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Internet-Maut: Wer zahlt, bekommt Vorfahrt im Web

Netzbetreiber wie die Telekom wollen bei Google & Co. kassieren, um das Internet schneller zu machen. Doch die wehren sich - noch. Wenn die Pläne durchgehen, kommt das Netz der zwei Geschwindigkeiten. Die Netzneutralität steht auf dem Spiel, doch Experten und Regulierer sehen keine Alternative.

Netzwerkkabel: Wer schnell im Internet unterwegs sein will, soll in Zukunft einen Aufschlag zahlen, fordern Netzbetreiber. Quelle: dpa
Netzwerkkabel: Wer schnell im Internet unterwegs sein will, soll in Zukunft einen Aufschlag zahlen, fordern Netzbetreiber. Quelle: dpa

DÜSSELDORF/BRÜSSEL/LONDON. Ruckelige Videos, langsame Downloads oder Staus beim Mailversand von Fotos - die Kapazitätsgrenze des Internets haben die meisten Nutzer schon zu spüren bekommen. Vor allem in der Rush-Hour, abends um 20 Uhr, hapert es gewaltig mit der Übertragungsgeschwindigkeit.

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Doch damit soll bald Schluss sein - zumindest für diejenigen, die bereit sind, für garantiertes Surf-Vergnügen zu bezahlen.

Telekom-Chef René Obermann fordert seit langem die Mehrklassengesellschaft im Internet: Wer bezahlt, dessen Inhalte sollen in den zunehmend verstopften Leitungen Vorfahrt erhalten. Wer nichts bezahlt, muss sich hintenanstellen. Die Einnahmen braucht Obermann, um den milliardenschweren Ausbau der IT und der Netze zu finanzieren - allein in Deutschland gibt er bis 2012 zehn Milliarden Euro aus.

Seit Monaten verhandelt der Manager deshalb mit Google, Facebook und Co. Die Internetriesen waren einst strikt gegen jede Gebühr für die Durchleitung ihrer Daten - doch mittlerweile bröckelt ihr Widerstand, sagen Insider. Denn es sind ihre Kunden, die sich ärgern, wenn Videos, die sie herunterladen, ruckeln, wenn sie keine Fotos verschicken können oder Telefonate abbrechen.

Nun erhält der Telekom-Chef weitere Rückendeckung - ausgerechnet vom obersten Regulierer Matthias Kurth. Der Beamte will der Telekom zwar verbieten, einzelne Internetfirmen zu bevorzugen. Doch auch er hat eingesehen, dass an einer Internet-Maut kein Weg mehr vorbeiführt.

Allerdings soll sich die Gebühr an Produktklassen orientieren. Der Chefregulierer kann sich beispielsweise vorstellen, dass für Telefonate im Netz bezahlt werden muss und die Gespräche dann Vorrang vor E-Mails haben. Auch alle Videos sollen gleich behandelt werden - egal, ob es sich dabei um eine pädagogisch wertvolle Dokumentation oder einen halbseidenen Amateurfilm handelt.

  • 13.01.2011, 16:36 Uhrbauagent

    Egal was man in den letzten Monaten an Zukunftsvisionen aus den Medien entnehmen darf, es geht immer in Richtung Versklavung im Sinne von Gebühren.

    Teilhabe an der Gesellschaft bedeutet im Rahmen unseres entgleisten Spätkapitalismus, dass Zwangsabgaben für die inanspruchnahme jeglicher Grundleistung gezahlt werden müssen.

    Ob GEZ, Pflegeversicherung, Müllabfuhr, internet u.s.w. alles summiert sich in eine Höhe, die in Relation zum monatlichen Einkommen in großen Teilen der bevölkerung zu einer Knechtschaftsteuer verkommen ist. Eine bedenkliche Entwicklung, die immer mehr in´s Abseits bringt und zu inhomogenen Strukturen führt. Dass es am Ende dieser Entwicklung auch unsere Herren und Damen DAX-Lenker betrifft, scheint nicht mehr anzukommen.

  • 13.01.2011, 16:57 UhrRalph Fischer

    Das geht alles am Kern vorbei.

    iCH bezahle meinen Provider, damit DER mir die inhalte anschleppt, die ich haben will.
    Und es interressiert mich nicht, ob der Anbieter dafür extra zahlt.
    Schliesslich zahle ich schon.

  • 13.01.2011, 16:58 UhrSeher

    Jeder der bei der Deutschen Telekom bleibt obwohl er mindestens 10 Euro mehr als bei der Konkurrenz bezahlt sollte sich überlegen ob er auch weiterhin Kunde der Deutschen Telekom bleibt. Vom Gesetz her sollte die Netzneutralität in der Europäischen Union festgeschrieben werden. Wir bezahlen deutlich zu viel für Telefon (Festnetz,Mobilfunk) und internet. Die Preise können um mindestens 25% sinken. Die Firmen schauen doch nur auf ihre Margen ich glaube nicht das Geld was zusätzlich erwitschafte wird an die Firmenmitarbeiter weitergeben wird. Die Chefetage möchte noch mehr verdienen. Ein Jahresgehalt von 250000 Euro für einen großen Manager ist ihnen in der heutigen Zeit zu niedrig. Es gibt ja genügend Manager (Vorbilder für den kleineren Manager) die deutlich über 1000000 Euro verdienen. ihr einfachen Angestellten die im durchschnitt 31000 Euro im Jahr verdient und maximal 60000 Euro verdient wenn ihr zu den besserverdienenden zählt akzeptiert ja alles was das hohe Management erzählt. Die Gewerkschaften waren euch nicht gut genug und ihr habt noch dafür gesorgt das in der heutigen Gewerkschaft nur noch Ja-Sager eingesetzt werden damit die Gewerkschaften noch weniger für euch einfache Angestellten tun können. Akzeptiert nicht alles was man euch erzählt.
    ihr verdient im Jahr etwa das gleich was die hohen Manager am Tag verdienen.

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