Inside: Silicon Graphics
Überlebenskampf eines Dinos

Es soll ein Comeback werden. Nach vier Monaten unter Gläubigerschutz will der US-Computerkonzern SGI wieder positive Nachrichten schreiben. „Wir werden eine offensive Firma sein“, kündigt Tim Butchart, Europa-Chef, selbstbewusst an. Im Oktober soll das Chapter-11-Verfahren beendet werden.

FRANKFURT. Das klingt irgendwie vertraut. Tatsächlich ist es nicht der erste Comeback-Versuch der High-Tech-Schmiede aus Kalifornien, die früher unter dem Namen Silicon Graphics firmierte. Bereits 1999 war der Hersteller von Hochleistungscomputern ein Sanierungsfall – und ist seitdem nie wieder so richtig auf die Beine gekommen. Dabei standen die Versalien SGI noch vor rund zehn Jahren für einen Superstar im Silicon Valley. Die leistungsfähigen Kisten von SGI waren legendär. Noch heute nutzt die Nasa sie, ebenso viele Wetterdienste oder Autokonzerne, um die Entwicklung neuer Modelle zu beschleunigen. Im Film „Jurassic Park“ sorgten die Maschinen dafür, dass den Dinosauriern Leben eingehaucht werden konnte.

11 000 Mitarbeiter standen 1997 auf der Payroll des Unternehmens. 3,6 Milliarden Dollar spielten die Superrechner damals ein. Doch irgendwie hatte das traurige Schicksal der Riesenechsen auf SGI abgefärbt. Die schiere Größe übertünchte die Probleme, verzögerte die Anpassung an eine sich wandelnde Umwelt.

Personalcomputer wurden immer billiger und leistungsfähiger. Klinkte man mehrere Rechner zusammen, kamen beachtliche Rechenleistungen heraus. Die Folge: SGI tat sich mit den eigenen Servern zunehmend schwerer gegen die neue Konkurrenz wie Hewlett-Packard, IBM oder auch Sun. Hinzu kamen Managementfehler. Viel zu lange hielt die SGI-Spitze an der eigenen Technologiewelt fest. Statt auf Standard-Prozessoren setzte es auf eigene Chips. Als der Auftragsfertiger Probleme bekam, kaufte das SGI kurzerhand die Chip-Entwickler auf. Auch die Steuerungs-Software schrieb SGI selbst. All das trieb die Kosten in die Höhe.

Erst 1999 zog das Management die Bremse. Es wechselte bei den Chips zu Intel und warf die eigene Software zugunsten von Linux hinaus. Doch das reichte nicht. Die Kunden bestellten immer seltener. Im Mai dieses Jahres musste SGI Gläubigerschutz anmelden. Die traurige Bilanz: ein auf 730 Millionen Dollar geschrumpfter Umsatz, ein Kapital von knapp 400 Millionen Dollar und Schulden von 650 Millionen Dollar. Das soll nun Vergangenheit sein. Finanziell saniert will SGI mit neuen Produkten neue Kunden gewinnen. Neben den Spezialaufträgen etwa von der US-Raumfahrorganisation Nasa will SGI verstärkt bei Unternehmenskunden Fuß fassen.

Die Chancen sind da. Unternehmen kämpfen mit immer größeren Daten-Mengen. Diese müssen effektiv gemanagt werden. Davon profitieren die schon totgeglaubten großen Rechner. Noch dazu hat SGI einen Vorteil: Die Kalifornier können ein Paket aus leistungsfähigen Rechnern und Speicheranlagen schnüren und anbieten.

Dennoch liegt ein schwerer Weg vor SGI. Gerade im Firmenkundengeschäft ist der Wettbewerb beinhart. Das wissen auch die Investoren, die nach wie vor keinen rechten Appetit auf das Papier verspüren. So bleibt es vorerst ungeklärt, ob der Überlebenskampf des Dinosauriers SGI noch ein anderes Ende nehmen wird als der jener Riesenechsen.

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt
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