Inside: Springer & Jacoby
Agentur vor dem Aus

Ob Formel-1-Weltmeister Mika Häkkinen Angst um seine A-Klasse hat, weil seine Frau Erja mit dem Mercedes bei Glatteis durch die finnische Wälder rast oder ein kleines Mädchen für den Milchhersteller Müller Milch frech „Fruchtalarm!“ in die Kamera kreischt: Kaum eine Werbeagentur in Deutschland hat mehr Preise und Lob kassiert als Springer & Jacoby aus Hamburg.

HAMBURG. Doch die einstige Ikone am deutschen Werbehimmel hat ihre guten Tage hinter sich: Seit Monaten reißen die Negativschlagzeilen nicht mehr ab. Erst zieht es den Großkunden Mercedes-Benz nach sechszehnjähriger Zusammenarbeit zum Hamburger Konkurrenten Jung von Matt; dann floppt die seit Monaten längst geplante Fusion mit der Münchener Kommunikationsagentur Elephant Seven.

Nun stehen die Hamburger am Abgrund. Fraglich ist, ob ein kapitalkräftiger Investor gefunden werden kann, der Springer&Jacoby das Überleben sichert. Denn für Interessenten dürfte sich das Investment kaum mehr lohnen. Ein Grund ist, dass nach dem Verlust des Mercedes-Etats der legendäre Ruf des einstigen Branchenführers als kreativste Agentur Deutschlands schwer gelitten hat. Immer mehr Auftraggeber wie Veltins oder Axel Springer wandern zur Konkurrenz ab. Selbst das Auktionshaus Ebay - einer der letzten großen Kunden - denke bereits über einen Agenturwechsel nach, heißt es in Fachdiensten. Die Firma fürchtet offenbar, dass das beschädigte Image der Hamburger auf einen selbst abfärben könnte.

Auch finanziell steht Springer&Jacoby schlecht da. Nach dem Rückzug der beiden Firmengründer Reinhard Springer und Konstantin Jacoby vor einigen Jahren hat die Firma einen Schuldenberg in zweistelliger Millionenhöhe aufgetürmt. Grund hierfür ist die seit Jahren schwelende Krise am Werbemarkt. Denn die werbetreibende Wirtschaft hat die Budgets gekappt. Zudem verschärft sich der Wettbewerb zwischen den Agenturen - immer mehr Newcomer drängen auf den Markt und setzen die Preise unter Druck.

Halbherzig hat Springer & Jacoby auf die veränderten Bedingungen reagiert. Zwar strafft die Agentur die Organisation und entlässt ein Viertel ihrer Mitarbeiter. Negativ ist indes, dass auch wichtige kreative Köpfe gehen. Im Streit räumen die beiden Deutschland-Chefs Alexander Schill und Jörg Schultheiss ihre Posten. Haltlos überfordert erscheinen die beiden Geschäftsführer und Anteilseigner, Oliver Schwall und Erik Heitmann. Sie versuchten einen Schulterschluss mit dem Berliner Konkurrenten Scholz & Friends. Ohne Erfolg. Verantwortlich dafür sind vor allem jene Altgesellschafter, die jetzt einen Neuanfang erschweren dürften. Unter ihnen ist Andre Kemper, Chef des Hamburger Konkurrenten Kemper Trautmann. Der Ex-Chef bekommt noch eine Millionen-Abfindung, die aber die Agentur wegen ihrer hohen Schuldenlast derzeit nicht zahlen kann.

Ob Scholz & Friends einen zweiten Anlauf wagt, ist unklar. Die Berliner dürften wohl nur zugreifen, wenn die Altgesellschafter und die HSH Nordbank als Hauptkreditgeber auf Schulden verzichten und die bisherigen Geschäftsführer ihre Posten räumen. Die Agentur riskiert, dass bald die Lichter ausgehen – und die legendäre Marke Springer & Jacoby endgültig vom Werbemarkt verschwindet.

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