Insolvenz von BenQ Deutschland
Wie Siemens mit der Handy-Sparte scheiterte

Die Handysparte war einst der Stolz des Siemens-Konzerns. Siemens-Handys galten als grundsolide. Doch das Geschäft kam nie richtig in Gang, die Sparte wurde mit weltweit rund 6000 Beschäftigten an den BenQ-Konzern abgegeben. Nun scheiterten auch die Taiwaner – und Siemens gibt sich überrascht.

HB MÜNCHEN. Am Donnerstagabend äußerte sich Siemens zur Insolvenz des deutsche BenQ-Handy-Geschäfts: Siemens sei „sehr überrascht“, sagte Konzern-Sprecherin Konstanze Tauber. „Wir haben bei der Veräußerung unserer Handysparte an BenQ im Jahr 2005 ein Weltgeschäft abgegeben. Wir sind sehr überrascht über die Haltung von BenQ, nunmehr das regionale Geschäft in Deutschland nicht länger finanziell zu unterstützen und damit offensichtlich in die Insolvenz zu steuern.“

Tauber betonte zudem: „Wir verstehen weder die Intention noch die Hintegründe. Über die Pressemitteilung von BenQ hinaus haben wir derzeit keinerlei Detailkenntnisse.“

Ob die Entwicklung für Siemens wirklich überraschend kommt, darüber kann derzeit nur spekuliert werden. Auch der Vorwurf, dass BenQ nie ernsthaft die Absicht hegte, die einstige Siemens-Sparte mit ihrer Fertigung in Deutschland so auf Vordermann zu bringen, dass sie dauerhaft bestehen kann, wird wohl nicht vollständig zu klären sein.

Weniger als ein Jahr nach dem dem Verkauf an die Taiwaner ist die ehemalige Handy-Sparte von Siemens finanziell am Ende. Von der Pleite betroffen sind 3000 Mitarbeiter in Deutschland.

Der taiwanische Mutterkonzern BenQ drehte der verlustreichen deutschen Tochter den Geldhahn zu. Er will die Mobiltelefone der Marke „BenQ Siemens“ in Zukunft in Asien produzieren. Die Münchener BenQ Mobile werde deshalb am Freitag oder am Montag Insolvenzantrag beim Amtsgericht München stellen, sagte ein Sprecher am Donnerstag.

BenQ begründete den Ausstieg mit den steigenden Verlusten in Deutschland. „Seit Oktober 2005 haben wir eine übermäßige Menge an Kapital und Ressourcen in unsere deutsche Mobiltelefontochter gesteckt“, sagte Konzernchef K.Y. Lee in Taipeh. „Trotz der Fortschritte bei Kostensenkungen und Ausgabenkürzungen haben steigende Verluste diese schmerzliche Entscheidung unvermeidlich werden lassen.“ Vor wenigen Wochen hatte BenQ noch einmal 315 Millionen Euro in die deutsche Tochter gesteckt.Die Anlaufkosten nach der Übernahme von Siemens bezifferte BenQ-Kommunikationschef Marco Stülpner auf 840 Millionen Euro.

Um BenQ die Übernahme zu versüßen, hatte Siemens vor dem Verkauf noch 250 Millionen Euro in die damalige Siemens Mobile investiert und 100 Millionen Euro an Abschreibungen übernommen. Schließlich war die Handysparte war einst der ganze Stolz des Siemens-Konzerns.

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