Inside: Telecom Italia
Langes Warten auf den neuen Anschluss

Eigentlich ist das Schicksal von Telecom Italia besiegelt. Bereits Ende April gab der Hauptaktionär Pirelli den Verkauf seiner Kontrollbeteiligung an die spanische Telefònica und deren italienische Partner bekannt. Doch seit der Ankündigung befindet sich der Telekom-Konzern im Schwebezustand. Die geplante Übernahme entscheidet sich in Brasilien.

MAILAND. In dem Konsortium „Telco“ von Telefònica sitzen auch Italiens größter Versicherer Generali, die Banken Mediobanca und Intesa Sanpaolo und der Modekonzern Benetton. In Brasilien kontrollieren Telefònica und Telecom Italia gleich zwei Mobilfunkanbieter. Die Spanier sind an der Nummer eins des Landes, Vivo Participacoes, mit 50 Prozent beteiligt. Die Italiener betreiben mit ihren Ableger TIM Brasil die dortige Nummer zwei. Bei der Gründung der neuen Kontrollholding Telco haben die Spanier zugesichert, sich aus den Tagesgeschäft von Tim Brasil herauszuhalten. Ob diese Zusage den südamerikanischen Wettbewerbshütern ausreicht?

Sowohl Pirelli als auch Telefònica äußern sich optimistisch, dass sie den Abschluss wie geplant Mitte November über die Bühne bringen können. Formal ist das Okay der brasilianischen Aufsicht zwar nicht bindend. Doch für den künftigen Kurs von Telecom Italia unter spanischer Führung wäre ein Zeichen aus Brasilien hilfreich.

Denn die Italiener navigieren schon seit mehr als einem Jahr ziellos herum. Ständige Strategiewechsel, ein Abhörskandal und schließlich immer neue mögliche Käufer haben dem Konzern zugesetzt. Nach dem gescheiterten Einstieg des US-australischen Medienzars Rupert Murdoch wollte zunächst der US-Konzern AT&T den italienischen Konkurrenten übernehmen. Doch dieser Plan scheiterte ebenso am politischen Widerstand aus Rom wie wenig später die Avancen des mexikanischen Milliardärs Carlos Slim. Die italienische Regierung sieht den Konzern lieber nationalen Händen. Der Einstieg von Telefònica war wohl nur deshalb möglich, weil sich die Spanier als Co-Investoren Italiener ins Boot holten.

Aber die Unruhe bleibt. Zu den wichtigsten Themen gehört die Abspaltung des Festnetzes nach britischen Vorbild. Auf eine solche Lösung drängt nun auch die italienische Aufsichtsbehörde, nachdem der Regierung in Rom 2006 noch eine Verstaatlichung des Netzes vorschwebte. Die Mitarbeiter von Telecom Italia fragen sich, wie lange Unternehmenschef Riccardo Ruggiero noch auf seinem Posten bleibt. Die Liste mit möglichen Nachfolgern wird beinah täglich länger. Doch es hilft alles nichts: Die Entscheidungen fallen erst, wenn die Eigentümer endlich gewechselt haben.

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin
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