Intel-Chef Brian Krzanich CEO ohne Bodenhaftung

Bei seiner Keynote zum Auftakt der Consumer Elektronics Show in Las Vegas redet Intel-Chef Brian Krzanich die massiven Sicherheitslücken in den Mikroprozessoren seiner Firma klein. Wirklich überzeugend ist das nicht.
Kommentieren

Sicherheitslücken in Computer-Chips – Intel kündigt Maßnahmen an

Sicherheitslücken in Computer-Chips – Intel kündigt Maßnahmen an

Las Vegas„Geh in Deckung. Geh in Deckung, so lang Du noch kannst, Baby, und schau nicht zurück.” So lautet der Refrain in dem Song von „The Killers”, der vor Beginn der Keynote von Intel-Chef Brian Krzanich bei der Consumer Electronics Show (CES) im Monte Carlo Theater in Las Vegas erklingt. In ihm raten die US-Rocker einem nicht näher erläuterten „Baby” zur Flucht aus einer ausweglosen Situation.

Als Krzanich die Bühne betritt, versteckt sich der Intel-Chef nicht gerade, aber er geht leicht nach vorn gebeugt, nimmt ein paar Schritte Anlauf, als wolle er auf die Bühne sprinten, bricht dann ab und bleibt stehen. Der 57-Jährige sieht müde aus, seine Gesichtsfarbe ist von ungesund gelber Farbe. Nervös spielt er mit dem kleinen Klicker in seiner Hand herum, schaut immer wieder nach unten.

„Bevor wir starten, möchte ich zunächst die Gelegenheit nutzen, um die jüngsten Erkenntnisse über die Sicherheitsprobleme anzusprechen, über die als ,Meltdown‘ und ,Spectre‘ berichtet wurde”,
sagt der Intel-Chef. Er beteuert: „Sicherheit ist der wichtigste Job für Intel und für unsere Industrie.” Es ist von höchster Wichtigkeit, „die Daten unserer Kunden zu schützen”.

Das sind die größten Chip-Hersteller der Welt
Platz 10: MediaTek
1 von 10

Das 1997 gegründete Unternehmen aus Taiwan war 2008 mit einem Umsatz von 2,896 Milliarden Dollar noch auf 24 Rang der weltweit größten Halbleiter-Hersteller. Im vergangenen Jahr machte der Konzern 8,7 Milliarden Dollar Umsatz und steht nun auf Platz 10. MediaTek produziert vor allem Chips für Fernseher, 2015 waren in 64 Prozent aller Geräte Mikrocontrollerchips der Firma eingebaut.

(Quelle: Gartner)

Platz 9: NXP
2 von 10

Der niederländische Halbleiterhersteller ist bereits seit 2006 im Geschäft. Zuletzt erzielte der Konzern mit Sitz in Eindhoven und rund 44.000 Mitarbeitern einen Jahresumsatz von 9,17 Milliarden Dollar. Die Chips der Firma werden vor allem in Verkehrssystemen und Veranstaltungszentren eingesetzt.

Platz 8: Toshiba
3 von 10

Die Halbleitersparte des japanischen Konzerns steht seit einiger Zeit zum Verkauf. Noch gehört sie allerdings zum Konzern, 2016 war Toshiba Memory die profitabelste Firmensparte. Der Umsatz lag im vergangenen Jahr bei 10,05 Milliarden Dollar.

Platz 7: Texas Instruments
4 von 10

Der Jahresumsatz des US-Konzerns mit Sitz in Dallas betrug zuletzt 11,78 Milliarden Dollar. Texas Instruments beschäftigt rund 32.200 Mitarbeiter und produziert Halbleiter für die Industrie, die Autobranche, Projektoren und Taschenrechner.

Platz 6: Micron
5 von 10

Das Technologie-Unternehmen aus Idaho stellt hauptsächlich Speicherelemente für Computer her. Zuletzt lag der Jahresumsatz bei 12,59 Milliarden Dollar. Das Unternehmen wurde 1978 gegründet und hat mittlerweile mehr als 30.000 Mitarbeiter.

Platz 5: Broadcom
6 von 10

Der Konzern aus Singapur machte zuletzt einen Jahresumsatz von 13,15 Milliarden Dollar. Nun bietet das Unternehmen 130 Milliarden Dollar für den amerikanischen Rivalen Qualcomm.

Platz 4: SK Hynix
7 von 10

Das Unternehmen aus Südkorea wurde 1983 gegründet, zuletzt lag der Jahresumsatz bei 14,27 Milliarden Dollar. Als 2013 ein Brand die Produktionskapazitäten von SK Hynix in China lahm legte, stiegen die Preise für RAM auf dem Weltmarkt erheblich an.

In der ersten Januarwoche erschütterten Intel Enthüllungen über schwerwiegende Sicherheitslücken in Mikroprozessoren. Millionen von PCs, Smartphones und Tablets sind betroffen.

Es ist keine Entschuldigung, die der Intel-Chef sich nun vor 5000 Menschen abringt. Eher schon versucht er das Thema herunterzureden. „Bislang haben wir keine Informationen darüber erhalten, dass jemand die Sicherheitslücke ausgenutzt hat, um Nutzerdaten zu entwenden”, meint Krzanich. Er beteuert: „Wir arbeiten ohne Unterlass daran, dass dies so bleibt.” Um ihre Daten zu schützen, sollten Kunden alle angebotenen Updates installieren, sobald sie verfügbar werden, rät der Intel-Manager.

90 Prozent aller Intel-Chips, die in den vergangenen fünf Jahren hergestellt wurden sollen schon in einer Woche mit einem entsprechenden Update versorgt werden, die übrigen folgen bis Ende Januar. In einigen Fällen könnten hohe Datenmengen die Leistung der Prozessoren beeinträchtigen, wendet Krzanich ein. „Aber wir arbeiten weiter mit der Industrie hart daran, diese Dinge über die Zeit zu lösen.”

Zudem richtet der Chiphersteller einem Zeitungsbericht zufolge ein firmeninternes Sicherheitsgremium ein. Es werde von Personalchef Leslie Culbertson geleitet, berichtete das Blatt „Oregonian“ am Montag unter Berufung auf ein Schreiben an Mitarbeiter. Man müsse im Bereich der Kundenzufriedenheit überragende Leistungen erbringen, erklärte Konzernchef Brian Krzanich demnach zur Begründung. Er habe mehrere Topmanager zu der neuen Gruppe versetzt.

Doch alles, was Krzanich auf der Bühne in Las Vegas erzählt, klingt einfacher als es tatsächlich ist. Für Intel dürfte die Krise noch lange nicht ausgestanden sein. Kunden in den USA verlangen bereits Schadensersatz für die schadhaften Chips, die ihnen verkauft wurden. In den Bundesstaaten Kalifornien, Indiana und Oregon sind Sammelklagen anhängig.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Kein Wort zu persönlichen Konsequenzen
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Intel-Chef Brian Krzanich - CEO ohne Bodenhaftung

0 Kommentare zu "Intel-Chef Brian Krzanich: CEO ohne Bodenhaftung"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%