Interesse an Branchenprimus
Vodafone prüft Kauf von TV-Kabel

Die Telekomkonzerne nehmen die Kabelanbieter ins Visier: Vodafone lässt derzeit den Wert und eine mögliche Finanzierung von Kabel Deutschland durchrechnen, heißt es im Umfeld des britischen Konzerns. O2 hat vor einigen Monaten bereits die Übernahme eines Kabelkonzerns geprüft, dort liegen die Pläne aber offenbar wegen einer unklaren Deutschland-Strategie des Mutterkonzerns Telefónica auf Eis.

DÜSSELDORF. Vodafone ist hinter der Deutschen Telekom der zweitgrößte Anbieter - sowohl im Mobilfunk als auch im Festnetz. Das Unternehmen wollte sich zu den Plänen nicht äußern. "Wir schauen uns ständig den kompletten Markt an", sagte ein Vodafone-Sprecher.

Den Kabelkonzernen ist das Kaufinteresse der Telekom-Konkurrenten längst bewusst. "Das Kabel ist mittlerweile zu einer ernstzunehmenden Konkurrenz für die klassischen Telekomunternehmen geworden. Der Umstand, dass Telekomunternehmen Kabelinfrastruktur erwerben, unterstreicht die Attraktivität dieser Infrastruktur", sagt Torsten Winkler, Aufsichtsrat bei Kabel Deutschland (KDG) und Direktor beim Finanzinvestor Providence. Der Beteiligungsgesellschaft gehört der Marktführer KDG.

Die Kabelkonzerne bieten mittlerweile auch schnelles Internet und Telefonie an. Technisch sind ihre Leitungen denen der Telekomkonzerne überlegen: Sie reichen bis in die Wohnzimmer der Kunden und können deshalb größere Datenmengen transportieren. Die Telekomkonzerne sind dabei, ihre Glasfaserkabel näher an die Wohnungen zu verlegen, um ebenfalls ihre Bandbreiten zu erhöhen. Diese Investitionen könnten sich die Telekomunternehmen mit dem Kauf eines Kabelanbieters sparen. Deshalb hat im Juni ein Telekomkonzern zugeschlagen: Der Festnetzanbieter Versatel schluckte den Kabelanbieter AKF Telekabel mit 76 000 Teilnehmern in Berlin. Experten halten weitere Übernahmen für wahrscheinlich. "Für integrierte Anbieter, die schwach im DSL-Geschäft sind, würde der Kauf eines Kabelkonzerns durchaus Sinn ergeben", sagt Frank Rothauge von Sal. Oppenheim.

Ein Zukauf würde gut zur Strategie von Vodafone passen: Die Briten haben sich in Deutschland als integrierter Anbieter von Festnetz und Mobilfunk positioniert. Die Vodafone-Festnetztochter Arcor ist zwar die Nummer zwei auf dem DSL-Markt, mit einem Marktanteil von 14 Prozent ist der Abstand zur Telekom mit gut 45 Prozent aber sehr groß. Den über elf Mio. Kunden von KDG könnte Vodafone-Deutschlandchef Friedrich Joussen nicht nur DSL-, sondern auch Mobilfunkverträge anbieten und damit doppelt an ihnen verdienen.

Die Kabelbranche in Deutschland steht vor einer Marktbereinigung. Sie ist weitgehend in den Händen von Finanzinvestoren. KDG gehört Providence, der Branchenzweite Unitymedia ist im Besitz von Apollo und BC Partners. Kein Kabelkonzern ist bislang flächendeckend in Deutschland vertreten. Ein von den Finanzinvestoren Apollo und BC Partners für diesen Herbst geplanter Börsengang von Unitymedia ist an der Finanzkrise gescheitert. Bei der erwarteten Marktbereinigung könnte das weitere Schicksal von Kabel Deutschland eine Schlüsselrolle spielen. Entweder kauft der Münchener Branchenprimus Konkurrenten wie Unitymedia, oder er wird verkauft. Beim Eigner Providence in London heißt es vieldeutig: "Als Private-Equity-Unternehmen prüfen wir immer verschiedene Optionen, was unsere Engagements betrifft."

In KDG-Kreisen wird über einen Verkauf bereits spekuliert: "Wenn der Preis stimmt, wird Providence verkaufen." Offenbar will der Finanzinvestor einen Kaufpreis von mehr als dem zehnfachen Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) erzielen. Branchenexperten gehen davon aus, dass der Kaufpreis bei dem Acht- bis Neunfachen des Ebitda liegen würde. KDG hat am Mittwoch für das zweite Quartal ein Ebitda von 142,9 Mio. Euro präsentiert: eine 30-prozentige Steigerung gegenüber dem Vorjahr. Legt man die Zahlen für das erste Halbjahr zugrunde, würde der Kaufpreis bei rund 2,5 Mrd. Euro liegen.

Sandra Louven
Sandra Louven
Handelsblatt / Korrespondentin in Madrid
Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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