Insolvenz
BenQ Mobile bittet um Hilfe

Der Chef der ehemaligen Siemens-Handysparte hat Politik und Verbraucher um Hilfe im Kampf um die 3 000 gefährdeten Arbeitsplätze gebeten. Beim Insolvenzverwalter melden sich indessen erste Unternehmen, die Gespräche über „eine mögliche Zukunft“ von BenQ führen möchten .

HB MÜNCHEN / BERLIN BenQ-Mobile-Geschäftsführer Clemens Joos forderte die Bundesregierung in Berlin und München auf, das direkte Gespräch mit ihm und dem Insolvenzverwalter zu suchen. Konsumenten und die großen Telekommunikationsunternehmen sollten zudem mit dem Kauf von BenQ-Modellen zur Rettung der deutschen Jobs beizutragen. „Alle Erlöse kommen unmittelbar der Firma und damit den Mitarbeitern zugute“, sagte Joos in München. „Es sind wettbewerbsfähige Geräte made in Germany auf dem Markt“, warb er. „Kein Cent der Erlöse wird den Weg zu Siemens oder der BenQ Corp. in Taiwan finden“, so ein Sprecher.

Insolvenzverwalter Martin Prager zeigte sich optimistisch, die Produktion zumindest bis zum Jahresende aufrecht erhalten zu können. Es stehe für drei Monate Insolvenzgeld zur Verfügung. „Zum 1. Januar muss die Firma profitabel sein, sonst kann der Insolvenzverwalter nicht mehr weitermachen“, sagte er. Hauptgläubiger seien Mitarbeiter und Lieferanten. „Wir haben relativ wenig Bankverbindlichkeiten.“

Es hätten sich bereits erste Interessenten für das Unternehmen bei ihm gemeldet. „Ich bin bereits von Leuten angesprochen worden, die mit uns Gespräche führen wollen über eine mögliche Zukunft.“ BenQ-Mobile-Chef Joos erklärte, das angeschlagene Unternehmen habe durchaus Chancen: „Ich würde sagen, wir sind zu 70 Prozent mit der Restrukturierung durch.“ Der zweitgrößte Handyhersteller der Welt, der US-Konzern Motorola, hat allerdings bereits abgewunken. „Wir haben keinerlei Interesse an den Produktionsstätten von BenQ“, sagte Motorola-Deutschland-Chef Norber Quinkert dem Magazin „Focus“.

Verworrene Patentsituation

Inwieweit BenQ Mobile allerdings längerfristig überhaupt in der Lage ist, Mobiltelefone zu produzieren, bleibt aufgrund der Patentsituation offen. „Das ist ein Thema, das wir analysieren. Wir haben derzeit noch keine Antwort“, sagte Prager. Ein Teil der früheren Siemens-Patente sei direkt nach Taiwan gewandert, ein Teil sei sowohl auf Mutter- wie Tochtergesellschaft angemeldet und ein dritter Teil der Schutzrechte sei ausschließlich im Besitz der deutschen Sparte. „Die Patentsituation ist verworren. Aber nicht alle Patente liegen bei der BenQ Corp.“, sagte er.

Rechtliche Schritte gegen den früheren Eigentümer Siemens schloss der Insolvenzverwalter aus. „Diese Thematik ist nicht auf dem Radarschirm.“ Joos entgegnete der Kritik, Siemens habe es den Taiwanern überlassen, das defizitäre Handygeschäft abzuwracken und sich somit aus der Verantwortung gestohlen. Siemens habe wohl befürchtet, dass das deutsche Mobiltelefon-Geschäft auch in der Hand der Asiaten zu Grunde gehen könnte. „Aber ich kann wahrhaftig keine Böswilligkeit unterstellen“, sagte Joos.

SPD-Vorsitzende Kurt Beck hat während dessen an das Gewissen von Siemens-Chef Klaus Kleinfeld appelliert. Er habe mit dem Vorstand des früheren Eigentümers Siemens telefoniert und von ihm auch Zusagen erhalten, sagte Beck auf einer SPD-Konferenz in Berlin. Kleinfeld habe ihm unter einem Rechtsvorbehalt zugesagt, dass Siemens den von Entlassung bedrohten BenQ-Mitarbeitern auch finanziell helfen wolle. Geprüft werden solle auch, ob diese Mitarbeiter in Siemens-Firmen übernommen werden könnten. Nach Becks Worten muss die Insolvenz in geordnete Bahnen geführt werden. Siemens habe für seine ehemaligen Mitarbeiter weiterhin Verantwortung.

BenQ Mobile hatte am Freitag Insolvenz angemeldet, nachdem der taiwanische Mutterkonzern den Geldhahn zugedreht hatte. In der Folge brach eine Welle der Empörung über den BenQ-Konzern und die einstige Mutter Siemens herein. Die Münchener hatten den Taiwanern die Übernahme der angeschlagenen Handysparte im vergangenen Jahr mit 350 Millionen Euro versüßt.

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