Inside: VMware
Virtuelle Erwartungen

Google ist mittlerweile in Vielem das Maß aller Dinge. Als die Aktien der US-Firma VMware beim Börsengang in der vergangenen Woche derart reißenden Absatz fanden, dass sich der Kurs innerhalb weniger Tage nahezu verdoppelte, wurde der Software-Anbieter über Nacht zur erfolgreichsten IT-Platzierung seit Google. Der Vergleich adelt und verpflichtet zugleich.

FRANKFURT. Das adelt, vor allem wenn man in der IT-Landschaft zuvor eine zwar erfolgreiche aber doch eher graue Maus war. Allerdings verpflichtet der Vergleich auch. Denn ähnlich wie bei Google muss das Management von VMware nun mit Erwartungen umgehen, die kaum zu erfüllen sind. Als die Muttergesellschaft, der Datenspeicher-Spezialist EMC, VMware im Jahr 2004 übernahm, zahlte sie 625 Millionen Dollar. Daraus sind nach dem Börsengang von bescheidenen zehn Prozent der VMware-Anteile stolze 20 Milliarden Dollar geworden.

Und tatsächlich sind die Aussichten für VMware gut. Die Firma bietet Software zur so genannten Virtualisierung an. Die Programme der US-Firma ermöglichen es, auf einem einzelnen Netzwerkrechner (Server) mehrere verschiedene Betriebssysteme zu installieren. Bislang müssen Firmen für jede Betriebssystem-Plattform eigene Server kaufen, die dann häufig nicht richtig ausgelastet sind. Mit VMware kann ein Rechner in mehrere virtuelle Rechner aufgeteilt werden. Das spart Geld, etwa beim Kauf von Hardware.

Entsprechend werden VMware die Software-Produkte aus der Hand gerissen. Alleine in der ersten Hälfte des laufenden Jahres schnellte der Umsatz gegenüber dem Vorjahrestzeitraum um fast 100 Prozent auf 556 Mill. Dollar in die Höhe. Dabei ist das Marktpotential bei weitem noch nicht ausgeschöpft. Erst etwa fünf Prozent der Server ist nach Schätzung von Marktforschern derzeit „virtualisiert“.

„Virtualisiert“ hat sich allerdings auch die Bewertung von VMware, ungeachtet aller positiven Vorzeichen. Der aktuelle Kurs entspricht dem gut 67fachen der für 2008 erwarteten Gewinne – ein unwirkliches und atemberaubendes Vertrauen in die Leistung des Unternehmens. Nüchtern betrachtet gehen die Anleger davon aus, dass VMware nicht nur seinen hohen Marktanteil von 85 Prozent sondern auch die bislang üppigen Margen dauerhaft verteidigen kann.

Doch das ist unwahrscheinlich, denn beides ist Folge des bislang fehlenden Wettbewerbs. Genau rüstet sich aber derzeit für den Kampf gegen VMware. So will Microsoft im kommenden Jahr eine eigene Virtualisierungs-Software auf den Markt bringen. Sie dürfte zwar vor allem auf die Windows-Welt zugeschnitten sein. Doch auch jenseits des Software-Giganten wächst der Wettbewerb.

So hat das IT-Unternehmen Citrix eben erst das Start-up XenSource gekauft, eine Firma, die ebenfalls auf das Geschäft mit der „Virtualisierung“ setzt. Gleiches gilt für das Unternehmen Virtual Iron Software, das von prominenten Risikokapital-Gebern finanziert wird. Es ist also kein Prophet notwendig, um für die kommenden Jahre fallende Preise und Margen vorherzusagen. Zumal Firmen wie XenSource die Programme als Open-Source, also lizenzfrei zur Verfügung stellen.

Ein noch so gutes Management wird Schwierigkeiten haben, den Erwartungen der Investoren von VMware zu entsprechen. Das wird auch die Mutter EMC zu spüren bekommen, schließlich hält sie noch 90 Prozent der VMware-Aktien und konsolidiert Umsatz und Gewinn der Tochter. Doch eines ist bereits sicher: Gerechnet hat sich der VMware-Deal für EMC auf jeden Fall.

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt
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