Inside: SAP
Zockerspiel mit drei Buchstaben

Das Timing hätte nicht besser sein können. Gerade ist in Frankfurt das Jahrestreffen der Finanzinvestoren zu Ende gegangen, da tauchen Spekulationen über ein Angebot des US-Investors Silver Lake für SAP auf. Wen wundert es da noch, dass die SAP-Aktie einen kräftigen Hüpfer gemacht hat?

FRANKFURT. Völlig unlogisch klingt das Übernahmeszenario auf den ersten Blick nicht. Grundsätzlich ist ein Verkauf durch die Gründer der wohl erfolgreichsten deutschen Softwareschmiede nicht auszuschließen, daran ändert die in solchen Situationen immer schnell zitierte „Verbundenheit der Gründer mit SAP“ nichts.

Auch ist der ins Spiel gebrachte Interessent kein unbeschriebenes Blatt. Silver Lake war dabei, als im vergangenen Jahr 80 Prozent der Halbleitersparte von Philips an ein Finanzkonsortium ging. Und die Softwareindustrie ist für den Investor kein Neuland. Es war Silver Lake, der den Spezialsoftware-Anbieter UGS vom IT-Dienstleister EDS erwarb und vor wenigen Wochen an Siemens weiterreichte.

Dennoch gibt es triftige Gründe, dass die gezündete Übernahmebombe am Ende als Rohrkrepierer endet. Schon die Art und Weise, wie die Spekulationen in den Markt gelangt sind, wirft Fragen auf. Warum sollte ein Fonds eine mögliche Offerte vorher ankündigen? Der Kurs steigt und damit der Preis. Zudem ist eine solche Redseligkeit auch der Verhandlungsposition gegenüber Großaktionären nicht zuträglich. Das Beispiel MAN und Scania belegt, welche Folgen zu früh in den Markt gegebene Informationen haben können.

Hinzu kommt, dass die vermeintliche Offerte just zu dem Zeitpunkt kommt, wo die SAP-Aktie schwächelt. Noch im Januar kostete das Papier 42 Euro, nun notiert es bei 34 Euro. Warum aber sollten die Gründer ihre Aktienpakete ausgerechnet zu einem solchen ungünstigen Niveau abgeben? Das Dementi von zweien der SAP-Väter zeigt, dass diese das auch keinesfalls vorhaben.

Nun kann und wurde in der Vergangenheit schon viel bestritten, was sich am Ende doch als wahr herausstellte. Doch in diesem Fall darf man den Dementis getrost trauen – und das nicht nur, weil die Gründer bislang stets sehr behutsam mit ihren Anteilen umgegangen und diese weitgehend in Stiftungen eingebracht sind. Auch eine Übernahme durch einen Finanzinvestor als solches ist unlogisch. Es ist vor allem das fehlende Ausstiegsszenario, das dagegen spricht. Eine Zerschlagung in Einzelteile kommt nicht in Frage, schließlich gibt es da nichts aufzuteilen. Natürlich könnte Silver Lake als aggressiv agierender Aktionär auftreten und das Management zu mehr Profitabilität drängen. Dadurch würde der Kurs steigen und so die Kassen des Investors füllen. Nur zählt SAP bereits zu den profitabelsten Softwareunternehmen der Welt. Und ob die Fonds-Experten in der Lage sind, noch mehr aus Walldorf herauszuholen als das straffe Management, darf bezweifelt werden.

Am Ende ergeben die Gerüchte um SAP nur einen Sinn: Spekulanten wollten den Kurs der Walldorfer nach oben treiben. Das ist auch gelungen – und es wird angesichts der volatilen SAP-Aktie immer wieder gelingen.

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt
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