Inside: T-Systems
Ohne Umbau keine Zukunft

Ein bekanntes Sprichwort besagt: Wo Rauch ist, da ist auch Feuer. Dies dürfte ziemlich genau die derzeitige Situation bei der Telekom-Tochter T-Systems beschreiben. Seit Monaten, ja eigentlich schon seit Jahren, wird immer wieder über einen Verkauf spekuliert.

FRANKFURT. Nun werden Gerüchte im Gegensatz zum Rotwein mit höherem Alter nicht unbedingt besser. Doch eins ist klar: Es wird etwas passieren – T-Systems wird in zwölf Monaten nicht mehr so aussehen wie heute. Ein Totalverkauf dürfte allerdings das unwahrscheinlichste aller Szenarien sein.

Das wird schon beim Blick auf das Geschäft von T-Systems deutlich. Gemeinhin wird die Telekom-Tochter als IT-Dienstleister bezeichnet. Doch diese Beschreibung greift zu kurz. T-Systems ist die Geschäftskunden-Sparte der Deutschen Telekom. Das Spektrum reicht von der Betreuung der Telefon- und Datennetze über IT-Services wie die Wartung von Rechnern oder Rechenzentren bis hin zu Outsourcing-Dienstleistungen.

Vor allem die Netze, eines der wohl wichtigsten „Assets“ des magentafarbenen Konzerns, dürften kaum zur Disposition stehen. Sie bilden die Basis für künftige Geschäfte mit den Firmenkunden, sie sind die Tür zum gesamten Geschäftskunden-Segment. Gerade deshalb entbehren die ewig wiederkehrenden Spekulationen über einen Totalverkauf an Rivalen wie etwa Atos Origin jeglicher Logik.

Dieses Argument steht jedoch einem massiven Umbau der Telekom-IT-Tochter keineswegs entgegen. Denn die Baustellen, mit denen T-Systems-Chef Lothar Pauly derzeit kämpft, sind mannigfaltig. Da ist der so genannte Field-Service, das sind all jene Mitarbeiter, die vor Ort bei den Firmen die PC’s warten. Mit diesem Geschäft verdient niemand in der Branche auch nur einen Cent, auch T-Systems nicht. Eine Trennung, wie von Pauly bereits angedeutet, wäre also nur konsequent, dürfte wegen der geringen Margen aber einfacher gesagt als getan sein.

Andere Baustellen sind die großen IT-Projekte und das Outsourcing. Zwar hat T-Systems historisch bedingt mit Daimler-Chrysler, der Mutter Telekom und seit kurzem Volkswagen wichtige Kunden. Jenseits dieses so genannten kaptiven Geschäfts sieht es allerdings mau aus. T-Systems fehlt die internationale Größe, um gegen die Riesen wie IBM ankämpfen zu können.

Zwar könnte der neue Telekom-Chef René Obermann dieses Geschäft durch Zukäufe ausbauen. Doch ob er dafür die Mittel zur Verfügung stellen wird, ist fraglich. Schließlich werfen die IT-Services eine geringere Rendite ab als der Mobilfunk. Atos Origin oder CMG Logica – beide Rivalen haben sich zuletzt mit Zukäufen massiv verstärkt – erreichen Betriebsergebnismargen von 7,1 Prozent und 6,6 Prozent, T-Systems kommt bislang auf magere 3,2 Prozent.

Anderseits ist schon heute klar, dass auch die noch ansehnliche Rendite im Mobilfunk mittelfristig sinken wird, schließlich gelten die Märkte als weitgehend gesättigt. Obermann braucht also neue Wachstumsfelder. Die IT-Dienstleistungen könnten ein solches sein, allerdings unter der Maßgabe, sich auf die Bereiche zu konzentrieren, von denen die Telekom etwas versteht. Beispiele sind Branchen wie die Autoindustrie, die öffentliche Hand und die Telekomindustrie. Auch im Mittelstand bieten sich für T-Systems Chancen, ebenso bei Services, die mit der Telekommunikation verwandt sind.

Auch nach dem Umbau wird es also mit großer Wahrscheinlichkeit eine T-Systems geben, freilich eine gewaltig zurechtgestutzte. Gut möglich, dass auf dem Weg dahin auch der Name Atos Origin wieder eine wichtige Rolle spielen wird – allerdings ist noch offen, ob als Partner oder eben als Käufer von Teilen des IT-Lösungsgeschäftes.

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Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
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