Interesse an Snapchat
Internet-Riese Alibaba drängt in die USA

Kurz vorm Börsengang baut der chinesische Online-Händler Alibaba seine Präsenz in Silicon Valley aus. Er spricht mit dem Start-up Snapchat über eine Milliardenbeteiligung – und sticht womöglich Google und Facebook aus.
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Wenn Jack Ma ein Ziel erreichen will, kann er ziemlich beharrlich sein. Sieben Jahre lang quälte sich der Gründer der Alibaba Group durch die Grundschule, bis er den Abschluss schaffte. Zehn Mal rasselte er durch die Aufnahmeprüfung in Harvard. Zwischenzeitlich schlug sich der chinesische Top-Manager als Fremdenführer, Englischlehrer und Schuldeneintreiber durch. Doch nie verlor Ma den Glauben an den eigenen Erfolg. Heute besitzt der 49-Jährige ein geschätzten Privatvermögen von 10 bis 11,4 Milliarden Dollar. Bald dürfte der Mann noch reicher sein.

In wenigen Wochen, Anfang September, will der Ex-Pädagoge sein Unternehmen an die Wall Street bringen. Die Technikwelt erwartet einen der größten Börsengänge der Internet-Geschichte. Analysten schätzen den Wert des im chinesischen Hangzhou ansässigen Konzerns auf bis zu 160 Milliarden Dollar. Mit 300 Millionen Kunden und 25.000 Beschäftigten gehört Ma das größte Online-Kaufhaus der Welt.

Um sich für die Anleger noch attraktiver zu machen, baut seine Firma derzeit die Präsenz in den USA aus. Mit Snapchat, bekannt für den Dienst, bei dem sich Fotos nach wenigen Sekunden selbst löschen, sprach Alibaba über eine Finanzierung in Höhe von zehn Milliarden Dollar. Das berichten die Nachrichtenagentur Bloomberg und die „New York Times“ unter Hinweis auf Quellen aus dem Firmenumfeld. Offiziell wollen sich weder Investor noch Startup dazu äußern. Doch kommt der Deal zustande, wäre dies nicht die erste Beteiligung des chinesischen Imperiums an einem Newcomer aus den USA.

In den letzten zwei Jahren legte Jack Ma große Summen in Gründungen aus Silicon Valley an. Besonders reizen die Firma mobile Anwendungen für E-Commerce, Messaging und neue Technologien. Mit 125 Millionen Dollar beteiligte sich der Konzern erst im März an Tangome aus Mountain View, einer populären App für Videotelefonate. Einen Monat später folgte unter Führung von Alibaba eine 250 Millionen Dollar schwere Runde für den in San Francisco ansässigen Carsharing-Dienst Lyft. Weiterhin zum Portfolio gehören das Online-Portal Shoprunner und Quixey, eine innovative Suchmaschine für Apps.

Die jüngste Investition: Alibaba investiert 120 Millionen Dollar in Kabam, das mobile Spiele entwickelt. Auf rund eine Milliarde Dollar taxiert der chinesische Konzern das Start-up.

Jack Ma investiert damit konsequent in Geschäftsmodelle, die das Angebot der Alibaba Group auf Smartphone und Tablet ergänzen. Der zu der Gruppe gehörige Bezahldienst Alipay will nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr 70 Prozent aller mobilen Zahlungen in China abgewickelt haben. Insgesamt setzt der Verkaufsriese über die digitalen Marktplätze Taobao und Tmall bis zu 80 Prozent des chinesischen Web-Handels um.

Hintergrund für das Interesse an der Fotonachrichten-App Snapchat dürfte vor allem der Kampf mit Konkurrent Tencent um die mehr als 500 Millionen chinesischen Smartphone-Nutzer sein. Tencent, as größte Internet-Unternehmen Chinas, dominiert das mobile Texten mit der App Wechat und fast 400 Millionen Nutzern. Alibaba will dagegen halten.

10 Milliarden – das wäre trotzdem viel Geld für das erst vier Jahre alte Startup. Schließlich kann die Firma nicht einen Dollar Ertrag oder gar Gewinn vorweisen. Doch die Gründer Evan Spiegel und Jim Wilkinson locken mit ihrem Angebot besonders die jungen, 13 bis 25 Jahre alten Nutzer. Bis zu 700 Millionen Foto- und Video-Botschaften versenden seine Nutzer täglich, teilte Snapchat vergangenen November mit. Damit punktet der Foto-Dienst genau in jener Zielgruppe, die traditionellen sozialen Netzwerken wie Facebook gerade davonlaufen.

Kurz vor dem Börsengang setzt Alibaba mit den Gesprächen um den 10 Milliarden Dollar starken Deal mit Snapchat damit ein erstes Zeichen in Richtung der Marktführer in Silicon Valley. Die Kaufofferte von Facebook-Gründer Mark Zuckerberg in Höhe von drei Milliarden Dollar wies das Gründer-Duo Spiegel/Wilkinson ebenso ab wie die von Google, das vier Milliarden Dollar bot.

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