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Internet-Drosselungen: Verbraucherschützer klagen gegen die Telekom

Verbraucherschützer wollen sich die jüngsten Maßnahmen der Telekom nicht so einfach gefallen lassen. Weitere drastische Tempobremsen wollen sie dem Konzern nun per Gericht untersagen. Der aber reagierte bislang nicht.

Verbraucherschützer gegen die Telekom: Weitere Geschwindigkeitsdrosselungen soll es nicht geben. Quelle: dpa
Verbraucherschützer gegen die Telekom: Weitere Geschwindigkeitsdrosselungen soll es nicht geben. Quelle: dpa

MünchenDie Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen (VZ NRW) will der Deutschen Telekom gerichtlich verbieten lassen, weitere starke Tempobremsen für Internet-Extremnutzer einzuführen. Sie fordert von dem Konzern eine Unterlassungserklärung, wie ein Sprecher der VZ NRW dem Nachrichtenmagazin "Focus" sagte. Die Telekom soll sich darin verpflichten, drastische Geschwindigkeitskappungen nicht mehr vorzunehmen. Der Konzern unterzeichnete eine solche Erklärung laut "Focus" aber bislang nicht.

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Die Telekom will bei Internet-Vielnutzern künftig nach Erreichen einer bestimmten Obergrenze die Übertragungsgeschwindigkeit drosseln. Eigene Angebote und jene von zahlenden Vertragspartnern sollen von der Drosselung aber ausgenommen werden. Diese Ankündigung hatte einen Proteststurm von Verbrauchern und in Teilen der Wirtschaft ausgelöst.

Q&A zur Tempodrosselung der Telekom

  • Für wen gelten die Obergrenzen?

    Zunächst einmal geht es nur um Neukunden, die einen Vertrag nach dem 2. Mai 2013 abgeschlossen haben. „Bestehende Verträge sind von den Änderungen nicht betroffen“, versprach die Telekom im Mai. Allerdings wird spekuliert, dass auch viele Bestandskunden von der Neuregelung betroffen sein könnten: Weil die Telekom ihr Festnetz auf die IP-Technologie umstellt, müssen Nutzer, die weiter einen schnellen Internetanschluss wollen, womöglich den Tarif wechseln – dann wären sie ebenfalls von der Drosselung betroffen. Die Telekom erklärt, dass man heute angesichts der rasanten Entwicklung der Branche nicht seriös sagen könne, welche Tarifmodelle in einigen Jahren gelten werden. Nach dem Urteil des Landgericht Köln ist aber ohnehin fraglich, ob die Geschäftsbedingungen Bestand haben.

  • Wer überschreitet die Datengrenze?

    Das lässt sich heute mit Blick auf das Jahr 2016 schwer sagen. Der Telekom zufolge kommt ein Kunde heute im Schnitt auf Datenvolumen von 15 bis 20 Gigabyte im Monat. Das passt zwar mehrfach in die niedrigste angekündigte Datenobergrenze von 75 Gigabyte, die für Anschlüsse mit einer Geschwindigkeit von bis zu 16 Megabit pro Sekunde (Mbit / s) gilt. Allerdings nimmt der Konsum von Online-Videos rasant zu. Neue TV-Geräte sind internettauglich, Sender bauen ihre Mediatheken aus, immer mehr Dienste bieten Streaming von Filmen und Serien an. Bis 2016 kann der Datenhunger der deutschen Haushalte also noch stark wachsen.

  • Wie weit kommt man mit 75 Gigabyte?

    Laut Telekom reicht das neben dem Surfen im Netz und dem Bearbeiten von Mails zum Beispiel für zehn Filme in herkömmlicher Auflösung sowie drei HD-Filme, 60 Stunden Internetradio, 400 Fotos und 16 Stunden Online-Gaming. Wenn solche Onlinedienste insbesondere in einem Haushalt mit mehreren Personen fest zum Alltag gehören, häuft sich locker eine höhere Nutzung an. Allerdings: Der hauseigene Telekom-Videodienst Entertain zehrt nicht an dem geplanten Datenkontingent.

  • Was ist mit anderen Anbietern?

    Nach aktuellem Stand würden die Nutzung von Entertain-Konkurrenten wie Apples iTunes-Plattform, Amazons Streaming-Dienst Lovefilm oder des ähnlichen Angebots Watchever sowie von YouTube das Inklusivvolumen verbrauchen. Bis 2016 könnten die Anbieter aber noch Partnerschaften mit der Telekom abschließen, die ihnen für gesonderte Bezahlung einen „Managed Service“ garantiert. Dienste solcher Partner tasten das Datenkontingent ebenfalls nicht an. Oder die Anbieter könnten sich zum Kampf gegen die Regelung entschließen.

  • Was passiert nach Ausschöpfung des Volumens?

    Entweder man begnügt sich mit zwei Megabit pro Sekunde, oder man bucht mehr Datenvolumen hinzu. Die Tarife dafür wurden von der Telekom noch nicht genannt.

  • Gibt es noch eine echte Flatrate?

    Die Telekom betont, weiterhin eine echte Flatrate anzubieten, also einen Tarif ohne jede Begrenzung. Dafür will das Unternehmen 10 bis 20 Euro Aufschlag im Vergleich zu heute verlangen – den genauen Preis legt es erst später fest.

  • Drosseln andere Anbieter auch?

    Telekom-Konkurrent Vodafone will nicht mitziehen: „Wir haben keine Pläne, die DSL-Geschwindigkeit unserer Kunden zu drosseln.“ Auch Unitymedia Kabel Baden-Württemberg erteilte einer Drosselung eine Absage: Bereits heute könnten Datenübertragungsraten von 150 Megabit pro Sekunde angeboten werden, die mit wenigen technischen Anpassungen auf 400 MBit/s erhöht werden könnten.

    Bei Kabel Deutschland dagegen gibt es bereits Datengrenzen, sie funktionieren aber anders als bei der Telekom. So ist ein Tages-Volumen von 10 Gigabyte vorgesehen, nach dem das Tempo gedrosselt werden kann. Derzeit passiert es aber erst ab 60 GB am Tag. Und zum Beispiel bei 1&1 gehört das Prinzip fest zum günstigsten Tarif dazu: Bis 100 GB im Monat surft man mit bis zu 16 MBit pro Sekunde, danach nur noch mit der langsamsten DSL-Geschwindigkeit von 1 MBit/Sekunde.

Der Sprecher der Verbraucherzentrale NRW sagte dem "Focus", es bestehe "Wiederholungsgefahr". Die Verbraucherschützer wollten daher "ein Grundsatzurteil, das dem Verbraucher Sicherheit verschafft".

  • 07.07.2013, 20:17 UhrDreister_Enteignungsversuch

    Auf solche sozialistischen Enteignungsversuche würde ich auch nicht reagieren. Was soll das? Das hat mit Verbraucherschutz nix mehr zu tun. Ich finde es schlimm genug, dass die Telekom gezwungen wird, die von ihr finanzierten und aufgebauten Netze Konkurrenten zur Verfügung zu stellen. Und jetzt soll sie noch nicht mal Vertragsfreiheit gegenüber ihren Kunden haben. Warum nicht die Märkte entscheiden lassen. Ich bin selbst Telekom-Kunde und sehr zufrieden, weil die Beratung und Betreuung inzwischen ausgezeichnet geworden ist, zumindest, sobald man mit der Technik und nicht mit irgendeinem bescheuerten Call-Center spricht. Und im Notfall haben die ein Deeskalationsmanagement, funtioniert prima und ist mir auch ein paar Euro mehr wert. Und wenn's mir nicht mehr passt, gehe ich halt zur Konkurrenz, so einfach ist das. Warum also nicht den Markt entscheiden lassen. Sozialismus und Enteignung hat noch nie zu niedrigeren Preisen, besseren Produkten und mehr Innovation geführt, ganz im Gegenteil.

  • 08.07.2013, 00:07 UhrRoothom

    kann meinem vorredner nur zustimmen! was hat es mit verbraucherschutz zu tun, einer firma ihre bertragsbedingungen verbieten zu lassen, während andere firmen tun und lassen können, was sie wollen?! wer nicht kunde bei der telekom sein will, muss dies ja auch nicht. und wer extrem viel nutzt, muss halt mehr zahlen. echter verbraucherschutz wäre es, wenn man die telekom bei dem versuch unterstützen würde, die kunden mehr nach nutzung zur kasse zu bitten. wenn das durchgeht, zahlen mal wieder viele für ein paar wenige, die mit ihren exzessen die preise verderben. aber das verstehen die "verbraucherschützer" vermutlich nicht...

  • 08.07.2013, 03:26 Uhrmiel

    ... wenn sie eine Leistung bezahlen aber nur 50% davon bekommen würden Sie anders reden ... und was hat das mit dem Begriff Sozialismus zu tun? Blödsinn

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