Insolvenz von BenQ Mobile
Siemens vollendet die 180-Grad-Wende

Der öffentliche Druck hat gewirkt: Nachdem Siemens sich in den ersten Tagen nach der Insolvenz seiner ehemaligen Handysparte praktisch totgestellt hatte, plant der Konzern nun eine Auffanggesellschaft für die 3 000 Mitarbeiter von BenQ Mobile. Der Weg dahin war weit – und schmerzhaft, wie Konzernchef Klaus Kleinfeld selbst sagt.

HB MÜNCHEN. Am Freitag sei an die Bundesanstalt für Arbeit, die Arbeitnehmervertreter, den BenQ-Mobile-Insolvenzverwalter Martin Prager und die Landesregierungen von Nordrhein-Westfalen und Bayern ein entsprechendes Schreiben gegangen, in dem Siemens um Unterstützung für die Lösung ersuche, sagte ein Firmensprecher am Freitag. Die Beschäftigungsgesellschaft solle den Betroffenen bei der Jobvermittlung helfen und Qualifizierung und Weiterbildung unterstützen.

Kleinfeld hatte am Mittwoch gesagt, die Reaktionen der letzten Tage seien für das ganze Unternehmen schmerzhaft gewesen. Er hatte erneut betont, Siemens habe nach einer langfristigen Lösung für sein Handy-Geschäft gesucht, als das Unternehmen die Sparte an die taiwanische BenQ verkaufte.

Die Auffanggesellschaft ist der vorerst letzte Schritt in einer langen Kette von Unterstützungsmaßnahmen für die ehemalige Tochter. Dabei sah alles danach aus, als wollte sich der Konzern aus der Affäre ziehen. Die Münchener waren die ersten Tage nach der Insolvenz von BenQ Mobile auffällig zurückhaltend und verwiesen in Sachen Verantwortung auf den Käufer ihrer ehemaligen Handy-Sparte, den taiwanesischen Elektronikkonzern BenQ. Doch letztlich beugte sich Siemens dem Druck von Gewerkschaftern, Politikern und der Öffentlichkeit.

Der Konzern legte einen 35 Mill. Euro schweren Notfonds für die 3 000 Mitarbeiter auf, für den der Vorstand sogar auf seine 30-prozentige Gehaltserhöhung verzichtete, was alleine 5 Mill. Euro brachte. Zahlungen an BenQ in Taiwan stoppte Siemens. 50 Mill. Euro sollen nun schnellstens der deutschen BenQ Mobile überwiesen werden, damit diese weiterproduzieren kann. Weitere 117 Mill. Euro will Siemens auf einem Treuhandkonto parken. Das Geld könne nach Klärung rechtlicher Streitigkeiten zwischen der deutschen und der taiwanischen BenQ möglicherweise ebenfalls der insolventen Gesellschaft zur Verfügung stehen, sagte Konzernchef Kleinfeld.

Ursprünglich hatte Siemens der taiwanischen BenQ die Gelder vertraglich zugesagt, damit diese die unrentable Handysparte übernimmt. Die neue Mutter hatte ihrer deutschen Tochter vor einer Woche den Geldhahn zugedreht, woraufhin diese Insolvenz anmelden musste.

Noch am Freitag hatten BenQ-Mobile-Mitarbeiter vor der Zentrale von Siemens in München für eine Rückkehr in den Konzern demonstriert.

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