Intel
Der PC lebt

Halbleiter-Primus Intel versucht seit Jahren, im Geschäft mit Smartphones und Tablets Fuß zu fassen. Das gelingt nur um den Preis hoher Verluste. Aber dank des guten Laufs bei PC-Chips kann sich Intel das leisten.
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Santa ClaraChip-Hersteller Intel atmet auf: Die PCs sind wieder da. Schlank, schnell, mit Berührungsbildschirmen und abnehmbaren Tastaturen wandelbar vom Laptop zum Tablet waren sie die stillen Stars der Elektronikmesse CES in Las Vegas. Mit Preisen ab 300 Dollar bis unter 1000 Dollar sind die kaum teurer als Tablets, dafür aber vielseitiger verwendbar. Was sich im Januar an den Ständen von Asus, Dell oder Acer den Besuchern der Fachmesse präsentierte, schlug sich bereits Ende 2014 in den Quartalszahlen von Intel wieder.

Ein stabiles PC-Segment und ein boomender Markt für Server-Prozessoren – das sind Rechner überwiegend genutzt in großen Datencentern – sorgten für Gewinne und Umsätze über den Erwartungen. Der Nettogewinn kletterte, verglichen mit dem Vorjahresquartal, um 39 Prozent auf 3,7 Milliarden Dollar. Der Umsatz lag sechs Prozent höher bei 14,7 Milliarden Dollar. Nachbörsliche Kursverluste der Intel-Aktie werden Gewinnmitnahmen und einem vorsichtigen Ausblick auf 2015 zugerechnet. Der Intel-Kurs war in den vergangenen zwölf Monaten um 41 Prozent gestiegen.

Nicht nur Unternehmen legten sich neue Rechner zu, auch Privathaushalte rüsten ihre Wohnzimmer auf, wie die Marktforscher von Gartner und IDC berichten. Gartner verkündete für das abgelaufene Jahr weltweit ein kleines Plus von einem Prozent mehr verkauften PCs. IDC meldet zwar ein Minus von 2,4 Prozent. Aber das waren deutlich weniger als die 4,8 Prozent, die zuvor erwartet wurden.

Für Intel ist das ein Segen. Zwar versucht Vorstandschef Brian Krzanich mit Macht in Zukunftsbereiche wie Smartphones, Tablets und Internet der Dinge vorzudringen. Aber noch immer kommt das Geschäft zu fast 80 Prozent aus den alten Bereichen. „Wir haben den PC-Bereich wiederbelebt“, so Krzanich. Für 2015 rechnet Intel mit einem stabilen PC-Markt auf Niveau von 2014, aber das, so Finanzchef Stacy Smith, „reicht uns aus, um gute Geschäfte zu machen“. Im Gesamtjahr 2014 legte Intels PC-Sparte um vier Prozent auf 34,7 Milliarden Dollar zu. Im vierten Quartal war es ein Plus von drei Prozent zum Vorjahr. Als Wachstumsstar erwies sich das Geschäft mit Datencentern. Im Gesamtjahr ging es um 18 Prozent auf 14,4 Milliarden Dollar aufwärts, im vierten Quartal alleine um 25 Prozent. Für das laufende Jahr werden vor allem eine Prozessor-Generationen mit Spannung erwartet: Die intern „Skylake“ getauften Core-Prozessoren der sechsten Generation müssen Intels Position bei Desktop-PCs und ultradünnen Laptops ausbauen. Sie basieren auf einer völlig neuen Architektur und sollen deutlich schneller und stromsparender sein. Dell will angeblich schon im zweiten Halbjahr 2015 Skylake-Laptos bringen, hieß es auf der CES in Las Vegas.

Wo die Probleme liegen zeigt eindrücklich die Smartphone-Sparte (Mobile and Communications Group) mit einem Umsatzeinbruch im Gesamtjahr um 85 Prozent auf anämische 202 Millionen Dollar. Die Software-Sparte, wo zum Beispiel die Milliarden-Akquisition McAfee beheimatet ist, lag im Gesamtjahr ein Prozent höher bei 2,2 Milliarden Dollar. Im vierten Quartal aber ging es, verglichen zum Vorjahr, um sechs Prozent bergab.

Hoffnungsschimmer ist das Internet der Dinge. Krzanich investiert massiv, übernahm mit Basis Science einen Smartwatch-Hersteller, kooperiert mit dem Kopfhörer-Hersteller SMS Audio und mit Schmuckherstellern. Nach Medienberichten werden Intel-Chips in 2015 eine neue Version von Googles Datenbrille Glass antreiben. Doch noch sind das Hoffnungen. Im Gesamtjahr stieg der Spartenumsatz um 19 Prozent auf 2,1 Milliarden Dollar.

Das laufende erste Quartal wird laut Vorstandschef Krzanich einen Umsatz von 13,7 Milliarden Dollar sehen, „plus-minus 500 Millionen“. Die Bruttomarge wird bei stolzen 60 Prozent erwartet. Um die Aktionäre bei Laune zu halten gibt es auch eine Dividendenerhöhung. Doch diesmal reichte das nicht. Angesichts der turbulenten Finanzmärkte nach dem Franken-Knall am Donnerstag ging es nachbörslich mit dem Kurs um gut zwei Prozent abwärts

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
Handelsblatt / Korrespondent

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