Inside: Sun
Noch kein Königsweg

Sun Microsystems hat eine weitere heilige Kuh geschlachtet, um das unablässige Schrumpfen seit dem Platzen der Hightech-Blase zu stoppen. Nach jahrelangem Drängen der Kunden wird Sun nun endlich den Quellcode der populären Internet-Programmiersprache Java veröffentlichen. Nach den langen vergeblichen Aufforderungen zeigte die Ankündigung aber wenig Wirkung.

PORTLAND. Java wird damit zu einem so genannten Open-Source-Produkt nach dem Beispiel des freien Betriebssystems Linux. Branchenbeobachter meinen, dass Sun diesen Schritt bereits vor einigen Jahren hätte tun sollen, als Java noch Marktführer war. Inzwischen habe die Programmiersprache Zend Java bei der Entwicklung von Websites überholt. Die Freigabe sei nur eine defensive Maßnahme und werde kaum Einfluss auf die Ergebnisse haben.

Sun sieht das anders. Java sei in mehr als einer Milliarde Desktops, Servers, Smartcards und Handys installiert, und die Freigabe öffne den Weg zur nächsten Milliarde, sagte Firmenchef Jonathan Schwartz. Sun wird Java einschließlich des Quellcodes nach dem so genannten General Public License-Verfahren (GPL) veröffentlichen, an das sich auch Linux und zahlreiche andere Open-Source-Softwareprodukte halten.

Die Freigabe des Quellcodes fördert die Innovation, weil unabhängige Entwickler Fehler ausbügeln und Verbesserungen anbringen können. Nach dem GPL müssen alle Veränderungen allgemein verfügbar gemacht werden, um ein Gewirr abweichender Versionen zu vermeiden. Die Veröffentlichung nach GPL vereinfacht die Bündelung mit Linux und stärkt damit die Open-Source-Welt, die gerade durch den Eintritt von zwei Riesen verunsichert wurde.

Oracle sagte Red Hat, dem führenden Linux-Anbieter, mit drastisch niedrigeren Preisen für Betriebssystem und Programmpflege den Kampf an. Microsoft investiert 250 Millionen Dollar in Novell, den schwächsten Linux-Anbieter. Linux-Fans fürchten nun die Spaltung und Schwächung der Open-Source-Welt. Mit der Öffnung von Java schlägt sich der traditionelle Microsoft-Rivale Sun auf ihre Seite.

Für Suns Zukunft entscheidender ist jedoch, ob die Firma ihr Server-Geschäft wieder auf die Beine bringt. Einst waren Suns Sparc Server und ihr Solaris Betriebssystem der Top-Standard für die Netz-Steuerung. Aber geschlossene Systeme mit proprietärer Hard- und Software sind inzwischen out.

Mittlerweile bietet Sun auch billigere Server mit AMD- und Intel-Chips und propagiert das ebenfalls offene Solaris-Betriebssystem als Plattform für Linux- und Microsoftanwendungen. Sun ist optimistisch. Aber ein Königsweg aus der Nische, in der das Unternehmen von den starken Wettbewerbern Hewlett-Packard, IBM und Dell bei Hardware sowie von Linux und Microsoft bei Software eingekeilt ist, wird damit noch nicht sichtbar.

Die Freigabe von Java gibt dem Programm frischen Wind, aber sie löst das Grundproblem des Unternehmens nicht: Wo findet Sun künftig Wachstum? Die Übernahme von StorageTek für vier Milliarden Dollar im vergangenen Jahr war offenbar auch nicht der erhoffte Befreiungsschlag. Seit neuestem bietet Sun ein komplettes Datenzentrum in einem 20-Fuß-Standard-Seecontainer an. Ob es schon Kunden gibt, ist nicht bekannt.

Quelle: Handelsblatt
Jens Eckhardt
Handelsblatt / Korrespondent
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%