Internet
Google drängt ins Firmengeschäft

Google drängt auf den Markt für Unternehmenssoftware: In den kommenden fünf Jahren soll die Lizenzierung von Software für Unternehmen eine der wichtigsten Einnahmequellen des Internet-Gigants werden. Die Pläne des Konzerns zeigen, wie sehr sich der Markt in Richtung Online-Angebote verschiebt.

BERLIN/FRANKFURT. Der Internetkonzern Google erhöht den Druck auf die Anbieter von Software für Firmen. In den kommenden fünf Jahren werde die Lizenzierung von Softwarepaketen für Unternehmen eine der wichtigsten Einnahmequellen Googles, sagte Hal Varian, der Chefökonom des Internetkonzerns, dem Handelsblatt am Rande einer Veranstaltung der American Academy. "Ich denke, wir werden Geld mit Anwendungen machen, mit Lizenzen für Gmail oder unserem Kalender für Unternehmen und Institutionen."

Dabei zielen die Google-Strategen auch auf Wave, eine jüngst vorgestellte Kommunikations-Technologie. Sie hat nach Ansicht von Experten das Potenzial, die E-Mail abzulösen. "Wave wird wohl ein Teil des Anwendungspakets, das wir anbieten werden. Es wäre natürlich, es dort zu platzieren", sagte Varian.

Die Ankündigung von Google zeigt, wie sehr der Markt für Firmen-Software im Umbruch ist. Statt wie bislang Software über CD zu vertreiben und auf Rechnern vor Ort bei den Kunden zu installieren, wird diese immer stärker "online" über das Internet genutzt. Damit drängen völlig neue Anbieter in dieses Geschäft.

Zwar geht es bei Google zunächst noch um Standardanwendungen wie Mail oder Texterfassung. Hier tritt das Unternehmen vor allem in Wettbewerb zu Platzhirsch Microsoft. Doch auch bei Programmen zur Steuerung von Unternehmen, wie sie etwa SAP anbietet, findet eine wachsende Verschiebung in Richtung Online statt. Hier zählt unter anderem Salesforce zu den Treibern.

Lange Zeit hatten die Platzhirsche eine Änderung des eigenen Geschäftsmodells abgelehnt. Grund ist die niedrigere Rentabilität des Onlinemodells. Zum einen müssen die Kunden nur das bezahlen, was sie tatsächlich an IT-Leistung benötigen. Im traditionellen Softwarevertrieb ist dies nur eingeschränkt möglich. Zum anderen müssen die Softwarehersteller nun auch die Kosten für Server-Farmen übernehmen oder, falls sie das an Service-Anbieter abgeben, diesen einen Teil der Erlöse überlassen.

So arbeitet Oracle bezogen auf das Nettoergebnis derzeit mit einer Marge von fast 25 Prozent. Salesforce hingegen kommt auf bescheidene 4,4 Prozent. Wie schwer es ist, mit dem On-Demand-Modell auf die gewohnte Profitabilität zu kommen, musste SAP bei dem neuen Mittelstandsprodukt "Business By Design" erfahren. Der Softwarekonzern verschob die Einführung um mehrere Monate und arbeitet immer noch an den Problemen.

Dennoch haben in den letzten Wochen immer mehr etablierte Anbieter ihre Strategie geändert. Nicht zuletzt die Wirtschaftskrise und der Kostendruck bei Kunden haben diese Entwicklung beschleunigt. So will etwa Hewlett-Packard nun nahezu seine gesamte Softwarepalette online anbieten. Auch Oracle arbeitet an mehreren On-Demand-Lösungen. Gleiches gilt für Microsoft.

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