Insolvenzverschleppung
Staatsanwaltschaft ermittelt bei Teldafax

Die Staatsanwaltschaft Bonn geht dem Verdacht nach, dass die Verantwortlichen des größten unabhängigen Stromanbieters Teldafax eine Insolvenz verschleppt haben könnten. Umfangreiche Unterlagen belasten offenbar den Vorstand.
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Die Staatsanwaltschaft Bonn hat nach wochenlangen Sondierungen formelle Ermittlungen gegen die Verantwortlichen des Stromanbieters Teldafax aufgenommen. Wie eine Sprecherin der Behörde gestern bestätigte, wurde unter dem Aktenzeichen 410 Js 511/10 ein Ermittlungsverfahren eingeleitet.

Unter anderem geht die Staatsanwaltschaft Bonn dem Verdacht der Insolvenzverschleppung nach. Gegen welche Manager im weiteren Verlauf konkret ermittelt wird, prüft die Behörde noch. Sie hat hierzu mit der Vernehmung von Zeugen begonnen.

Parallel dazu laufen bei der Staatsanwaltschaft Landshut Untersuchungen wegen des Verdachts auf Betrug. Hier geht es um die unsachgemäße Verwendung von Anlegermillionen aus den Debi Select Fonds für die Finanzierung von Teldafax. Teldafax-Vorstandschef Klaus Bath war von einem Anlageberater wegen Insolvenzverschleppung und Beihilfe zum Betrug angezeigt worden.

Vorstand dachte an Rücktritt

Die Entwicklung ist ein schwerer Schlag für die Strategie des Unternehmens, Zweifel an der finanziellen Seriosität von Teldafax als Kampagne von Dritten zu bezeichnen. Der ehemalige Finanzvorstand Alireza Assadi hatte im Oktober auf Anfrage bestätigt, dass er bereits vor einem Jahr einen Insolvenzantrag stellen wollte. Als Grund nannte Assadi, Teldafax sei überschuldet und illiquide gewesen. Bevor er den Antrag stellen konnte, wurde er als Vorstand abberufen. Eine Sprecherin sagte, Assadi habe weder dem Vorstand noch dem Aufsichtsrat etwas über seine Absichten gesagt. Eine Insolvenz habe auch nicht gedroht.

Zum Ermittlungsverfahren äußerte sich Teldafax gestern zunächst nicht. Auf die Anzeige hatte das Unternehmen aber gelassen reagiert. Die Staatsanwaltschaft habe nicht nur die zur Belastung, sondern auch die zur Entlastung dienenden Umstände zu ermitteln.

Dramatischer Brief an die Aufsichtsräte

Doch es gibt umfangreiche Indizien, die gegen die Firma sprechen. Dem Handelsblatt liegt ein Protokoll einer außerordentlichen Vorstandssitzung vom 10. Juni 2009 vor. Daran nahm der Teldafax-Vorstand unter der Führung von Klaus Bath teil, zudem war ein Vertreter der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft BDO anwesend. In dem Protokoll heißt es: "Es wird Stand heute gemäß der Berechnungen der BDO Deutsche Warentreuhand AG eine Illiquidität festgestellt. Ab diesem Datum besteht eine dreiwöchige Insolvenzantragspflicht für Vorstände und Geschäftsführer."

Vier Wochen später, am 9. Juli 2009, schreibt der komplette Vorstand von Teldafax einen dramatischen Brief an die Aufsichtsräte Anton und Reto Stiffler sowie Michael Josten. Mehrere Gesellschaften - darunter die Holding und die Energietochter - seien Ende 2008 überschuldet gewesen, sie "weisen entweder ein negatives Eigenkapital auf oder haben mehr als die Hälfte ihres Stammkapitals zum Bilanzstichtag verloren". (..) "Um die Illiquidität der Teldafax-Gruppe zu beheben, wurde eine Kapitalerhöhung beschlossen." (..) "Leider konnte bis heute noch kein erfolgreicher Abschluss getätigt werden." Die Vorstände kommen in ihrem Schreiben zu zwei möglichen Alternativen: "a) Antrag auf Insolvenz b) Niederlegung des Mandats als Vorstand (..) ."

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