Internationalisierungspläne
Außenwerber Ströer hat Börsengang nicht nötig

Deutschlands führender Außenwerbe-Konzern Ströer mit Sitz in Köln hat seine Pläne für einen Börsengang im kommenden Jahr erst einmal zu den Akten gelegt: Das Management kann seine internationalen Wachsturmspläne auch ohne das Geld der Anleger finanzieren.

KÖLN. "Durch die Gründung unseres Gemeinschaftsunternehmens mit dem Finanzpartner Oaktree haben wir genügend Geld für die Expansion im Ausland. Uns stehen mehrere 100 Millionen Euro zur Verfügung", sagte Ströer-Vorstandschef Udo Müller dem Handelsblatt. Ursprünglich wollte das Kölner Werbeunternehmen im nächsten Jahr an die Börse gehen, um die Internationalisierung voranzutreiben.

Ströer hat stattdessen zusammen mit dem Finanzinvestor Oaktree im Januar das Unternehmen Ströer Media International gegründet, um international stärker zu wachsen. "Der Druck, an die Börse gehen zu müssen, ist damit erst einmal raus", sagte Müller. Noch macht der Außenwerbekonzern 86 Prozent seiner Erlöse in Deutschland. Doch das soll sich ändern. "Durch unser Gemeinschaftsunternehmen mit Oaktree können wir unsere Markteintrittschancen in Schwellenländern gezielt nutzen", sagt Finanzvorstand Alfried Bührdel.

Ströer strotzt vor Selbstbewusstsein. Der Umsatz wuchs nach Unternehmensangaben von gestern um fast 23 Prozent auf 440 Mill. Euro. Der um Einmaleffekte bereinigte Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) stieg um 4,5 Prozent auf 86 Mill. Euro. Die Aussichten sind weiter gut. "Wir gehen in diesem Jahr von einem zweistelligen Wachstum bei den Erlösen aus", sagte Bührdel. Der Umsatz solle in diesem Jahr bei rund 500 Mill. Euro liegen. Im ersten Halbjahr stiegen die Erlöse bereits um elf Prozent auf 237 Mill. Euro.

Vor allem das Geschäft im boomenden Werbemarkt Türkei trug zu den guten Zahlen im vergangenen Jahr bei. Dort ist Ströer mit dem Joint-Venture-Partner Akademi Reklam der Marktführer. Zuletzt hat Ströer Verträge mit Istanbul und Bursa geschlossen. Das Wachstum des vergangenen Jahres setzte sich im ersten Halbjahr fort. Der Umsatz in der Türkei kann auf knapp 14 Mill. Euro fast verdoppelt werden. "Wir gehen in der Türkei weiter von einem zweistelligen Wachstum aus", sagte Müller.

Der Kölner Branchenprimus nimmt nun neue Wachstumsmärkte in Visier. Dabei will sich Konzernchef Müller auf Asien und die GUS-Staaten konzentrieren. Einzelne Länder wollte Müller nicht nennen. Mit der Auslandsexpansion hatte Ströer nicht immer Glück. Vor zwei Jahren mussten sich die Rheinländer aus Frankreich zurückziehen.

Neben dem Ausland liefen für Ströer die Geschäfte im entscheidenden deutschen Markt gut. Für den Marktführer wirkte sich günstig aus, dass zum ersten Mal die im Dezember 2005 erworbene Deutschen Eisenbahn-Reklame (DERG) konsolidiert wurde.

Die Zuversicht in der Branche ist derzeit groß. "Durch neue innovative Werbeformen wird die Außenwerbung weiter zunehmen", sagte Volker Nickel, Geschäftsführer des Werbeverbandes ZAW. Den Aufschwung spürt auch der Ströer-Konkurrent Wall. Der Berliner Außenwerber hatte im ersten Quartal seine Umsätze um 24 Prozent auf 41 Mill. Euro steigern können. Angaben zum Ergebnis machte Wall nicht. Der konjunkturelle Aufschwung in Deutschland habe dafür gesorgt, dass die Werbeerlöse zulegten, sagte Vorstandschef Daniel Wall zuletzt. Ströer-Chef Müller prognostizierte gestern: "Die Plakatwerbung wächst stärker als der Gesamtmarkt."

Die Außenwerbung spielt in Deutschland bisher nur eine Nebenrolle. Ihr Anteil am Werbekuchen beträgt nur vier Prozent. Im Ausland sind es im Schnitt acht Prozent. 2006 hatten die Werbeausgaben in Deutschland die Hürde von 30 Mrd. Euro überwunden.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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