Integrationstechnologie
Kunden verweigern SAP die Gefolgschaft

Der Softwarekonzern SAP tut sich schwer, im Markt für Integrationstechnologie Fuß zu fassen. Zwar läuft der Verkauf der entsprechenden Software- und Technologieplattform Net-Weaver recht gut. Allerdings wird das System kaum als Vehikel zur Integration etwa mit den Programmen anderer Anwender genutzt.

LEIPZIG. „43 Prozent unserer Mitglieder haben noch gar keine Plattformstrategie entwickelt", klagte Alfons Wahlers, der Vorstandsvorsitzende der SAP-Anwendergruppe DSAG, im Gespräch mit dem Handelsblatt. "Der SAP-Ansatz ist richtig, aber die Anwender sind völlig überfordert mit den ständigen Neuerungen", sagte Wahlers. Eine Botschaft, auf die SAP-Vorstandschef Henning Kagermann umgehend reagierte. Er kündigte am gestrigen Dienstag an, dass es erst 2010/2011 eine neue Version des SAP-Kernprogramms geben wird: "Wir wollen damit zeigen, dass eine Investition in das aktuelle My-SAP ERP 2005 eine langfristige Entscheidung ist."

Eine derart lange Laufzeit ist in der Softwareindustrie ungewöhnlich. Eigentlich versucht die Branche, durch ständige Upgrades die Umsätze anzukurbeln. Allerdings will SAP bei den Kunden wohl erst einmal wieder Ruhe reinbringen. Einen negativen Einfluss auf die Lizenzumsätze fürchtet SAP-Deutschlandchef Michael Kleinemeier aber nicht. "Wir werden in den nächsten Jahren ständig neue Funktionalitäten anbieten", sagte er.

Eigentlich ist eine eher zögerliche Kundschaft in der Software-Industrie Normalität. "Kein Unternehmen ist gerne ein Betatester. Man wartet erst mal die Erfahrungen anderer ab", sagte Michael Weiss, Chairman der IBM-Nutzervereinigung. Allerdings geht es dieses Mal für SAP um mehr als nur ein einfaches "Upgrade". Die Walldorfer wollen die Führung im Markt für Integrations-Technologie erobern. Das soll über einzelne modulare Services geschehen (Service orientierte Architektur/SOA). Damit tritt der Konzern in einen Markt ein, der bislang von Unternehmen wie IBM bedient wird.

Bis Ende 2008 sollen nach SAP-Plänen bereits 15 000 Firmen dem neuen Ansatz folgen. Doch bislang sind die Zahlen ernüchternd. "Nur sieben Prozent der DSAG-Mitglieder haben erste SOA-Pilotprojekte laufen", rechnete Wahlers am Dienstag vor. Peter Groth, Geschäftsführender Gesellschafter des IT-Dienstleisters BTB in Stuttgart, ist deshalb skeptisch: "SAP will mit Net-Weaver die führende Integrationsplattform werden. Ob die Rechnung aufgeht, weiß ich allerdings nicht. " "SAP holt die Anwender nicht dort ab, wo sie sich gerade befinden", sagte Wahlers. Das sieht Roland Feiel vom Hamburger Software-Unternehmen Honico ähnlich: "Die Kunden sind noch nicht so weit. " Dennoch ist SAP-Deutschlandchef Kleinemeier zuversichtlich. "Wir stehen vor dem Abschluss einiger richtig großer SOA-Projekte", sagte er. Dem stimmte Cristian Wieland von Münsteraner Berater Raad Consult zu: "Wir rechnen damit, dass bis Ende nächsten Jahres 30 Prozent der deutschen SAP-Kunden NetWeaver "produktiv nutzen werden."

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt
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