Intel und AMD
Ringen im Reinraum

Die Chiphersteller Intel und AMD liegen seit Jahren im Clinch. Jetzt entscheidet die EU, ob Marktführer Intel den Rivalen mit unfairen Mitteln kleinhält. Dem Unternehmen droht eine hohe Geldstrafe. Doch es könnte noch dicker kommen. Ein Handelsblatt-Report.

MÜNCHEN. Es ist nur eine Kleinigkeit, ein winziges Detail. Doch bei Andrew Grove, dem legendären Chef des weltgrößten Chipkonzerns Intel, hat es sich offenbar tief eingegraben. Als er bei dem Unternehmen einsteigt, ist er der dritte Mitarbeiter. Doch sein Firmenausweis hat die Nummer vier. Möglicherweise ist dies eine Erklärung, warum Grove später niemandem so recht über den Weg traut.

„Es ist wirklich wahr, nur die Wachsamen überleben“, schreibt er Mitte der 90er-Jahre in seinem Buch „Only the Paranoid Survive“. Und zu dieser Überlebensstrategie gehört auch die Erkenntnis: Jedes Unternehmen kommt immer wieder an einen Punkt, an dem es sein Geschäft radikal ändern muss. Sonst geht es unter.

An solch einem Wendepunkt könnte Intel unter Vorstandschef Paul Otellini noch in diesem Herbst stehen. Die EU-Kommission wirft dem Unternehmen vor, seine Marktmacht jahrelang missbraucht und unfaire Geschäftspraktiken angewandt zu haben, um den Rivalen AMD kleinzuhalten. Intel droht eine hohe Geldstrafe. Wenn es ganz dick kommt, könnte die EU den Konzern auch dazu verpflichten, die engen Beziehungen zu seinen Kunden zu kappen. Bis Anfang Oktober haben die Juristen von Intel noch Zeit, auf die schweren Anschuldigungen aus Brüssel zu antworten. Damit geht der Prozessorenkrieg AMD gegen Intel in eine neue Runde.

Die beiden Konzerne bekämpfen sich bereits seit Jahrzehnten bis aufs Messer. Es ist ein Duell wie das von David gegen Goliath: Gut 80 Prozent des Umsatzes mit Prozessoren – dem Gehirn eines jeden Computers – fließen in die Kassen von Intel. Im zweiten Quartal erzielte Intel 1,3 Milliarden Dollar Gewinn. Das ist fast genauso viel, wie AMD in derselben Zeit umsetzte. Schlimmer noch, der Intel-Herausforderer hat – wie schon so oft in der Vergangenheit – mit 600 Millionen Dollar einen hohen Verlust eingefahren.

Kein Wunder, wenn das Top-Management des Konzerns sehnlich die Entscheidung der EU erwartet und sich davon Rückenwind erhofft. Nach außen gibt sich die Führungsmannschaft um AMD-Vorstandschef Hector Ruiz dieser Tage allerdings demonstrativ gelassen und spricht lieber über ganz andere Themen – etwa über den neuesten Vierkern-Prozessor für Netzwerkrechner, den der Konzern im feinen Hotel AB Skipper am Hafen von Barcelona jüngst vorstellte. Weil die Entwickler den Hochleistungschip „Barcelona“ getauft haben, hat AMD-Vorstand Dirk Meyer Kunden und Journalisten in die katalanische Metropole eingeladen.

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