Internet für Entwicklungsländer
Google kauft Drohnenbauer Titan Aerospace

Das Silicon Valley will hoch in die Luft: Nach Facebook hat auch Google einen Drohnenbauer gekauft. Beide haben mit ihren Zukäufen dasselbe Ziel: Internet für die mobile Kundschaft auf den Entwicklungsmärkten.
  • 0

New YorkSelbstfahrende Autos, Roboter und jetzt: Drohnen. Google hat sich das Start-up Titan Aerospace unter den Nagel gerissen, wie der Tech-Gigant am Montag bekannt gab. Den Kaufpreis gab Google nicht bekannt. Die Drohnen könnten helfen „Millionen von Menschen Internetzugang zu verschaffen und andere Problem zu lösen, wie beispielsweise Nothilfe oder die Abholzung“, so Google-Manager Tim Drinan in einer Mitteilung.

Um das rund 20-köpfige Start-up Titan Aerospace aus New Mexiko war in den vergangenen Monaten ein wahrer Interessentenwettstreit entbrannt. Auch Facebook hatte sich mit Managern von Titan Aerospace in Gesprächen befunden. Doch Google habe versprochen, jedes Angebot seines Konkurrenten zu überbieten, sagten mit der Sache vertraute Personen dem „Wall Street Journal“. Ende März gab Facebook bekannt, dass es für 20 Millionen Dollar das britische Unternehmen Ascenta gekauft hatte. Die Firma arbeitet as ebenfalls an unbemannten Flugzeugen, die mit Solarenergie betrieben werden.

Das erklärte Ziel beider Unternehmen ist es, über die Luft Internetverbindungen in Entwicklungsländer zu bringen – auch in entlegenste Orte. Internet.org heißt dabei die von Facebook angeführte Initiative mehrerer Tech-Giganten. Google schreitet derweil mit dem Projekt „Loon“ alleine voran. Es wurden bereits Tests absolviert, in denen Internetverbindungen über solarbetriebene Ballons angeboten werden.

Facebook und Google könnten sich mit der Technik Zugang zu Millionen neuen Kunden schaffen, sagte Patrick Egan, ein Drohnenexperte und Reporter für das Fachmagazin sUAS News dem „Wall Street Journal“. „Wenn sie die technischen Hürden überwinden, könnten sie geschlossene Netzwerke für Internet- und Breitband-Verbindungen schaffen, die Milliarden über Milliarden von Dollars wert sind“, sagte Egan.

Die unbemannten Maschinen von Titan werden durch Solarenergie betrieben und können dem Unternehmen bis zu fünf Jahre lang in der Luft bleiben. Sie haben etwa die Größe eines mittelgroßen Passagierflugzeuges. Bis 2015 sollen sie für „kommerzielle Einsätze“ bereit sein.

Ein Gigabit pro Sekunde

Dann können sie nicht nur Internetverbindungen mit einer Geschwindigkeit von bis zu einem Gigabit pro Sekunde in entlegene Regionen der Erde senden. Dem Unternehmen zufolge können die Maschinen auch in Echtzeit hochauflösende Bilder zur Erde senden, was für Googles Karten- und Navigations-Dienste interessant sein dürfte.

Möglicherweise wisse Google aber auch noch nicht genau, was sie mit der zugekauften Technologie wirklich wolle, sagte Greg Sterling, Analyst bei Opus Research der Nachrichtenagentur Bloomberg: „Manche ihrer Investments sind rein spekulativ. Sie haben eine Menge Geld, das sie für Projekte ausgeben können, von denen unsicher ist, ob sie irgendwann Gewinn abwerfen.“

Michaël Jarjour
Michaël Jarjour
Handelsblatt / Freier Journalist

Kommentare zu " Internet für Entwicklungsländer: Google kauft Drohnenbauer Titan Aerospace"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%