Internet-Suchmaschine
Google vergisst fortan

Jetzt können Europäer bei Google einen Löschantrag stellen. Das Unternehmen setzt damit das „Recht auf Vergessenwerden“ um. Das Urteil des Europäischen Gerichtshofs bringt die Firma in eine schwierige Lage.
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WashingtonMehr als zwei Wochen nach dem Urteil des Europäischen Gerichtshofs zu Löschmöglichkeiten in Ergebnislisten von Suchmaschinen hat Google mit der technischen Umsetzung begonnen. Am späten Donnerstag stellte der Suchmaschinen-Gigant ein Formular ins Internet, mit dem Europäer die Löschung unliebsamer Daten beantragen können. Das Urteil zwinge Google, schwierige Entscheidungen zu treffen zwischen dem „Recht des Einzelnen auf Vergessenwerden“ und dem Informationsrecht der Öffentlichkeit, erklärte ein Sprecher des US-Konzerns.

Ein Beraterausschuss soll dem Konzern künftig helfen, zwischen beiden Interessen die Waage zu halten. Ihm gehören Ex-Konzernchef Eric Schmidt, Wikipedia-Gründer Jimmy Wales, Experten der Universitäten von Oxford und Leuven (Belgien), Spaniens ehemaliger oberster Datenschützer José Luis Pinar sowie der UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Meinungsfreiheit und freie Meinungsäußerung, Frank La Rue, an.

Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hatte Mitte Mai entschieden, dass Internet-Suchmaschinen wie Google bei einer Suche nach einem Namen in bestimmten Fällen nicht alle Treffer anzeigen dürfen. EU-Bürger können von Suchmaschinenbetreibern verlangen, dass sie Links nicht mehr anzeigen, wenn die Inhalte ihre Persönlichkeitsrechte verletzen. Lehnen die Suchmaschinenbetreiber dies ab, können Betroffene die zuständigen Datenschutzbeauftragten einschalten oder klagen.

Agentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Internet-Suchmaschine: Google vergisst fortan"

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  • "Leute, die Unseriöses bis Böses wollen, werden es fortan leichter haben. Der Rest muss halt sehen, wo er bleibt."

    Diese Leute haben es so leicht oder schwer wie seit hunderten von Jahren schon. Jeden Tag steht ein Dummer auf ...
    Mit den Daten von Leuten Geld zu verdienen, die irgendwann im Leben mal ins Kl* gegriffen haben, halte ich auch nicht für besonders "seriös". Danach dürften wohl auch eher Kanalratten suchen, als denn "seriöse" Geschäftemacher.

  • Für nachdenkende Menschen ist das Urteil kein wahrer Grund zur Freude. Repräsentiert es eine Form von Zensur: jemand hat (vulgo) Mist gebaut und kann nun dafür sorgen, dass eben dieser Mist nicht mehr bei Google gelistet wird. Leute, die Unseriöses bis Böses wollen, werden es fortan leichter haben. Der Rest muss halt sehen, wo er bleibt.

  • Es geht nicht ums löschen der eigentlichen Daten, sondern um das Zeigen.

    "Das Urteil zwinge Google, schwierige Entscheidungen zu treffen zwischen dem „Recht des Einzelnen auf Vergessenwerden“ und dem Informationsrecht der Öffentlichkeit, erklärte ein Sprecher des US-Konzerns."
    Wurde auch Zeit das diese Konzerne genau dazu gezwungen werden.
    Und manche andere Firmen auch.
    Ebenfalls die "User" die jeden Querpubs, auch den anderer Leute, ins Netz stellen.

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