Insider Insights
Warum Rocket Internet wichtig für Deutschland ist

Rocket Internet – das sind fehlende Gewinne, verschobene Börsengänge und eine abstürzende Aktie. Oder? Tatsächlich sind das Scheinwahrheiten von Phrasendreschern, meint Internet-Investor Christian Miele.
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Alle schimpfen auf Rocket Internet: Journalisten, Analysten, Internet-Trolle. Liebe Analysten, Journalisten und Trolle sowieso: Ich kann Euch sagen: Ihr liegt voll daneben. Woher ich das weiß? Ich kenne Rocket, und ich kenne Oliver Samwer. Ich sage Euch jetzt, was wirklich los ist:

Samwer ist ein moderner Unternehmer, der Chuzpe hat. Ähnlich wie Ludwig Erhard, nur ohne Kanzlertitel, Reformen und dicken Bauch. Samwer steigt auf das ökonomische Gaspedal. Mit beiden Füßen. Auch deshalb bezeichnen ihn Kritiker in stillen Minuten als dankbaren Lieferanten für neue Nachrichten – „einer, an dem man sich reiben kann“. Wenn ich das höre, dann kommt es mir hoch. Eigentlich findet Ihr ihn nämlich gut, liebe Kritiker, und schaut zu ihm auf. Aber schlechte Schlagzeilen verkaufen sich halt besser. Wer ist hier eigentlich der Kapitalist?

Wir sind auf Persönlichkeiten wie Samwer angewiesen, die uns den Anschluss an die globalen Wirtschaftsentwicklungen ermöglichen. Selbst nach vielen Jahren verbindet mich mit dem Unternehmen, seinen Raketen – so werden intern die Mitarbeiter bezeichnet – und seinen Start-ups sehr viel. Rocket Internet hat vielen jungen Menschen eine neue Idee von Karrieren gegeben. Um genau zu sein, hat sogar das gesamte Berliner Start-up-Ökosystem hier seine Wurzeln, und nahezu jedes erfolgreiche Unternehmen mit Spatenstich in Deutschland ist mit dem Inkubator irgendwie verbunden.

Und ihr, die ihr immer alle meckert: Ihr bestellt eure Kleidung bei Zalando. Ihr lernt eure Lebenspartner bei E-Darling kennen. Ihr bestellt euer Essen bei Lieferheld. Ihr ewigen Kapitalismus-Gegner und neidbehafteten Schreibtischtäter geht mit euren Kritiken den leichten Weg. Ihr unterschlagt absichtlich die Tragkraft, die den Samwers als Väter eines deutschen, digitalen Wirtschaftswunders gebührt. „Ich mache jeden Tag drei Fehler, mache aber gleichzeitig auch fünf Dinge richtig“, sagt Samwer und das, liebe Hater, das ist Unternehmertum.

Ich erinnere mich an ein Mittagessen letztes Jahr mit Oli. Wir sprachen über das Missverständnis mit den Verlusten, die ein Unternehmen in der Anfangsphase schreibt. Oli bezeugte mir das am Beispiel von Zalando. Dass eben diese Verluste heute nötig sind, um Firmen im globalen Wettbewerb ins Rennen zu schicken, hat hierzulande leider immer noch ein Großteil nicht verstanden. Und dass dieser Mann und seine Brüder das Internet in Deutschland zu einem fruchtbaren Boden beackert haben, zigzehntausende Arbeitsplätze geschaffen haben, sie nicht nur in Berlin, sondern auch in Afrika, Südamerika und Südostasien Samen für Start-up-Ökosysteme gepflanzt haben und sie als Leitbilder einer Unternehmergeneration unter den Millennials gelten, wird ebenfalls nicht gewürdigt.

Weil sich diese Unwissenheit, gepaart mit Rockets Kommunikationsschwächen, im Börsenkurs spiegelt, habt Ihr nun eine ausreichend große Projektionsfläche und stürzt Euch darauf. Aber Eure Kritik ist hohl. Um heute auf dem Weltmarkt zu bestehen, müssen viele Firmen mit Hilfe von Investorengeld einige Jahre Verluste schreiben, bevor sie profitabel werden. Dass Ihr das nicht wisst, schadet denen, die auf dieses Geld angewiesen sind. Eure blamable Bildungslücke ist mitverantwortlich für die schleppende Akzeptanz eines modernen Unternehmens in Deutschland. Rocket ist nicht Siemens. Rocket ist nicht BMW. Rocket ist Rocket, und wir brauchen sie, um nicht das globale Wettrennen der digitalen Transformation zu verlieren. Und Oli? Er wird dazulernen und sich das Vertrauen zurückholen.

Christian Miele ist Investor beim globalen Venture Capital Fond e.ventures und Vorstandsmitglied des Bundesverbands Deutsche Startups. Miele symbolisiert den Dreh- und Angelpunkt zwischen der Old Economy und New Economy – dabei fühlt er sich Traditionen verbunden und Innovationen gegenüber verpflichtet. Alle zwei Wochen schreibt Miele die Kolumne „Insider Insights” aus dem Herzen der Gründerszene für Deutschlands führende Wirtschafts- und Finanzzeitung Handelsblatt.

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Kommentare zu " Insider Insights: Warum Rocket Internet wichtig für Deutschland ist"

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  • @Julius Caesen
    Das hat nichts mit althergebrachten zu tun sondern wie man a) Wachstum definiert und b) Unternehmertun betrachtet
    a) Wir alle wissen, dass Wachstum unterschiedlich ausgelegt wird. So wie Herr RIbbentrop beschrieben hat, hat die Unternehmensstrategie von Hr. Samwer aber nicht wirklich was mit Wachstum zu tun sondern eher um eine Umverteilung. Mit Wertschöpfung hat es wenig zu tun. Würden alle dieser Strategie folgen, gäbe es keine Neuerungen mehr und es würde nur noch zu einer Umverteilung von Arbeitsplätzen kommen. Zu welchen Gunsten und Ungunsten kann sich jeder selbst denken
    b) Es geht Hr. Samwer doch nicht wirklich darum etwas Neues zu schaffen oder auch etwas, was die Welt ein Stück besser macht. Der Antrieb dahinter ist rein geldgetrieben, gepusht von Investoren die sicherlich nicht nur 5% Rendite haben wollen (Klar, Risikokapital). D.h. was zählt sind Börsengänge die den Investoren (und natürlich Hr. Samwer) reichlich Profite bringen.Das HelloFresh mit einem irrwitzigen Unternehmenswert bilanziert wurde, ist nur ein Zeichen dafür.

    Die von Herrn Miele angebrachten Gründe für diese Geschäftsphilosophie kann ich schon garnicht ernst nehmen, da er selbst auf der Seite der Investoren steht und es ihm da selbst nur um renditeträchtige Investments geht.

    Risikokapitalgeber braucht der Markt, insb. in Deutschland um den Startups die mögliche Nahrung für Wachstum zu geben. Was wir aber brauchen, sind wirklich innovative Startups mit disruptiven Ideen. Solche bringen die Zukunft auch weiter.

  • @ Ullrich Ribbentrop

    Wenn die Kunden es dem althergebrachten vorziehen, erübrigt sich jede Spekulation über den Nutzen und eigensinnige Definitionsversuche von Innovation.

    Der Buchhändler verliert seinen Laden und wird zum Lohnarbeiter und trotzdem erspart es seinen Kunden sehr viel Lebenszeit und Geld.
    Die Wurzeln der Kritiker des Fortschritts stammen meist aus einer älteren Epoche, aus der guten alten Zeit.

  • „Venture Capital“, in historischer Literatur nannten man solche Unternehmer noch Abenteuerkapitalisten, jene die die Welt umsegelten und zur Not auch direkt durch die Hölle fuhren um zu gewinnen derweil sie konnten. Nicht nur damals war das nichts für Jedermann. Ich weigere mich solche Leute, wie sie in der Dotcom Blase in jeder Garage Zauberkunststücke vorführten und seit Jahrhunderten immer wieder wellenartig als große Projektemacher in Erscheinung traten als „das Unternehmertum“ zu bezeichnen. Und da liegt auch der Grund warum solchen Leuten immer wieder große Skepsis entgegenschlägt. Es gibt zahlreiche Formen des Unternehmertyps und dem risikoaversen kleinen Mann, der ohne hin Zeit seines Lebens nie das Risiko der Verantwortung einer eigenen Unternehmung tragen wollte, sind solche Abenteuervisionen mit entsprechenden Risiko nicht zu vermitteln. Aber dafür gibt es auch entsprechende Investoren die entweder gewisse Charakterzüge vorweisen oder ein entsprechend dickes Portfolio haben um sich das Risiko leisten zu können. Die Allgemeinheit soll sich ruhig weiterhin wundern wie es dazu kommt, dass schon immer die reichsten 1% über die Hälfte des gesamten Vermögens verfügten und sich neidvoll übergangen fühlen, wenn sie in einem der Betriebe dieser Reichen arbeiten so wie es schon ihre Eltern und Großeltern taten und sich ihr Wohlstand genauso wie der ihrer Eltern und Großeltern stetig steigert. Wie gemein diese Welt doch ist.

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