Insolvenz BenQ Mobile GmbH
Klaus Kleinfeld knickt ein

Siemens-Chef Klaus Kleinfeld hatte das Kapitel Handy-Sparte eigentlich längst schließen wollen. Entsprechend zurückhaltend fielen seine ersten Äußerungen zur Insolvenz der nun unter BenQ Mobile GmbH firmierenden Firma aus. Von einer Verantwortung des ehemaligen Mutterkonzerns wollte er nichts wissen. Doch nun zückt Kleinfeld die Geldbörse – wohl nicht ganz freiwillig.

HB MÜNCHEN. Siemens hat den rund 3 000 Mitarbeitern seiner früheren Handysparte Hilfen im Wert von insgesamt 35 Mill. Euro zugesagt. Die Mittel sollen den Beschäftigten der deutschen BenQ-Standorte in Form von Finanzhilfen, Qualifizierungsmaßnahmen, Weiterbildung und Umschulungen zukommen, wie Siemens am Montag in München mitteilte. „Wir finden die Vorgehensweise von BenQ verwerflich und helfen deshalb so gut wir können“, sagte Siemens-Vorstandschef Klaus Kleinfeld.

Der Vorstand kündigte an, für ein Jahr auf die erst kürzlich beschlossene Gehaltserhöhung von fünf Mill. Euro zu verzichten und das Geld in den Härtefonds einzuzahlen. „Wir möchten den Menschen ein Zeichen der Solidarität geben“, sagte Kleinfeld. Die Pläne zur Gehaltsaufstockung des Vorstands hatte bereits vor der Pleite der ehemaligen Handy-Sparte für scharfe Kritik aus Politik und Gewerkschaften gesorgt. Viele Siemens-Mitarbeiter müssen wegen des Konzernumbaus um ihren Job fürchten.

Die genauen Modalitäten der Hilfeleistungen würden noch ausgearbeitet, sagte ein Konzernsprecher. Wer in welcher Form profitieren werde, stehe noch nicht fest. Weiter sagte der Sprecher, die BenQ-Beschäftigten würden bei Bewerbungen auf die rund 2 000 offenen Stellen bei Siemens wie eigene Mitarbeiter und damit bevorzugt behandelt – vorausgesetzt, die Qualifikation für den jeweiligen Job passe. Außerdem wolle Siemens sie aktiv bei der Suche nach neuen Arbeitsplätzen unterstützen.

Die Siemens-Handysparte war vor einem Jahr an den taiwanesischen Elektronikkonzern BenQ verkauft worden. Dieser hatte vergangene Woche die Zahlungen an seine defizitäre neue Tochter eingestellt. Daraufhin musste die BenQ Mobile GmbH Insolvenz anmelden. Standorte sind Kamp-Lintfort und Bocholt (Produktion) sowie München (Zentrale mit Verwaltung, Vertrieb und Entwicklung).

Offensichtlich hat die Bundesregierung im Vorfeld der Hilfszusage Druck auf die Siemens-Spitze ausgeübt. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte der „Bild“-Zeitung (Montagsausgabe): „Ich habe gegenüber Siemens deutlich gemacht, dass dieses Traditionsunternehmen in einer besonderen Verantwortung steht. Angesichts dieser Gesamtverantwortung begrüße ich es, wenn Siemens jetzt alles tut, um möglichst vielen Beschäftigten eine Zukunftsperspektive zu geben.“

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