Inside: Telia-Sonera
Nej tack – und nun?

Das „nej tack“ des schwedisch-finnischen Telekomkonzerns Telia Sonera zum Angebot des Konkurrenten France Télécom war schon vor einem Monat klar und deutlich. Der Preis von rund 26 Mrd. Euro ist den Nordeuropäer einfach zu niedrig. Für das Unternehmen beginnt damit aber eine Phase der Ungewissheit.

STOCKHOLM. Vor einem Monat hatte der Telekomkonzern France Télécom in einer vorläufigen Übernahmeofferte den Aktionären des schwedisch-finnischen Konkurrenten Telia Sonera rund 26 Mrd. Euro geboten. An der ablehnenden Haltung der Nordeuropäer hat sich in den vergangenen vier Wochen nichts geändert. Der Preis sei einfach viel zu niedrig, ließ der Vorstand verlauten, der sich dabei auch der Unterstützung des schwedischen Staates sicher sein konnte. Der hält an Telia Sonera 37,3 Prozent, will diesen Posten aber verkaufen.

Es war also nur eine Frage der Zeit, dass France Télécom das Handtuch wirft. Die Franzosen sahen sich nicht in der Lage, das Übernahmeangebot wesentlich zu erhöhen, deshalb wurde die Telekom-Ehe jetzt abgeblasen. Für Telia Sonera beginnt damit eine Phase der Ungewissheit. Der schwedische Staat will seine Anteile bis zu den Parlamentswahlen im Herbst 2010 verkaufen. Die bürgerliche Regierung spricht sogar von "einer notwendigen Konsolidierung der Branche".

Telia Sonera ist eine attraktive Braut. Der Konzern, der 2002 aus der Fusion von Telia mit der finnischen Sonera entstand, hat früher als die meisten europäischen Konkurrenten die Wachstumspotenziale im eurasischen Raum, in Russland und der Türkei entdeckt. Heute stehen die Beteiligungen an Mobilfunkbetreibern in der Türkei, Russland, Aserbaidschan, Kasachstan und Tadschikistan bereits für knapp die Hälfte des Börsenwertes. Denn auf diesen Märkten, die für elf Prozent des Gesamtumsatzes von Telia Sonera stehen, werden deutlich höhere Gewinnmargen erzielt: Im ersten Quartal waren es in Eurasien knapp 50 Prozent, während sich der heimische Markt mit nicht einmal 30 Prozent begnügen musste.

Doch wer bietet sich als Käufer an? Der Druck auf die Telia-Sonera-Führung, aber auch auf die schwedische Regierung ist gewachsen. Sie muss innerhalb der kommenden zwei Jahre einen Käufer finden, der deutlich mehr bezahlt als die Franzosen. Alles andere würden rund 600 000 Kleinaktionäre nicht nachvollziehen können, die 2000 stolze 85 Kronen (9,04 Euro) für die "Volksaktie" zahlten. Die Übernahmeofferte von France Télécom entsprach nur 54,30 Kronen je Aktie.

Ein möglicher Käufer ist der größte nordeuropäische Telekom-Konzern, Norwegens Telenor. Nationale Empfindlichkeiten, die 1999 noch die geplante Fusion von Telia mit Telenor verhinderten, gibt es nicht mehr. Allerdings überschneiden sich die Geschäfte beider Konzerne zumindest in Nordeuropa so stark, dass die Wettbewerbshüter ein Wort mitreden würden. Der Verkauf von Mobilfunk- und Breitband-Sparten wäre unabdingbar.

Finanzinvestoren sind dagegen knapp bei Kasse und kommen wohl kurzfristig kaum als Käufer in Frage. Die spanische Telefónica will nicht, die Deutsche Telekom hat andere Probleme. Keine gute Ausgangsposition für Telia Sonera und die Politiker. Die Konzernführung muss erst noch beweisen, dass Telia Sonera tatsächlich deutlich mehr wert ist, als die Franzosen zahlen wollten.

Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent
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