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Telegate: Rein ins Werbegeschäft

Kredite sind derzeit ein knappes Gut. Insofern ist Andreas Albath zu beneiden, denn die Finanzinstitute braucht er momentan nur, um sein Geld anzulegen. Mehr als 30 Millionen Euro hat der Chef des börsennotierten Auskunftsdienstleisters Telegate an flüssigen Mitteln.

MÜNCHEN. Kredite sind derzeit ein knappes Gut. Insofern ist Andreas Albath zu beneiden, denn die Finanzinstitute braucht er momentan nur, um sein Geld anzulegen. Mehr als 30 Millionen Euro hat der Chef des börsennotierten Auskunftsdienstleisters Telegate an flüssigen Mitteln. Ein beruhigendes Polster für den Münchener Konzern, der 2007 bei einem Umsatz von 175 Millionen Euro einen Gewinn von 33,6 Millionen Euro einfuhr.

Andererseits ist dem Manager klar, dass er die Millionen auch braucht. Denn Telegate bleibt nichts anderes übrig, als ein neues Geschäftsmodell einzuführen. Bislang verdient das Unternehmen sein Geld mit Telefonauskunft. Doch das Geschäft bröckelt, immer öfter nutzen die Deutschen das Internet. Dort gibt es die Auskünfte kostenlos.

Albath ist deshalb fest entschlossen, Telegate ins Internet-Zeitalter zu führen. Künftig sollen sich die Menschen ihre Informationen von der Telegate-Seite holen. Natürlich: auch auf der Homepage von Telegate müssen sie nichts bezahlen. So wie fast alle Informationen im Internet umsonst zu haben sind. Finanzieren will der Manager das Angebot durch Werbung von Kleingewerbetreibenden wie Metzgern, Bäckern und dem Schreibwarenladen von nebenan.

Es war Verona Feldbusch, die Telegate mit dem Spruch "Da werden Sie geholfen" Ende der 90er Jahre berühmt machte. Den Slogan gibt es noch, Frau Feldbusch wirbt aber längst nicht mehr für die Firma mit der Nummer "11880".

Telegate hat sich gewandelt. Die gigantischen Wachstumspläne von einst sind begraben. Doch das Geschäft läuft gut, jüngst hat die Gesellschaft ihre Prognose nach oben gesetzt. Statt eines Gewinns vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von bis zu 35 Millionen Euro erwartet der Konzern 2008 nun zwischen 35 und 40 Millionen Euro.

Ob das neue, auf Werbung basierende Geschäftsmodell aufgeht, lässt sich heute noch nicht beurteilen. Denn bis jetzt fließt der größte Teil der Werbeausgaben der Mittelständler in die "Gelben Seiten" oder in die Regionalzeitung. Mit 400 Vertretern geht Albath jetzt Klinken putzen.

Allerdings ist Telegate nicht das einzige oder gar erste Unternehmen, das mit lokaler Werbung im Internet sein Geld verdienen will. Es gibt eine ganze Reihe von Anbietern, die mit ähnlichen Konzepten um die Kunden werben. Telegate hat jedoch einen Vorteil: Das Kerngeschäft Telefonauskunft wird auch vorerst ausreichende Gewinne abwerfen, um das neue Finanzierungsmodell aufzubauen.

Ganz so entspannt, wie Telegate-Chef Albath die Finanzkrise verfolgt, ist sein Hauptaktionär vermutlich nicht. Seat Pagine Gialle, dem italienischen Gelbe Seiten Anbieter, gehören 77 Prozent der Anteile. Allerdings ächzt der Investor unter einer enormen Schuldenlast und hat angekündigt, sich von den Aktien zu trennen. Wer die Papiere übernimmt, ist offen. Deshalb ist auch nicht ausgeschlossen, dass ein neuer Eigentümer ganz andere Pläne mit Telegate verfolgen wird.

hofer@handelsblatt.com

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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