Insolvenz der Ex-Siemens-Handysparte
Die heile Welt von BenQ Mobile

Die Fakten lagen auf dem Tisch: Täglich verbrannte die ehemalige Handysparte von Siemens unter ihrem neuen Besitzer BenQ mehr als eine Millionen Euro; der Marktanteil schrumpfte kontinuierlich. Dennoch hat das vom taiwanesischen Mutterkonzern bestellte Management das Geschäft bis zuletzt schön geredet.

MÜNCHEN. Jerry Wang ist ein Manager mit viel Erfahrung. Seit mehr als 20 Jahren arbeitet der Mann mit der fliehenden Stirn und den pechschwarzen Haaren in der IT-Branche. Rund um die Welt hat er Notebooks für Acer verkauft. Ein Routinier, der in der schnelllebigen Industrie alle Höhen und Tiefen miterlebt hat, dem niemand etwas vormachen kann.

Diesen Mann schickt BenQ-Chef Kuen-Yao Lee im Herbst 2005 nach München. Hier, weit weg von der Konzernzentrale in Taiwan, soll Wang das angeschlagene Handygeschäft auf Vordermann bringen, das BenQ gerade von Siemens übernommen hat.

Wang hat große Pläne für BenQ Mobile, wie die neue Firma heißt. Er macht keinen Hehl daraus, dass man die Siemens-Sparte vor allem gekauft hat, um sie für den eigenen globalen Markenfeldzug zu nutzen. „Der Name BenQ-Siemens wird die Marke BenQ weltweit bekannt machen“, sagt er. Wang verspricht sich von der neuen Bekanntheit seines Unternehmens einen Domino-Effekt: In einigen Jahren, so seine Rechnung, würden die Kunden in Europa und Amerika auch zu anderen BenQ-Produkten greifen – etwa zu Notebooks und Digitalkameras. Eine erste Untersuchung habe ergeben, dass das gesamte BenQ-Geschäft nach dem Siemens-Handykauf zugenommen habe – auch in Deutschland. Dass BenQ jeden Tag mehr als eine Millionen Euro mit den Siemens-Handys verbrennt, interessiert niemanden.

Erster Tiefschlag

Nicht viel anders äußert sich Clemens Joos. Er kommt von Siemens und soll das Mobilfunkgeschäft von BenQ von München aus gemeinsam mit Wang leiten. „Wir können uns zehn Prozent Marktanteil durchaus vorstellen“, sagt der Manager in einem Interview.

Ein Dreivierteljahr später sitzen Joos und Wang zusammen an einem großen, runden Tisch in der Zentrale von BenQ Mobile am Münchener Haidenauplatz. Von den angekündigten Erfolgen ist nichts zu sehen. Im Gegenteil, von den zehn Prozent Marktanteil ist BenQ Mobile weiter entfernt denn je, das neu erworbene Mobilfunkgeschäft drückt den gesamten BenQ-Konzern tief in die roten Zahlen.

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