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Telecom Italia: Spanische Fehlinvestition

Die Stimmung bei Telecom Italia ist gedrückt. Nach einem langen Hin und Her hat der ehemalige Monopolist zwar seit Ende 2007 endlich neue Aktionäre und mit Franco Bernabe seit Jahresbeginn auch eine neue Führung. Aber der große Wurf ist bisher ausgeblieben.

Telecom Italia leidet unter dem Konkurrenzdruck auf dem Heimatmarkt, sitzt auf einem 35 Milliarden Euro hohen Schuldenberg und hat nicht genügend Mittel für ein neues, schnelles Breitbandnetz. Der Aktienkurs rutscht immer tiefer in den Keller, und die Aktionäre von Telefonica werden langsam unruhig. Der spanische Konzern hatte sich Ende 2007 mit 42,3 Prozent an der Holding Telco beteiligt, die 24 Prozent der Aktien Telecom Italia besitzt.

Heute trifft sich der Verwaltungsrat des Unternehmens. Offiziell soll es zwar keine heiklen Tagesordnungspunkte geben. Aber die Verstimmung der Spanier ist allgemein bekannt.

Telefonicas Beteiligung entpuppt sich immer mehr als Fehlinvestition. Die Spanier haben angesichts des aktuellen Aktienkurses viel zu viel bezahlt und zu sagen haben sie auch nichts. Als Telefonica-Chef Cesar Alierta vor zwei Wochen persönlich nach Rom reiste, bekam er unmissverständlich mitgeteilt, dass er sich keine Hoffnung auf eine Komplettübernahme machen solle. Silvio Berlusconi, Italiens Regierungschef, besteht darauf, dass Telecom Italia in italienischer Hand bleibt.

Vielleicht schwante Berlusconi da schon, dass sein patriotischer Rettungsversuch bei Alitalia scheitern könnte. Vielleicht reagierte er auch bloß auf die jüngsten Vorstöße von Aktionären. So hat die italienische Unternehmerfamilie Fossati ihre Beteiligung an Telecom Italia von 4,5 Prozent auf fünf Prozent aufgestockt. Nach der Holding Telco sind die Fossatis der zweitgrößte Aktionär von Telecom Italia und sie gelten als Freund einer Komplettübernahme durch Telefonica.

Aber wenn die Regierung nicht mitspielt, dürften die Aussichten für eine Komplettübernahme schlecht stehen. Und was soll Telefonica dann noch als Minderheitsaktionär bei Telecom Italia? Die Synergien sind gering und das Geschäft der brasilianischen Mobilfunkgesellschaften Tim Brasil und Vivo läuft getrennt weiter. Vivo wird von Telefonica und Portugal Telecom kontrolliert, Tim Brasil ist dagegen die Tochter von Telecom Italia. Beide Unternehmen florieren, aber Telefonica hat bei keinem der beiden das Sagen.

Doch hier liegt die Chance, den Streit zwischen Telefonica und Telecom Italia beizulegen. Es ist durchaus wahrscheinlich, dass Telecom Italia seinen spanischen Aktionär mit Tim Brasil abfindet: Das brasilianische Geschäft wird abgespalten und geht an Telefonica, die sich im Gegenzug aus dem Aktionärsverband Telco zurückzieht. Mit dieser Lösung könnten die Spanier sicher gut leben.

Für Telecom Italia stellt sich die Lösung weitaus weniger rosig dar: Das Unternehmen stünde ohne den Wachstumsmotor Brasilien da. Und es verlöre einen internationalen Partner. Aber viele Alternative gibt es nicht.

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin
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