Internet-Portal mit 200 Millionen Euro in bar bezahlt
Web.de setzt ganz auf Internet-Telefonie

Nach dem Verkauf des gesamten Internet-Portal-Geschäfts an den Konkurrenten United Internet will sich die Karlsruher Web.de ganz auf den Hoffnungsträger Internet-Telekommunikation konzentrieren.

HB FRANKFURT. Für Entwicklung und Vermarktung der Kommunikations-Software hat das Unternehmen einen Barbestand von mehr als 300 Millionen Euro. „Damit sind wir eines der bestfinanzierten Start-ups“, sagte Vorstandschef Matthias Greve am Donnerstag in Frankfurt. United Internet will das Kerngeschäft von Web.de für 200 Millionen Euro in bar und 5,8 Millionen in Aktien kaufen. Ende 2004 hatte Web.de mehr als 107 Millionen Euro flüssige Mittel.

„Operativ werden wir das Cash nicht benötigen“, sagte Greve. Auch Zukäufe seien nicht geplant. Über eine Sonderausschüttung aus dem Bestand sei noch keine Entscheidung getroffen worden, sagte Vorstandsmitglied Matthias Hornberger. Spekulationen über die Verwendung der neuen Mittel hatten die Web.de-Aktie bis zu 17 Prozent nach oben getrieben. Am Mittag lag die Aktie mit 9,85 Euro noch 8,2 Prozent im Plus. Die United-Internet-Aktien, die Web.de mit zehn Prozent zum Großaktionär des bisherigen Konkurrenten machen, sollten kurzfristig nicht verkauft werden. Web.de wolle an der Entwicklung des Portal-Geschäfts weiterhin partizipieren, sagte Greve.

Noch in diesem Jahr will Web.de eine Software auf den Markt bringen, die die Kommunikationskanäle E-Mail, Internet, SMS und Telefon verbindet. Mit der Vorgängerversion „Com.Win“, die seit mehr als drei Jahren in der Entwicklung ist, hatte Web.de im vergangenen Jahr 700 000 Euro umgesetzt, aber 9,3 Millionen Euro Verlust erwirtschaftet.

Neue Software soll im Abo vertrieben werden

Die neue Software solle nicht verkauft, sondern im Abonnement vertrieben werden, sagte Greve, der ebenso wie sein Vorstandskollege Matthias Ehrlich zu United Internet wechseln will. Auch die 350 Mitarbeiter des Web.de-Portalgeschäfts werden nach Angaben Greves von United Internet übernommen. Nach dem Verkauf der Markenrechte an United Internet werde die Web.de AG künfig den Namen des neuen Telekommunikations-Produkts tragen, sagte Greve.

Im vergangenen Jahr hatte Web.de den Umsatz um 31 Prozent auf 43,0 Millionen Euro gesteigert und das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen auf 4,4 (2003: 3,8) Millionen Euro ausgebaut. Eine Abschreibung auf eine Beteiligung in den USA drückte Web.de nach Steuern aber mit 2,4 Millionen Euro in die roten Zahlen. Eine Dividende soll es nicht geben.

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