Inside: Siemens SBS
Überzogene Ziele

Die Gemengelage im Geschacher um die Zukunft des IT-Dienstleisters Siemens Business Services (SBS) wird immer unübersichtlicher. Zwar redet Siemens-Chef Klaus Kleinfeld noch von einer Sanierung von SBS als „Ganzem“. Doch es bleibt unklar, was er darunter verstehen möchte.

FRANKFURT. Dabei geht es weniger um die bevorstehende Trennung von der Sparte Hardwarewartung, mit rund einer Milliarde Euro Umsatz der kleinste Geschäftsbereich. Dieser Schritt war seit langem Teil des Sanierungsplans. Doch Kleinfeld kann nicht ernsthaft davon ausgehen, dass dieser Einschnitt genügen wird. Jedenfalls dann nicht, wenn der Konzernchef an der Zielvorgabe für SBS festhält, bis 2007 eine Umsatzrendite von rund sechs Prozent zu erreichen.

Denn auch im IT-Outsourcing, mit rund 2,7 Milliarden Euro Umsatz das größte Geschäftsfeld, wird SBS noch lange Zeit mit den Sünden der Vergangenheit zu kämpfen haben. Zu oft haben die Münchener im harten Wettbewerb des Outsourcing-Geschäfts auf Marge verzichtet, um Wettbewerber mit Kampfpreisen aus dem Feld zu schlagen. Schlimmer noch: Es ist in der Branche ein offenes Geheimnis, dass SBS bei manchen Outsourcing-Verträgen – beispielsweise mit dem Versicherungskonzern Gerling – noch jahrelang drauflegen wird.

Bleibt die Option, auch diesen Teilbereich zu verkaufen oder in ein Joint-Venture einzubringen. Für einen Partner wie den immer wieder als Interessenten gehandelten französischen IT-Dienstleister Atos Origin wäre ein Kauf des Outsourcing-Geschäfts aber nur interessant, wenn damit auch der Outsourcing-Vertrag mit dem Großkonzern Siemens verbunden wäre. Mit einem solchen Schritt aber tut sich der Technologiekonzern offenbar mehr als schwer.

Im Falle eines Verkaufs der Outsourcing-Sparte käme erschwerend die Frage hinzu, was aus dem Großprojekt „Herkules“ würde. Unter diesem Namen verhandeln die Partner Siemens und IBM mit der Bundeswehr über ein milliardenschweres Outsourcing-Abkommen, das SBS den Betrieb von Teilen der IT- und Telekommunikations-Infrastruktur der Armee übertragen würde. Ein Projekt, das nach den schlechten Erfahrungen mit der LkW-Maut nicht nur als politisch sensibel gilt, sondern an dem auch der angrenzende Siemens-Geschäftsbereich Communications hohes Interesse haben dürfte.

Bleibt als dritter Bereich das IT-Projekt- und Beratungsgeschäft, in dem SBS mit einem Umsatz von rund anderthalb Milliarden Euro in Deutschland ebenfalls zu den Schwergewichten zählt. Doch Margenwunder sind auch hier nicht zu erwarten, denn seit rund drei Jahren sinken die Tagessätze für IT-Experten um durchschnittlich 10 Prozent pro Jahr. Globale Wettbewerber wie Accenture haben mit dem massiven Aufbau von Kapazitäten in Billiglohnregionen Indiens und Chinas reagiert und üben anhaltenden Druck auf die Preise aus.

Der eingeschlagene Weg, sich bei SBS künftig von einfachen IT-Dienstleistungen wie der PC-Wartung zu verabschieden und sich auf Dienstleistungen wie die Betreuung von SAP-Systemen zu konzentrieren, ist im Prinzip richtig. Doch in den Zeitvorgaben des Siemens-Managements ist ein Turnaround nicht zu schaffen – der Markt und die Struktur von SBS geben es einfach nicht her.

Umso verwunderlicher ist es, dass sich diese Einsicht bei einem Manager wie Siemens-Chef Kleinfeld nicht schon längst durchgesetzt hat. Es sei denn, die Zerschlagung von SBS wäre ohnehin beschlossene Sache und die Sanierungsrhetorik lediglich ein Mittel, um die eigene Verhandlungsposition nicht zu schwächen. Sollte es anders sein, wäre es an der Zeit, die überzogenen Ziele zu korrigieren.

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