Inside: Vivendi
Aus Fehlern lernen

Auf den Spuren von Steve Jobs: Der Vivendi-Chef Jean-Bernard Lévy geht ein Problemfeld nach dem anderen an: Nach der Stärkung der Gamingsparte durch die Übernahme von Activision soll nun auch das Internetportal zaoza durchstarten. Wenn alles klappt, stünde Vivendi plätzlich wieder besser da als die meisten anderen europäischen Medienkonzerne.

DÜSSELDORF. Das hatte ihm selbst im eigenen Unternehmen kaum jemand zugetraut: Jean-Bernard Lévy, der farblose Zahlenmensch an der Spitze des Medienkonzerns Vivendi, wandelt auf den Spuren des Charismatikers und Apple-Retters Steve Jobs. Nach der Stärkung der Gamingsparte durch die Übernahme von Activision ist es Vivendi mit dem neuen Internet-Portal Zaoza gelungen, überraschend schnell auch das zweite digitale Problemfeld umzubauen.

Hat Zaoza (www.zaoza.fr) das Zeug zum iTunes Europas? Das Webportal erlaubt für fünf Euro im Monat „unbegrenzten Download“ auf Mobiltelefon oder PC. Hier übertreibt die Werbung allerdings: „Unbegrenzt“ kann nach Informationen des Handelsblatts nur aus einer Selektion von Musik, Spielen oder Klingeltönen geladen werden. Die Auswahl – 50 bis 60 Downloadangebote pro Tag – wechselt häufig und umfasst nur rund ein Drittel des Gesamtangebots. Der Rest (etwa Top-Hits oder bestimmte Spiele) muss ganz normal im Online-Shop gekauft werden. Trotzdem kann Zaoza ein Erfolg bei der jugendlichen Zielgruppe werden, denn die kostenlosen Downloads dürfen an bis zu fünf Freunde weiter versendet (also verschenkt) werden. Das zieht.

Zaoza und der Activision-Kauf zeigen: Lévy kann aus Fehlern lernen. Besonders dann, wenn sie andere gemacht haben. Nach dem Fehlschlag mit dem von seinem Vorgänger gestarteten Webportal Vivazzi hat sich Levy vom damaligen Web-Partner Vodafone freigeschwommen und setzt nun auf Offenheit. Zaoza ist nicht mehr nur an einen Mobilfunkanbieter gebunden wie damals und erweitert damit seine Zielgruppe.

Lévy hat auch von Sonys Fehlern gelernt. Sony verfügt wie Vivendi über ein breites Angebot an Inhalten und zudem über Hardware wie MP3-Spieler, PCs und Spielekonsolen. Aber der harmoniebedürftige President Kunitake Ando scheiterte daran, die eigensinnigen Sparten des Sony-Reichs zu einen. Sony verlor im Web gegen Apples iTunes und der iPod demütigte den Walkman selbst im Heimatmarkt Japan. Ando musste gehen.

Lévy lässt internen Bedenkenträgern deshalb wenig Raum. Er treibt die Dinge voran. Zaoza, sagen Insider, ist nur auf persönlichen Druck Lévys so realisiert worden. Er habe niemandem eine Wahl gelassen. Nun muss noch der Activision-Kauf funktionieren. Bis 2009 soll die eigentlich defizitäre Computerspielesparte – deren schwache Performance durch den Erfolg von Blizzards Online-Spiel „World of Warcraft“ überdeckt wird – saniert sein. Wird „WoW“ herausgerechnet, so Insider, fallen bei rund 300 Millionen Euro Umsatz Verluste von 160 Millionen Euro an. Lévy selber kann das nicht richten – Activision-Chef Bobby Kotick schon. Dann hätte Vivendi 2009 ein gesundes Standbein im schnellst wachsenden Medienmarkt der Welt, dem Gaming, und im zweiten Anlauf auch noch den Einstieg in den mobilen Medienvertrieb geschafft. Das ist mehr, als die meisten europäischen Medienkonzerne von sich behaupten können.

postinett@handelsblatt.com

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
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