Internationale Funkausstellung: Sushi statt Bratwurst

Internationale Funkausstellung
Sushi statt Bratwurst

Anfangs war die Messe deutsch, dann kamen die Japaner, Koreaner und die Digitalisierung. Die IFA rutschte in die Krise - und reagierte. Eine Rückschau von Peter Weber, der die IFA als Manager seit Jahrzehnten erlebt.
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Als Willy Brandt 1967 auf den berühmten roten Knopf drückte, stand ich in der ersten Reihe. Ein junger Student voller Träume in einer aufregenden Zeit. Der Aufschwung war da und gleich würde das "Buntfernsehen" starten.

Ich war in der geteilten Hauptstadt, in Berlin. Unter dem Funkturm gaben sich die Stars die Klinke in die Hand, an den Messeständen gab es tolle UKW-Röhren-Radios, da waren Musiktruhen im Nussbaumdesign - und tolle Mädels, bei denen man nach einem langen Messetag sein Glück versuchen konnte. Was will ein junger Mann mehr?

Heute weiß ich, dass mein magischer Moment ein Bluff war. Ein Fernsehtechniker in einem Studio des SFB, des Senders Freies Berlin, hatte die Farbe schon vor Brandts Knopfdruck eingeschaltet. Doch das war letztlich egal. Mit dem Farbfernsehen startete die Unterhaltungselektronik auf der "Großen Deutschen Funkausstellung" so richtig durch. Deutsche Firmen wie Grundig, Schaub-Lorenz, Saba, Telefunken oder Metz waren Technologieführer. Da wollte ich hin.

Zwölf Jahre später hatte ich es geschafft - beinahe: Ich war mittlerweile als junger PR-Chef von Sony dabei. Den Job hatte ich trotz eindringlicher Warnungen meiner Mutter angetreten: Ist das bei so einer unbekannten Firma denn überhaupt sicher? Aus Japan?

"Playboy"-Parties waren begehrt

Die Frage stellten sich die deutschen Hersteller wohl auch. Richtig ernst genommen wurde ich nicht, wenn man sich zum Bier traf. Japaner, die kopieren nur, die können nichts. Also gönnte man uns Exoten eine halbe Halle der Funkausstellung. Allen Japanern, wohlgemerkt.

Die Messe war deutsch. Eine Halle für Schaub-Lorenz. Eine für Grundig. Eine für Nordmende, eine für Körting, und so weiter. Auch ARD und ZDF hatten eigene Hallen. Selbst die Plattenfirmen unterhielten VIP-Lounges für ihre Sternchen. Ein Muss war der Besuch in Heidi's Bierbar der deutschen Schallplattenikone Teldec oder im bayerischen Bierzelt von Grundig mit extra eingeflogenem Nürnberger Wurstbräter.

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