Institutionelle Anleger präferieren mögliche United-Internet-Offerte
Freenet-Großaktionäre stemmen sich gegen Debitel-Kauf

Der Übernahmepoker um Freenet spitzt sich dramatisch zu. Am späten Sonntagnachmittag will der Freenet-Aufsichtsrat über den Kauf des Mobilfunk-Rivalen Debitel entscheiden. Gleichzeitig haben sich aber offensichtlich mehrere große Aktionäre von Freenet schriftlich gegen einen solchen Deal gestellt. Sie präferieren eine mögliche Offerte von United Internet (UI) und Drillisch. UI-Chef Ralph Domemrmuth hat gleichzeitig eine Erhöhung der geplanten Offerte von zuletzt 14 auf 16 Euro angekündigt.

FRANKFURT. Freenet-Chef Eckhardt Spoerr will Debitel für angeblich gut 1,6 Milliarden Euro kaufen. Mit 19 Millionen Mobilfunkkunden würde der drittgrößte Anbieter in Deutschland hinter T-Mobile und Vodafone entstehen. Gleichzeitig buhlen UI und Drillisch um Freenet. Beide halten über das Gemeinschaftsunternehmen MSP bereits gut 25 Prozent der Anteile an Freenet. Während UI am DSL- und dem Hosting-Geschäft (Verwalten von Webseiten) interessiert ist, schielt Drillisch auf die Mobilfunksparte.

In einem Brief an Spoerr sowie den Aufsichtsrat forderte UI-Chef Dommermuth am Sonntagmittag, die Transaktion mit Debitel nicht zu vollziehen. Nach seinen Angaben haben sich acht institutionelle Anleger offen gegen einen solchen Schritt ausgesprochen und gegenüber UI erklärt, ihre Freenet-Aktien im Fall eines offiziellen Angebots der UI und Drillisch andienen zu wollen. Nach Informationen aus Finanzkreisen handelt es sich um gewichtige Fonds wie Fidelity oder Vatas. Gemeinsam repräsentieren diese Fonds 32,6 Prozent der Freenet-Anteile.

Addiert mit den Anteilen von UI und Drillisch sind damit etwa 60 Prozent der Freenet-Aktionäre gegen einen Debitel-Deal. Einigen von ihnen ist vor allem die hohe Verschuldung von Debitel (rund eine Milliarde Euro) ein Dorn im Auge. Das Unternehmen gehört dem Finanzinvestor Permira, der den Kauf wie bei solchen Transaktionen üblich mit Krediten bezahlt hat, die anschließend dem Unternehmen aufgebürdet werden.

Sollte sich das Kontrollgremium von Freenet wie geplant für die Debitel-Übernahme entscheiden, dürfte dem Unternehmen eine spannende Hauptversammlung ins Haus stehen. Beobachter erwarten in dem Fall heftige Kritik und eventuell auch personelle Konsequenzen.

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt
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