Insolvenz von BenQ Mobile
Kleinfelds Kommunikations-Gau

In deutschen Top-Unternehmen hat es in den vergangenen Monaten zahlreiche Kommunikationsdesaster gegeben. Die Siemens-BenQ-Krise setzt dem Ganzen jetzt die Krone auf. Der öffentliche Umgang des Unternehmens mit seiner ehemaligen, nun insolventen Handy-Sparte ist das Ende einer langen Fehlerkette.

MÜNCHEN / DÜSSELDORF. Gerhard Schröder wollte mit „Bild, Bild am Sonntag und Glotze“ regieren. In der Verzweiflung macht es Klaus Kleinfeld ähnlich. Am Montag Morgen „Bild“, am Abend Fernsehen. Das aber geht nicht gut, die Siemens- Medienoffensive fällt zunächst aus. „Technische Probleme“ gebe es mit der Leitung, entschuldigte sich Heute-Journal-Moderatorin Marietta Slomka am Montag. Klaus Kleinfeld hat das Glück verlassen.

Als der Siemens-Chef zehn Minuten später endlich live auf Sendung ist, kommt seine Stimme dumpf über Telefon. Später, bei Tom Buhrow in den „Tagesthemen“, ist es auch nicht viel besser. Der Siemens-Chef wirkt erst kleinlaut, dann genervt: „Im Nachhinein ist man immer schlauer“. Dann lässt er die rechte Hand mehrfach in Richtung Kamera schnellen. Das sollte man nicht tun, Millionen nehmen den Eindruck mit, Kleinfeld ringe um die Fassung.

In deutschen Top-Unternehmen hat es in den vergangenen Monaten zahlreiche Kommunikationsdesaster gegeben. Da war Josef Ackermann mit seinen Milliardengewinnen und den gleichzeitig verkündeten Massenentlassungen, da war Allianz-Chef Michael Diekmann, der alles machen wollte, nur nicht den „Ackermann“, dann aber in die gleiche Falle lief: Rekordgewinne, Stellenabbau. Und nun Siemens, die Krönung.

Um zu erklären, was in den vergangenen Tagen über den deutschen Technik-Riesen hereingebrochen ist, bieten sich zwei Interpretationsmodelle an: Das erste, das ist die große Intrige gegen Klaus Kleinfeld, den Mann, der angeblich das Siemens-Erbe verschleudert. Es gibt Leute, die so reden in München, die sagen, Aufsichtsratschef Heinrich von Pierer habe mit dem Vorstandschef gebrochen. Pierer hat das mehrfach dementiert, doch bleibt die Frage offen, wie Pierer, dieser eminent politische Siemens-Veteran, eine so deftige Gehaltserhöhung hat durchwinken können, ohne an die öffentlichen Folgen zu denken. „Vielleicht war es Tunnelblick“, sagt ein Vertrauter. Sonderbar bleibt dennoch, dass die Geschichte ausgerechnet zu dem Zeitpunkt ruchbar wurde, als sich die Krise um BenQ zuspitzte. Denn dass man bei Siemens nichts geahnt hätte, ist eine Mär. Gut möglich allerdings, dass es die falschen Leute waren, die davon wussten.

Interpretationsmodell zwei ist etwas einfacher: „Es ist einfach dumm gelaufen“, sagt ein Pressesprecher. Egal, für welche Sichtweise man sich entscheidet, fest steht, dass die Kommunikatoren der Siemens AG vor einem Scherbenhaufen stehen. „Das war der Gau“, sagt eine hochrangiger Siemens-Mann. In der Pressestelle räumt man ein, die politische Dimension des Geschehens unterschätzt zu haben. Und das von entsprechenden Stellen die Warnsignale fehlten.

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