Mayer-Kuckuk
Handelsblatt / Korrespondent Peking
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