Insider Insights
Auf Nimmerwiedersehen, Hausbank!

Unbeliebter als der Banktermin ist nur noch der Besuch beim Zahnarzt. Geldhäuser haben das Vertrauen ihrer Kunden längst verspielt. Zum Glück gibt es schon vollwertige Alternativen, sagt Internet-Investor Christian Miele.
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Früher gab es für die Menschen nur einen Ort, an dem sie ihr Geld oder ihre Wertgegenstände aufbewahren konnten: Wer es sich nicht zuhause unter die Matratze legen wollte, der hinterlegte es bei einer vertrauenswürdigen Person, an der sich Gangster die Zähne ausbeißen würden. Der wichtigste Aspekt hierbei war die Gewissheit, dass mein Geld dort sicher aufgehoben sein würde – sicherer zumindest als unter der Matratze. Der Banker war geboren.

Damit haben heutige Banken nichts mehr zu tun. Ich gehe sogar so weit, dass das Vertrauen in die etablierten Kreditinstitute komplett weg ist. Wenn ich an eine Bank denke, denke ich an stapelweise Kleingedrucktes, billigen Kaffee und Bankberater, die Unterlagen in dicken Leitz-Aktenordnern sammeln. Je älter ich werde, desto mehr wird mir außerdem klar, dass dort kein Berater sitzt, sondern ein Verkäufer. Ein Verkäufer, dessen eigene Provision auch daran gebunden ist, wie viel sein Unternehmen an dem verdient, was er mir verkauft. Die persönliche Situation des Kunden ist dabei dem eigenen Bonus untergeordnet.

Zum Glück gibt es intelligente Gründer und das Internet. Start-ups im Bankenbereich, sogenannte Fintechs, sprießen schon seit einigen Jahren aus dem Boden. Da der Großteil dieser Fintechs keine Banklizenz besitzt, attackieren sie heute nur Teilbereiche der Wertschöpfungskette der Finanzindustrie, optimieren diese aber deutlich. Diesen Prozess nennen wir „unbundling of banking“, die Entbündelung des Bankwesens. Häufig schaffen die jungen Unternehmen das durch ein besseres Kundenerlebnis, neue Marketingkanäle oder neue Anlaufstellen wie das Smartphone. Schon hier liegt ein gigantisches Potenzial.

Im nächsten Schritt, und das wollen die meisten Banken noch nicht wahrhaben, werden die Fintechs aber auch eigene Banklizenzen bekommen. Erste Beispiele dafür gibt es bereits. Langfristig bedeutet das, dass sich Fintechs komplett unabhängig von einer fremden Bankeninfrastruktur machen können. Hier wird das „rebundling of banking” einsetzen. Ein neues Zeitalter wird anbrechen, ohne Leitz-Ordner und billigen Kaffee.

Dann bleibt noch der Verkäufer aus der Bank. Nochmal: „Beratung“ ist nicht das Geschäft des Verkäufers. Die letzten Jahre haben gezeigt, dass die sogenannten Bankberater häufig unwissenden Anlegern unpassende Anlageprodukte aufgeschwatzt haben. Nicht selten resultierten daraus Rechtsstreits und für manchen Bankkunden der persönliche Ruin. Das Vertrauen ist längst verschwunden und die Bezeichnung des „Beraters“ eine Beschönigung der eigentlichen Absicht. Weniger beliebt als der Banktermin ist nur noch der Besuch beim Zahnarzt.

Ich selbst habe meine Schlüsse längst daraus gezogen: Mein eigenes Geld lege ich mittlerweile über das Technologieunternehmen Scalable Capital an und nicht über meine Hausbank. Die Firma ist ein sogenannter Robo-Advisor, also ein digitaler Vermögensverwalter. Er serviert mir keinen billigen Kaffee, ist wesentlich günstiger und hat nicht die Absicht, mir irgendetwas zu verkaufen. Vielmehr arbeitet ein intelligenter Algorithmus im Kern der Technologie für mein privates Portfolio. Er steuert meine Geldanlage nach meinen Risikovorgaben und nervt nicht rum.

Ich gebe zu, dass ich mich erst daran gewöhnen musste, einem Algorithmus zu vertrauen. Aber spätestens, seit er mir die heftigen Kursverluste seit Jahresbeginn erspart hat, schlafe ich ruhig. Und jetzt weiß ich, dass diese risikobewusste Art der Vermögensverwaltung an die Ursprünge des Bankwesens zurückführt: Mein Geld ist sicher und entwickelt sich weiter. Ich vertraue wieder. So wie früher.

Mir kommt es so vor, als würden Banken ihre heutige Existenzberechtigung aus der Alternativlosigkeit schöpfen. Weil wir Menschen einfach gar keine andere Wahl haben, als unser Geld dorthin zu bringen. Warum das alles so gekommen ist, kann ich nur erahnen. Aber die Verzweiflung dürfte bald ein Ende haben: Durch Fintech-Start-ups. Macht weiter so, liebe Gründer!

Christian Miele ist Investor beim globalen Venture Capital Fond e.ventures und Vorstandsmitglied des Bundesverbands Deutsche Startups. Miele symbolisiert den Dreh- und Angelpunkt zwischen der Old Economy und New Economy – dabei fühlt er sich Traditionen verbunden und Innovationen gegenüber verpflichtet. Alle zwei Wochen schreibt Miele die Kolumne „Insider Insights” aus dem Herzen der Gründerszene für Deutschlands führende Wirtschafts- und Finanzzeitung Handelsblatt.

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Kommentare zu " Insider Insights: Auf Nimmerwiedersehen, Hausbank!"

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  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette 

  • Was soll das? Da macht sich der Verfasser dieses Artikel über die Berater von Banken her, outet sich dann allerdings in seiner Schlussfolgerung selbst als übelster "Bankberater".

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