Insolvente Nachrichtenagentur
Massive Kürzungen bei dapd

Die insolvente Nachrichtenagentur dapd will sich in den schwarzen Zahlen sparen: Ein Drittel der Mitarbeiter muss gehen. Trotzdem will sie weiter sämtliche Dienste anbieten. Der Markt ist allerdings äußerst umkämpft.
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BerlinDie insolvente Nachrichtenagentur dapd plant einen massiven Stellenabbau. Das Restrukturierungskonzept des Insolvenzverwalters Wolf von der Fecht sieht vor, dass sich die Gruppe von „rund einem Drittel“ der Mitarbeiter in den acht von der Insolvenz betroffenen Gesellschaften trennt, wie die mit der Öffentlichkeitsarbeit für diese Gesellschaften betraute Consulting-Firma Hering Schuppener am Montag in Frankfurt am Main mitteilte.

Für die acht insolventen dapd-Gesellschaften arbeiten insgesamt 299 Mitarbeiter, der Stellenabbau soll also etwa hundert Beschäftigte betreffen. Das Restrukturierungskonzept von der Fechts wurde den Angaben zufolge bereits am Freitag vom Gläubigerausschuss gebilligt. Es sieht zugleich vor, dass die Nachrichtenagentur sämtliche Dienste fortführt.

Ein signifikanter Teil der Einsparungen werde „auf eine Verschlankung der Führungsebenen entfallen“, hieß es in der Mitteilung. Gleichzeitig würden interne Prozesse effizienter gestaltet. Ihre Dienste werde die Agentur künftig noch stärker den „Anforderungen der digitalisierten Nachrichtenwelt anpassen“. Mit den dapd-Arbeitnehmervertretern sollten Gespräche über einen Interessenausgleich und die Erstellung eines Sozialplans aufgenommen werden.

Mit den Umstrukturierungen will es dapd der Erklärung zufolge schaffen, „aus eigener Kraft ihr Geschäft kostendeckend fortführen zu können“. „Der gezielte Dialog mit Investoren läuft auch während der nun begonnen Restrukturierung unverändert weiter“, teilte von der Fecht mit. Medienberichten zufolge soll der TV-Sender N24 an der Nachrichtenagentur interessiert sein.

Anfang Oktober hatte dapd teilweise Insolvenz bei einem Berliner Amtsgericht angemeldet. Die Nachrichtenagentur war im Sommer 2010 entstanden. Die beiden Finanzinvestoren Peter Löw und Martin Vorderwülbecke, Besitzer der Nachrichtenagentur Deutscher Depeschendienst (ddp), hatten im Dezember 2009 den deutschsprachigen Dienst der US-Agentur AP aufgekauft und beide Gesellschaften zur dapd fusioniert. Diese sollte den Marktführer dpa „verzichtbar“ machen, wie die Investoren vollmundig ankündigten.

Die betroffenen dapd-Töchter, die für das Nachrichtengeschäft in Deutschland verantwortlich sind, arbeiteten nach Informationen aus Unternehmenskreisen jedoch nicht profitabel. Die beiden Gesellschafter waren demnach nicht mehr bereit, sie zu subventionieren, und zogen sich zurück.

Deutschland gilt als einer der weltweit am härtesten umkämpften Märkte für Nachrichtenagenturen. Neben dem Marktführer dpa und der dapd konkurrieren hierzulande noch die britische Agentur Reuters, die deutsche Tochter der französischen Nachrichtenagentur AFP, die zur AFP-Gruppe gehörende Sportagentur SID, die kirchlichen Agenturen epd und KNA sowie Spezialdienste für Wirtschaftsnachrichten um Kunden aus dem Medienbereich.

 

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

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