Internet: Feindbild Microhoo

Internet
Feindbild Microhoo

Die guten alten Feindbilder sind noch immer intakt. Wird die dunkle Macht des Monopolisten Microsoft nach dem Personal Computer jetzt das World Wide Web erobern? Das ist für manchen Verschwörungstheoretiker im Internet die wahre Frage, falls sich der Softwaregigant Microsoft die Suchmaschine Yahoo kaufen sollte. Bringt Microsoft das Web in Gefahr?

DÜSSELDORF. Ein Schreckensszenario, warnt aber auch David Drummond, Googles Chefjustiziar, in einem offiziellen Blog. Werden illegale Geschäftspraktiken vom Desktop auf das E-Mail-Konto überspringen und Web-Nutzer geknechtet von einem intransparenten Web-Betriebssystem? "Microhoo" als Windows Reloaded?

Ausgerechnet Drummond fürchtet um die Grundfesten des Internets, Offenheit und Innovation. Denen habe sich Google (Firmenleitsatz: "Tue nichts Böses!") verschrieben. Wirklich? Oder sagt das einer, der den Web-Suchmarkt nach Belieben beherrscht und schon mal selber als "Microsoft des Internets" beschimpft wird? Über Googles Offenheit gibt es durchaus unterschiedliche Auffassungen.

Wie leicht kann es beispielsweise passieren, dass ein Web-Seiten-Betreiber trotz Vertrags kein Geld für angeklickte Werbung auf seiner Web-Seite von Google bekommt. Begründung: Klickbetrug. Auf die Frage "Wer, wie, was und warum?" aber wird Google schmallippig. Alles geheim, heißt es. Sicherheitsgründe. Oft folgt dann die Sperrung des Werbekontos, Google platziert auf der Web-Seite keine Anzeigen mehr.

Für kleine Web-Seiten-Betreiber ist das Vorgehen des Quasi-Monopolisten fatal. Enno Uhde vom Städteportal eins.de berichtet, dass Google sogar rückwirkend Geld wegen angeblicher Ungereimtheiten ("Da müssen Sie uns schon glauben") einbehält. Die Beweislast, dass alles doch rechtmäßig war, liegt beim Seitenbetreiber. Nur leider ist Einsicht in die entscheidenden Google -Protokolle eben nicht möglich. Schade auch.

Das Beispiel zeigt: Wer im Glashaus sitzt wie Google, sollte nicht mit Steinen nach Microsoft werfen. Aber im kalifornischen Mountain View liegen seit dem Übernahmeangebot für Yahoo die Nerven etwas blank. Denn wie schnell sich das Blatt auch für scheinbar unbezwingbare Giganten wenden kann, ist jedem bewusst. Wer kennt noch Namen wie Netscape, der von Microsoft weggewischte Browser-Gigant, oder den von Apples iTunes niedergewalzten "Real-Player"?

Google fühlt die Zerbrechlichkeit des eigenen Erfolgs jeden Tag hautnah. Der gewaltige Campus, auf dem der Suchmaschinenkonzern residiert, wurde aus der Konkursmasse der einstigen High-Tech-Ikone Silicon Graphics gekauft ... Silicon Graphics? Wer war das gleich noch mal?

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
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