Internationalisierung
Constantin Film setzt auf die Weltbühne

Die Produktionsfirma Constantin, erste Adresse im deutschen Filmgeschäft, will unabhängiger vom Heimatmarkt werden - und künftig auf den ein oder anderen deutschen Film verzichten.
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BerlinDie Constantin Film AG treibt die Internationalisierung voran, um weniger auf den stagnierenden Kino- und Fernsehmarkt in Deutschland angewiesen zu sein.

"Wir wollen Serien und Filme verstärkt auch in Englisch drehen", sagte Martin Moszkowicz, Vorstand für Film und Fernsehen der Constantin Film AG, dem Handelsblatt. Schon in wenigen Wochen werde die Constantin mit einigen Abschlüssen an die Öffentlichkeit treten, kündigte Moszkowicz an.

Die strategische Neuausrichtung der Constantin Film AG hat für den Heimatmarkt Folgen. So werde das Unternehmen laut Moszkowicz künftig auf den einen oder anderen deutschen Film zugunsten eines internationalen verzichten. Derzeit ist das Verhältnis deutscher und internationaler Film 70 zu 30 Prozent. Doch in Zukunft "wird das Verhältnis eher bei 60 zu 40 Prozent liegen", sagte Moszkowicz in Berlin.

Die verstärkte Internationalisierung trifft jedoch nicht nur die Filmsparte. "Wir wollen uns auch im Fernsehen internationalisieren. Der Markt in Deutschland stagniert", meint der Vorstand. Die Fernsehkonzerne haben angesichts des schwachen Werbemarktes ein Wachstumsproblem. Erst am Dienstag sagte Thomas Ebeling, Vorstandschef von Pro Sieben Sat 1: "Ein dynamisches Wachstum im deutschen TV-Werbemarkt sehe ich nicht."

Constantin Film, Deutschlands größter Filmproduzent, arbeitet bereits an fünf internationalen Filmen. Darunter sind unter anderem die Bestseller-Verfilmung "Die Chroniken der Unterwelt", die im Sommer in die Produktion geht, sowie eine Neuauflage von "Tarzan" als 3-D-Animationsfilm. Der Streifen wird gerade bei der Bavaria Film GmbH gedreht, einer Tochter der ARD. Zuletzt hatte die Constantin Film AG bereits mit internationalen Koproduktionen für den Weltmarkt wie "Resident Evil 5" und "Die drei Musketiere" ihre Erlöse diversifiziert.

Bernd Eichinger, einst Eigner und Vorstandschef von Constantin Film, machte die Münchener Filmfirma weltberühmt. Er starb im vergangenen Jahr überraschend in Los Angeles an einem Herzinfarkt. Moszkowicz verwirklicht derzeit Bernd Eichingers letztes Projekt, die Verfilmung des Schicksals von Natascha Kampusch. Der Film "3096", dessen Bilder vom bekannten Kameramann Michael Ballhaus stammen, kommt Ende Juni in die Postproduktion. Die Tragödie wird im ersten Quartal 2013 in den Kinos gezeigt. "Es wird ein sehr ergreifender und fesselnder Film sein", ist sich der Vorstand sicher.

Constantin leidet nach eigener Aussage auch unter der mangelnden Kreativität des Filmstandorts Deutschland. "Uns fehlen qualitativ hochwertige Stoffe; hier bräuchten wir allgemein ein höheres Level in der Branche", sagt Moszkowicz. "Er wünsche sich bessere Drehbücher und bessere Regisseure. Das kreative Angebot sei überschaubar."

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  • Der Weltmarkt wartet nicht unbedingt auf die Constantin-Film. Insofern wird das ein sehr schwieriger und steiniger Weg mit sehr geringen Aussichten auf Erfolg. Die Problemlage ist aber zumindest bekannt: Deutsche Drehbücher und deutsche Regisseure haben auf dem Weltmarkt sehr geringe Chancen.

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