Internet-Projekt in Indien
Zuckerbergs Kampf gegen die Facebook-Feinde

Der Facebook-Gründer will einer Milliarde Indern kostenlosen Zugang zu ausgewählten Online-Diensten ermöglichen. Netz-Aktivisten sehen darin keine Wohltat, sondern wittern kommerzielle Interessen.

BangkokWenn Mark Zuckerberg erklären will, warum er ein guter Mensch ist, erzählt er die Geschichte von Ganesh. Demnach ist Ganesh ein armer Bauer aus Indien, dessen Leben dank Facebook ein bisschen besser geworden sei. Denn mit der Facebook-App Free Basics könne Ganesh jetzt kostenlos ins Internet und sei bestens über Wetter und Saatgut-Preise informiert, schreibt Zuckerberg in der Times of India.

Für seine scheinbar gute Tat muss sich der Facebook-Gründer verteidigen. Denn auf dem Subkontinent ist eine Debatte über Free Basics unter Zuckerbergs Initiative Internet.org entbrannt, die in mehr als 30 Staaten vertreten ist. Zuckerberg sieht darin die Möglichkeit, Millionen Indern mit einem Internetzugang ein besseres Leben zu ermöglichen. Seine Kritiker vermuten andere Motive: „Facebook geht es nicht darum, den Leuten einen Internetzugang zu geben“, kritisiert die Organisation Save the Internet. „Es will, dass Facebook und seine Partner kostenlos sind und alles andere kostenpflichtig bleibt.“

Die Aktivisten stört, dass Facebook mit Free Basics nur eine abgespeckte Version des Internets anbietet: Der Farmer Ganesh kann zwar die Getreidepreise checken, sich bei BBC sowie Wikipedia informieren und natürlich Facebook besuchen. Auf Google, Twitter und viele andere wichtige Websites hat er aber keinen Zugriff. Was ansteuerbar ist, das entscheidet alleine Facebook – nach rein technischen Kriterien, sagt das Unternehmen.

Für die Kritiker ist das ein Verstoß gegen die Netzneutralität, nach der alle Daten im Internet gleich behandelt werden müssen. Aktivisten haben es geschafft, die indische Telekommunikationsaufsichtsbehörde TRAI zu sensibilisieren. Die Beamten haben Reliance Communications – den einzigen Telekommunikationsanbieter, über den Free Basics zu erreichen war – angewiesen, das Angebot vorerst zu stoppen. Eine endgültige Entscheidung über Free Basics und ähnliche Angebote dürften die Beamten in den kommenden Wochen fällen.

Statt sich auf die Debatte um Netzneutralität einzulassen, argumentiert Zuckerberg lieber mit Gefühl: „Warum soll Ganeshs Möglichkeit, Preise besser prognostizieren zu können, schlecht für den Wettbewerb im Internet sein?“, fragt er. Facebook fordert Free-Basics-Nutzer außerdem auf, eine vorgeschriebene E-Mail an die Aufsichtsbehörde TRAI zu schicken: „Mit mehr als einer Milliarde Menschen ohne Internetzugang würde das Ende von Free Basics vor allem die schwächsten im Land Treffen“, heißt es darin.

Seite 1:

Zuckerbergs Kampf gegen die Facebook-Feinde

Seite 2:

„Indiens Kampf wird auch andere Länder beeinflussen“

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%