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DSL-Anbieter zögern mit Übernahmen

Der Internetanbieter United Internet ist im vergangenen Jahr vor allem wegen Abschreibungen auf seine Beteiligungen unerwartet tief in die roten Zahlen gerutscht und zahlt keine Dividende. Nun hat das Unternehmen genau wie auch Freenet keine Eile mehr mit Akquisitionen und Verkäufen.

FRANKFURT/DÜSSELDORF. Die lange erwartete Konsolidierung des deutschen DSL-Marktes könnte sich weiter verzögern. Diesen Schluss legen Bemerkungen der zwei Übernahmekandidaten United Internet (UI) und Freenet nahe. "Wir gieren nicht nach Marktanteilen. Wir schauen auf die Profitabilität", sagte Ralph Dommermuth, Vorstandschef von UI, gestern in Frankfurt. Zugleich dementierte er Gerüchte, die spanische Telefónica arbeite an einer Übernahme von UI. "Es gibt keine Gespräche über eine Übernahme, wir stehen auch nicht zum Verkauf."

Auch Joachim Preisig, Chef des Telekomdienstleisters Freenet, sagte im Gespräch mit dem Handelsblatt, es gebe andere Optionen zu einem Verkauf: "Wenn der Preis nicht stimmen sollte, haben wir Alternativen, weil sich das DSL-Geschäft nach der Restrukturierung stabilisiert hat." Grundsätzlich halte er aber an dem geplanten Verkauf des DSL-Geschäftes fest.

Die Äußerungen markieren einen Wendepunkt im bundesdeutschen DSL-Markt. Bislang hatte UI als einer der aussichtsreichsten Interessenten für die DSL-Sparte von Freenet gegolten. "Wir schauen uns weiterhin alles an", bekräftigte Dommermuth zwar gestern. Doch zugleich machte der Chef des drittgrößten DSL-Anbieters klar, dass man sich weitaus weniger zu Übernahmen gedrängt sieht als vor einigen Monaten.

Die neue Zurückhaltung - UI galt über Monate als Treiber einer DSL- Konsolidierung - ist nicht verwunderlich. Die Internet-Gruppe, die 25 Prozent an Versatel sowie über die mit Drillisch gegründete MSP 25,9 Prozent an Freenet hält, hat sich mit diesen Engagements mächtig die Finger verbrannt. Da die Kurse in den vergangenen Monaten in den Keller gerauscht sind, waren 2008 Abschreibungen in Höhe von 275 Mio. Euro fällig. Dadurch ist UI erstmals seit Jahren mit einem Nettoverlust von 121,5 Mio. Euro in die roten Zahlen gerutscht.

Das Debakel hat den Übernahmehunger von Dommermuth offensichtlich vorerst gebremst. "Im nachhinein muss man sagen, wir hätten uns das eine oder andere besser verkniffen", räumte er freimütig ein und ergänzte: "Ich kann nicht sagen, dass das wertschöpfend war." Allerdings, das betonte Finanzchef Norbert Lang, sei die Bilanz jetzt blitzsauber. "Selbst wenn es noch weiteren Wertberichtigungbedarf geben sollte, na und? Das halte ich locker aus", sagte Dommermuth.

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