Internet-Unternehmen: Profitabilität statt Nutzer-Rekord

Internet-Unternehmen
Profitabilität statt Nutzer-Rekord

Internet-Unternehmen schauen zu oft auf reine Nutzerzahlen, statt tiefer in die Finanzkennziffern einzusteigen. Oft sind jedoch andere Kennziffern als die Nutzerzahl eng mit dem Umsatz verknüpft – etwa die Verweildauer auf der Seite oder die Kundentreue.
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DÜSSELDORF. Internet-Unternehmen schauen zu oft auf reine Nutzerzahlen, statt tiefer in die Finanzkennziffern einzusteigen. Das ist das Ergebnis einer neuen Studie der Unternehmensberatung Deloitte, die 100 Firmen befragt hat – von kleinen Internet-Start-ups über etablierte Spieler bis hin zu großen Medienhäusern.

„Kein Laden würde zählen, wie viele Menschen am Schaufenster vorbeigegangen sind“, sagt Deloitte-Partner Nicolai Andersen. „Da zählen nur Umsätze.“ Genauso müssten Internet-Firmen prüfen, ob die reine Zahl der Besucher auf einer Seite als Steuerungsgröße sinnvoll sei. Nur bei rein werbefinanzierten Internet-Seiten zähle vor allem die Zahl der Nutzer.

Gerade Medienunternehmen, die wie Burda oder Springer in verschiedene Internet-Firmen investierten, neigten dazu, alle Geschäftsmodelle über einen Kamm zu scheren, sagt Andersen. Oft seien jedoch andere Kennziffern als die Nutzerzahl eng mit dem Umsatz verknüpft – etwa die Verweildauer auf der Seite oder die Kundentreue. Zudem sei es wichtig, dass Online-Unternehmen eine starke Marke aufbauten. Kunden, die die Web-Adresse einer Firma in den Browser eintippten, statt über eine Suchmaschine vermittelt zu werden, seien besonders wertvoll. Schließlich könnten Konkurrenten sich über Suchmaschinenoptimierung leicht einen der oberen Plätze in der Google-Ergebnisliste verschaffen.

Ein anderes Problem haben Gründer. „Wir sehen gerade eine neue Euphoriephase mit jungen Gründern. Sie wollen wild und innovativ sein – und nicht viel Geld ins Controlling stecken“, berichtet Andersen. Fehler des Neuen Markts um die Jahrhundertwende wiederhole die neue Generation in abgeschwächter Form.Werden diese Firmen von etablierten Konzernen übernommen, kommt es zu einem Konflikt: „Die Gründer halten sich für einzigartig, der Übernehmer will standardisierte Prozesse aufsetzen. Die Wahrheit liegt dann irgendwo in der Mitte“, warnt Andersen.

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