Internet-Anbieter
Tiscali verhandelt mit Murdoch

Der italienische Internet-Anbieter Tiscali verhandelt über einen Verkauf der britischen Geschäftsbereichen an die British Sky Broadcasting Group (BSkyB) von Rupert Murdoch. Tiscali bestätigte gestern auf Anfrage der italienischen Börsenkommission Consob entsprechende Gespräche.

MAILAND. Zuvor hatte ein Bericht der "Sunday Times" den Aktienkurs von Tiscali so stark nach oben getrieben, dass die Mailänder Börse den Titel vom Handel ausgesetzt hatte.

In den vergangenen Wochen hatte das italienische Telekommunikati-onsunternehmen mit dem britischen Mobiltelefon-Einzelhänder Carphone verhandelt. Carphone hat sich jedoch jüngst aus den Gesprächen zurückgezogen. Laut dem Bericht der Sunday Times will BSkyB bis zu 450 Mio. Euro für das britische Geschäft bezahlen.

Tiscali bestätigte gestern jedoch lediglich die Gespräche, ohne auf einen möglichen Kaufpreis einzugehen. BSkyB würde mit dem Kauf der britischen Aktivitäten von Tiscali zur Nummer Drei im Markt der Breitband-Anbieter aufsteigen, hinter British Telecom und Virgin Media.

Der Versuch, das britische Geschäft zu verkaufen, zieht sich bereits seit Monaten hin und wird von der Finanzkrise noch erschwert. Tiscali hatte schon Ende März angekündigt, dass es die italienische Intesa Sanpaolo und die US-Investmentbank JP Morgan damit beauftragt hat, "einen Prozess der Maximierung des strategischen Werts der Gruppe einzuleiten". Damit suchte das Unternehmen nach einem Käufer.

Auch Vodafone galt lange als möglicher Interessent für Tiscali, allerdings für das gesamte Unter-nehmen. Vodafone besitzt in Italien bereits den Anbieter Tele2 und könnte die Aktivitäten zusam-menlegen. Tiscali und Tele2 haben bei Breitband-Internet-Anschlüssen einen Marktanteil von je 4,9 Prozent.

Das 1997 gegründete Unternehmen Tiscali mit Sitz in Sardinien war einer der Stars der New Economy und wollte eine Art europäischer AOL aufbauen. World Online, Planet Interkom und Addcom gehörten während des Internethypes alle zum italienischen Aufsteiger. Doch die Italiener haben sich übernommen und sich nach und nach aus den verschiedenen Märkten zu-rückgezogen, bis nur noch Italien und Großbritannien übrig geblieben sind.

Im Heimatland bleibt Tiscali weit hinter dem Platzhirsch Telecom Italia und Fastweb zurück. Im vergangenen Jahr hat das Unternehmen bei einem Umsatz von 911 Mill. Euro 57 Mill. Euro Verlust gemacht. Der Tiscali-Kurs stieg gestern um mehr als ein Drittel, nachdem das Unternehmen die Gespräche mit BskyB bestätigt hat und die Aktie wieder zum Handel zugelassen wurde.

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin
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