Internet
Facebook will zentraler Datenverteiler werden

Mit dem neuen Dienst "Connect" will Facebook, das weltgrößte soziale Netz im Internet, unabhängige Internet-Plattformen miteinander verbinden - und sich selbst zur unentbehrlichen Schaltstelle machen. Datenschützer schlagen Alarm.

DÜSSELDORF. Mit dem neuen Dienst "Connect" will Facebook, das weltgrößte soziale Netz im Internet, unabhängige Internet-Plattformen miteinander verbinden - und sich selbst zur unentbehrlichen Schaltstelle machen. Mit Connect können Nutzer sich bei anderen Diensten mit ihren Facebook-Daten anmelden. So entfällt das lästige Eingeben persönlicher Informationen bei neuen Angeboten - der Betreiber einer solchen Seite bekäme automatisch die Daten aus Facebook. Auch müssten sich die Kunden nicht mehr merken, bei welchem Dienst sie welches Passwort verwenden: Es reicht das für Facebook.

Facebook ist mit 160 Millionen Besuchern monatlich die Nummer eins weltweit. Das Unternehmen wird 2008 rund 350 Mio. Dollar einnehmen, ist aufgrund seines rasanten Wachstums aber weit von der Profitabilität entfernt. Die "New York Times" meldet, Connect werde in wenigen Wochen starten. Erste Kooperationspartner sind unter anderem die Videoplattform Hulu und die Nachrichtenplattform Digg. Digg-Gründer Kevin Rose hält "Connect" für "eine aufregende Sache".

Facebook-Gründer Mark Zuckerberg hatte kürzlich erklärt: "Facebook ist für unseren Geschmack zu abgeschlossen." "Connect" soll nun dafür sorgen, "dass die Nutzer auf anderen Seiten das tun können, was sie auch bei uns tun." Allein ist Facebook mit der Idee nicht. Der gemeinnützige Dienst Open ID versucht seit Jahren, die Nutzer zu überzeugen. Auch das brasilianische Start-up Power.com dient sich als Datenverteilstelle der Nutzer an. Bisher scheiterten diese und ähnliche Dienste an Bedenken in Sachen Datenschutz.

Auch bei Facebooks "Connect" ist dies ein Thema. Viele Nutzer werden sich nicht bewusst sein, dass ihre Daten an den Besitzer eines neuen Dienstes übertragen werden, wenn sie sich dort mit ihrem Facebook-Konto anmelden. Und: Ihre Anmeldung beim neuen Dienst wird, so sie die Funktion nicht abschalten, ihren Facebook-Kontakten mitgeteilt.

Facebook versucht, diese Kritik zu entkräften. Die Verbraucherschutz-Organisation Moveon erklärte, sie stehe bereits mit dem Unternehmen in Kontakt, um eventuelle Bedenken auszuräumen. Zuckerberg erklärte "Connect" sogar zum Gewinn in Sachen Datenschutz, da die Privatsphäre-Einstellungen aus Facebook auf kooperierende Dienste übertragen würden.

Thomas Knüwer
Thomas Knüwer
Handelsblatt / Reporter
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