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Internet-Flatrate: Telekom will bis zu 20 Euro Aufschlag von Vielsurfern

Telekom-Kunden mit großem Datenverbrauch müssen sich auf höhere Gebühren gefasst machen: Eine unbegrenzte Internet-Flatrate soll künftig 10 bis 20 Euro teurer werden. Den genauen Preis legt der Konzern erst später fest.

„Wir müssen und wollen die Investitionen zurückverdienen“: Telekom-Chef Obermann rechtfertig die Einführung von Daten-Obergrenzen. Quelle: dapd
„Wir müssen und wollen die Investitionen zurückverdienen“: Telekom-Chef Obermann rechtfertig die Einführung von Daten-Obergrenzen. Quelle: dapd

BonnFür eine unbegrenzte Internet-Flatrate will die Deutsche Telekom ab 2016 einen Aufschlag von 10 bis 20 Euro verlangen. Der genaue Preis lasse sich noch nicht festlegen, weil sich der Markt dynamisch entwickle, sagte Telekom-Chef René Obermann am Mittwoch bei der Vorlage der Quartalszahlen. Der Zuschlag betreffe aber nicht die Durchschnittsnutzer, sondern nur die wenigen Prozent der „Intensivnutzer“.

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Es gehe nicht um eine generelle Drosselung der Internet-Verbindung, sondern um eine Preisdifferenzierung, sagte der scheidende Konzernlenker. Die Telekom werde weiterhin marktgerechte Tarife anbieten: „Wir leben von unseren Kunden, ich hätte fast gesagt: Wir lieben unsere Kunden. Das werden wir nicht gefährden.“

Das Unternehmen hatte im April angekündigt, Daten-Obergrenzen für Festnetz-Flatrates einzuführen. Überschreiten Nutzer das monatliche Volumen, will der Bonner Konzern ab frühestens 2016 die Übertragungsgeschwindigkeit stark drosseln. Das Tempo-Limit gilt zunächst nur für Neukunden, aufgrund von Vertragsumstellungen dürften allerdings auch viele Bestandskunden betroffen sein.

Bestimmte eigene Dienste wie das Internet-Fernsehen Entertain nimmt das Unternehmen jedoch von der Drosselung aus. Andere Unternehmen könnten sich gegen Gebühr davon freikaufen, indem sie sogenannte „Managed Services“ mit einer gesicherten, höheren Qualität buchen. Kritiker sehen darin einen Verstoß gegen das Prinzip der Netzneutralität, das dafür steht, dass Daten diskriminierungsfrei, ungefiltert und in der bestmöglichen Geschwindigkeit durchgeleitet werden.

Q&A zur Tempodrosselung der Telekom

  • Für wen gelten die Obergrenzen?

    Zunächst einmal geht es nur um Neukunden, die einen Vertrag nach dem 2. Mai 2013 abgeschlossen haben. „Bestehende Verträge sind von den Änderungen nicht betroffen“, versprach die Telekom im Mai. Allerdings wird spekuliert, dass auch viele Bestandskunden von der Neuregelung betroffen sein könnten: Weil die Telekom ihr Festnetz auf die IP-Technologie umstellt, müssen Nutzer, die weiter einen schnellen Internetanschluss wollen, womöglich den Tarif wechseln – dann wären sie ebenfalls von der Drosselung betroffen. Die Telekom erklärt, dass man heute angesichts der rasanten Entwicklung der Branche nicht seriös sagen könne, welche Tarifmodelle in einigen Jahren gelten werden. Nach dem Urteil des Landgericht Köln ist aber ohnehin fraglich, ob die Geschäftsbedingungen Bestand haben.

  • Wer überschreitet die Datengrenze?

    Das lässt sich heute mit Blick auf das Jahr 2016 schwer sagen. Der Telekom zufolge kommt ein Kunde heute im Schnitt auf Datenvolumen von 15 bis 20 Gigabyte im Monat. Das passt zwar mehrfach in die niedrigste angekündigte Datenobergrenze von 75 Gigabyte, die für Anschlüsse mit einer Geschwindigkeit von bis zu 16 Megabit pro Sekunde (Mbit / s) gilt. Allerdings nimmt der Konsum von Online-Videos rasant zu. Neue TV-Geräte sind internettauglich, Sender bauen ihre Mediatheken aus, immer mehr Dienste bieten Streaming von Filmen und Serien an. Bis 2016 kann der Datenhunger der deutschen Haushalte also noch stark wachsen.

  • Wie weit kommt man mit 75 Gigabyte?

    Laut Telekom reicht das neben dem Surfen im Netz und dem Bearbeiten von Mails zum Beispiel für zehn Filme in herkömmlicher Auflösung sowie drei HD-Filme, 60 Stunden Internetradio, 400 Fotos und 16 Stunden Online-Gaming. Wenn solche Onlinedienste insbesondere in einem Haushalt mit mehreren Personen fest zum Alltag gehören, häuft sich locker eine höhere Nutzung an. Allerdings: Der hauseigene Telekom-Videodienst Entertain zehrt nicht an dem geplanten Datenkontingent.

  • Was ist mit anderen Anbietern?

    Nach aktuellem Stand würden die Nutzung von Entertain-Konkurrenten wie Apples iTunes-Plattform, Amazons Streaming-Dienst Lovefilm oder des ähnlichen Angebots Watchever sowie von YouTube das Inklusivvolumen verbrauchen. Bis 2016 könnten die Anbieter aber noch Partnerschaften mit der Telekom abschließen, die ihnen für gesonderte Bezahlung einen „Managed Service“ garantiert. Dienste solcher Partner tasten das Datenkontingent ebenfalls nicht an. Oder die Anbieter könnten sich zum Kampf gegen die Regelung entschließen.

  • Was passiert nach Ausschöpfung des Volumens?

    Entweder man begnügt sich mit zwei Megabit pro Sekunde, oder man bucht mehr Datenvolumen hinzu. Die Tarife dafür wurden von der Telekom noch nicht genannt.

  • Gibt es noch eine echte Flatrate?

    Die Telekom betont, weiterhin eine echte Flatrate anzubieten, also einen Tarif ohne jede Begrenzung. Dafür will das Unternehmen 10 bis 20 Euro Aufschlag im Vergleich zu heute verlangen – den genauen Preis legt es erst später fest.

  • Drosseln andere Anbieter auch?

    Telekom-Konkurrent Vodafone will nicht mitziehen: „Wir haben keine Pläne, die DSL-Geschwindigkeit unserer Kunden zu drosseln.“ Auch Unitymedia Kabel Baden-Württemberg erteilte einer Drosselung eine Absage: Bereits heute könnten Datenübertragungsraten von 150 Megabit pro Sekunde angeboten werden, die mit wenigen technischen Anpassungen auf 400 MBit/s erhöht werden könnten.

    Bei Kabel Deutschland dagegen gibt es bereits Datengrenzen, sie funktionieren aber anders als bei der Telekom. So ist ein Tages-Volumen von 10 Gigabyte vorgesehen, nach dem das Tempo gedrosselt werden kann. Derzeit passiert es aber erst ab 60 GB am Tag. Und zum Beispiel bei 1&1 gehört das Prinzip fest zum günstigsten Tarif dazu: Bis 100 GB im Monat surft man mit bis zu 16 MBit pro Sekunde, danach nur noch mit der langsamsten DSL-Geschwindigkeit von 1 MBit/Sekunde.

Einen Verstoß gegen die Netzneutralität bestritt Telekom-Vorstand Niek Jan Van Damme jedoch. Es gebe viele unterschiedliche Definitionen, vor einer Diskussion müsse man sich darüber verständigen, was überhaupt gemeint ist, sagte der Deutschland-Chef des Konzerns. „Wir werden keine Anbieter diskriminieren, die Netzqualität ist für alle gleich.“

Auch kleine Unternehmen könnten sich „Managed Services“ leisten, betonte die Telekom: „Die Partner müssen dafür nicht vorab bezahlen, sondern wir teilen uns die Umsätze“, teilte ein Sprecher auf Anfrage von Handelsblatt Online mit. „Gerade Newcomer haben so erst die Chance, neue und empfindliche Dienste zu starten.“

Obermann rechtfertigte die Schritte erneut mit den Milliarden-Ausgaben für den Ausbau der Netze, die einem rasant wachsenden Datenvolumen standhalten müssten, sowie dem harten Wettbewerb der Branche. Bis 2016 sollen rund sechs Milliarden Euro in das Festnetz investiert werden. „Wir müssen und wollen die Investitionen zurückverdienen.“

Mit Informationen von dpa.

  • 08.05.2013, 12:43 Uhrwww_mmnews_de

    Die Begrenzung von Flatrates ist das Ende des freien Internets. Die Behauptung, dass Leitungen überlastet seien, ist eine Lüge. Macht das Vorgehen der Telekom Schule, kommt dies einer Zensur des Internets gleich.

    Telekom wird zu Drosselkom.

    Die Deutsche Telekom will den Datenfluss im Internet kontrollieren und einschränken. Dies ist ein einmaliger Vorgang in der jüngeren deutschen Kommunikationsgeschichte.

    Der ehemalige Staatskonzern operiert dabei mit dreisten Lügen und schreckt auch vor dummen Täuschungsmanövern nicht zurück: Angeblich würde die Leitungen dem steigenden Internetverkehr nicht standhalten. Der Traffic würde angeblich immer höhere Kosten verursachen.

    Dies ist nichts anderes als Betrug: Die Telekom zahlt als Platzhirsch praktisch gar nichts für den Internetverkehr.

    Selbst wenn sich der Traffic verzehnfachen sollte, ist dies nur mit relativ geringen Mehrkosten verbunden. Den Kunden aber wird etwas anderes erzählt.

    Der kleine Widerspruch, dass die datenintensiven Telekom-HD-TV Kanäle von den Restriktionen ausgenommen sind, nehmen Strategen in Bonn wohl in Kauf. Im Klartext bedeutet dies: Die Kunden werden für dumm verkauft.

    Die Aktion dient einzig der Zensur: Youtube & Co. wackeln in Zukunft oder laufen gar nicht mehr, während die Mainstream-Gülle in HD unbeschadet über die Monitore flimmert.

    Das Vorgehen der Deutschen Telekom ist ein ungeheuerer Affront nicht nur gegen die Freiheit des Internets, sondern gegen die Freiheit selbst. Es ist deshalb notwendig, mit aller Härte gegen diese Ansinnen vorzugehen. Nutzen wir die noch "freien Märkte". Strafen wir die Telekom-Bonzen ab, in dem wir auf alle Produkte des Konzerns verzichten und Verträge kündigen.

  • 08.05.2013, 13:03 UhrNicht-Dumm

    ... dann muss es aber für wenig Surfer billiger werden, als bisher.

  • 08.05.2013, 13:11 Uhrwildow

    Und darum verliert die Telekom weitere Kunden am Fließband! Habe heute gekündigt!

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