Inside: Yahoo
Analyse: Suche nach Wachstum

Es ist schon merkwürdig: Yahoo, das führende Internet-Portal, und Google, die führende Internet-Suchmaschine, bieten ihren Nutzern Leistungen, die praktisch unverzichtbar sind, für die aber niemand zahlen will. Finanziert werden sie stattdessen fast ausschließlich mit Werbeeinnahmen. Dort herrscht aber, vor allem bei Yahoo, zunehmend Handlungsbedarf.

PORTLAND. Bei Anzeigen, die an Informationssuchen gekoppelt sind, ist Google unumstritten die Nummer Eins; bei so genannter Display-Werbung, die einer Zeitungsanzeige nahe kommt, hat Yahoo die Nase vorn, weil das Portal ein Sammelbecken von zahllosen kommerziellen Leistungsangeboten ist. Wie bei herkömmlichen Medien gilt: Die Zahl der Nutzer, ihre Altersstruktur und ihre Verweildauer bestimmen die Attraktivität für Werber und damit den Erfolg.

Aus verschiedenen Gründen – Neuheit des Mediums, Abwanderung von Kunden aus alten Medien, bessere Kontrolle der Werbewirksamkeit – verwöhnten Yahoo und Google ihre Anleger lange mit traumhaften Wachstumsraten. Aber mit dem jüngsten Bekenntnis, dass die Erlöse aus Display-Anzeigen nicht so stark wie erwartet wachsen, erinnerte Yahoo-Chef Terry Semel daran, dass seine Firma vom Werbemarkt abhängig ist und das Volumen von Display-Anzeigen stärker schwankt als Googles suchgebundene Werbung. Die Gewinnwarnung löste einen Kursrutsch bei Internet-Aktien aus, von dem sich Yahoo weniger erholte als zum Beispiel Google. Die Yahoo-Notierung liegt heute um rund 40 Prozent unter ihrem Januar-Hoch.

Dabei hatten Semel und Finanzchefin Susan Decker auf einer Anlegerkonferenz lediglich erklärt, dass sich das Umsatzwachstum im laufenden Quartal am unteren Ende der Prognosen bewege. Schuld sei ein Abschwung bei Anzeigen aus dem Automobil- und Finanzsektor. Die Gewinnwarnung war indessen eine weitere Enttäuschung für die Anleger, nachdem Yahoo vor Wochen die Einführung ihres „Panama“ genannten Auktionssystems für Suchanzeigen verschob. Mit diesem System will Yahoo wie Google die Einnahmen für die besten Werbeplätze auf ihrer Site maximieren.

Die empfindliche Reaktion der Börse macht deutlich, dass langsames Wachstum für die neuen Medien Gift ist. Yahoo muss vor allem die Nutzerbasis ausbauen, und zwar mit neuen Diensten ebenso wie mit der Akquisition ganzer Web-Gemeinschaften. In die erste Kategorie fällt die Kooperation mit Current TV, der Mediengesellschaft des ehemaligen US-Vizepräsidenten Al Gore, die Yahoo mit kurzen Videofilmen von Nutzern – ein heißer Trend im Internet – versorgen soll. Zur zweiten Kategorie gehören Gerüchte um ein angebliches Interesse von Yahoo am Kauf von Facebook.com. Facebook ist neben Myspace die erfolgreichste der so genannten Networking Sites, auf denen junge Leute Informationen austauschen und Kontakte knüpfen. Die News Corp. zahlte für Myspace 650 Mill. Dollar und machte sie zu einem Werbevehikel für Filme, Musik, Erfrischungsgetränke und Bücher mit Einnahmeerwartungen von mehreren hundert Mill. Dollar.

Obwohl Myspace mit rund 50 Millionen regelmäßigen Besuchern wesentlich größer ist als Facebook mit zehn bis 15 Millionen, rechnen Experten, dass das vor allem bei Studenten populäre Facebook mindestens eine Mrd. Dollar kosten dürfte, zumal sich auch Microsoft und Viacom für die Internetfirma interessieren. Obwohl nach Ansicht von Marktforschern der Markt für Internetwerbung wachsen wird, ist für Yahoo die Suche nach zusätzlichen Wachstumsquellen dringlich. Die Alternative könnte sein, dass das Unternehmen selbst zum Übernahmeobjekt wird. Yahoo ist als führendes Internetportal mit einem Jahresumsatz von fast fünf Mrd. Dollar fest als neuer Medienkonzern etabliert, und der stark abgesackte Börsenwert von derzeit 35 Mrd. Dollar dürfte zum Beispiel für Microsoft kein Hindernis sein.

Quelle: Handelsblatt
Jens Eckhardt
Handelsblatt / Korrespondent
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