Inside: Tiscali
Aus den Träumen gerissen

Heute Italien, morgen der Rest der Welt. World Online, Addcom, Planet Interkom - so lange ist es noch nicht her, dass der italienische Internet-Dienstleister Tiscali auf Einkaufstour in Nordeuropa ging. Und Deutschland stand dabei ganz oben auf der Liste. Doch die großangelegte Expansion erwies sich als Fehler. Nun kämpft das Unternehmen ums Überleben.

MAILAND. Das 1997 gegründete Unternehmen war angetreten, eine Art AOL Europas zu werden. Doch das Unternehmen hat sich auf den vielen Märkten verzettelt und erkennen müssen, dass länderübergreifende Synergien in dem Geschäft kaum möglich sind. Mittlerweile hat sich der Traum der großen weiten Welt fast in Luft aufgelöst. Um noch das Letzte zu retten, hat das Unternehmen mit Sitz auf der Mittelmeerinsel Sardinien die Liste der Länder, die Kerngeschäft sein sollen, immer weiter reduziert. Skandinavien, Spanien, Schweiz, Österreich und auch Südafrika - sie alle gelten schon lange nicht mehr als strategisch wichtig und sind verkauft worden. Jetzt hat es auch Deutschland erwischt.

Tiscali hat vergangene Woche angekündigt, dass es auch seine Töchter in Deutschland und Tschechien verkaufen will, die mit rund 20 Millionen Euro verschuldet sind. Die Italiener wollen dadurch 50 Millionen Euro erlösen. Geld, das sie dringend nötig haben, wenn sie auf den verbleibenden Märkten in Großbritannien und Italien noch eine Chance haben wollen. Schon mehrfach hat Tiscali in der Vergangenheit Geld aufnehmen müssen, um überleben zu können. Ende Juni lagen die Nettoschulden des Unternehmens bei 334 Millionen Euro.

Für 2008 hat Vorstandschef Tommaso Pompei die Rückkehr in die schwarzen Zahlen versprochen. Dabei soll der Umsatz in den kommenden vier Jahren um 20 Prozent jährlich steigen. In Italien und Großbritannien will Tiscali laut Pompei eine „Führungsrolle“ übernehmen.

Ob die Rechnung diesmal aufgeht, ist mehr als fraglich. In der Vergangenheit hat das Management seine selbst gesteckten Ziele mehrfach nicht erreicht und damit auch das Vertrauen der Investoren verspielt. Der Börsenwert liegt mittlerweile bei unter einer Milliarde Euro. In den Hochzeiten des Internets - im Frühjahr 2000 - hatte Tiscali mit einer Kapitalisierung von 19 Milliarden Euro noch astronomische Höhen erreicht.

Teil des neuen Jahresplanes ist es, stärker auf Telefon-Dienstleistungen und Breitband-Zugänge zu setzen. Außerdem will Tiscali seinen Kunden in Zukunft auch vermehrt Medieninhalte bieten.

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